Kein Gottesdienst in der Synagoge, kein gemeinsames Mahl in der Gemeinde. Auch beim jüdischen Pessachfest, das dieses Jahr mit der Karwoche zusammenfällt, ist alles anders. Dabei ist Pessach eigentlich das wichtigste aller jüdischen Feste.

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Eine Woche lang, vom 27. März bis 4. April, unserem Ostersonntag, wird gefeiert. Doch wie geht das in Corona-Zeiten? Ein Gespräch mit Aaron Bachkala, dem Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Rottweil-Villingen-Schwenningen.

Was bedeutet Ihnen Pessach?

Pessach feiert den Auszug aus der ägyptischen Sklaverei. Es ist eine Zeit der Erinnerung. Wir erinnern uns daran, wo wir herkommen, was wichtig ist im Leben. Und wir geben unsere Traditionen an die nächste Generation weiter. Das bedeutet mir sehr viel.

Wie feiern Sie normalerweise Pessach? Und gibt es ein Pessach-Fest, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ich wurde in den 80er Jahren in der Ukraine geboren. In der Sowjetunion konnten wir unsere jüdischen Traditionen kaum ausleben. Es war nicht direkt verboten. Aber alle Glaubensrichtungen, nicht nur die jüdische, wurden vom Sozialistischen Staat stark unterdrückt, sodass ich als Kind mit dem Pessach-Fest kaum in Berührung kam.

Als die Sowjetunion zusammenbrach und die ersten Rabbiner uns die Thora und unsere Traditionen näherbrachten, wurde ich zu einem Pessach-Fest eingeladen und sah, wie der Vater einer Familie ein kleines Theaterstück aufführte, um seinen Kindern vom Auszug aus Ägypten zu erzählen. Das hat mich nachhaltig beeindruckt.

Hier in der Kultusgemeinde Rottweil-Villingen feiern wir Pessach eigentlich alle zusammen. Wie eine große Familie.

Wie sieht es dieses Jahr aus? Können Sie überhaupt noch feiern?

Nicht wie sonst, wo wir in der Synagoge zusammenkommen. Das vermissen wir tatsächlich. Unsere Thora-Stunden und auch die Stunden, in denen wir unsere Pessach-Bräuche durchgehen, finden momentan per Videokonferenz statt.

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An Gemeindemitglieder verteilen wir Päckchen mit Wein und Matze, also ungesäuertem Brot, und der Pessach-Schrift. Sie ist unsere Festschrift, in der unsere Rituale festgehalten sind.

Sie haben eine Reihe besonderer Rituale. Letzte Woche hat Ihre Kollegin schon die Synagoge geputzt, weil an Pessach traditionell die Wohnung geputzt und alle Lebensmittel aussortiert werden, die Säuerungsmittel enthalten. Gibt es noch andere Pessach-typische Rituale?

Ja, wir essen während der Feiertage nur ungesäuertes Brot (Matzen). Als Symbol der Eile. Die Israeliten sind so schnell aus Ägypten geflohen, dass sie zum Säuren der Brote keine Zeit mehr hatten. So wird die Erzählung von damals sinnlich erfahrbar gemacht. Und dann haben wir noch unsere Pessach-Schrift, die das Zeremonielle festhält.

Die ungesäuerten Brote (Matzen). Symbolbild.
Die ungesäuerten Brote (Matzen). Symbolbild. | Bild: KENA BETANCUR

Die Corona-Pandemie ist für viele sehr belastend. Kann Pessach da Mut machen?

Ja, natürlich. Pessach ist ein hoffnungsvolles Fest. Es geht um den Glauben, aber auch um Wunder. Wir beenden die Zeremonie immer mit Worten, die Mut machen.