Die Sonne scheint wieder länger, die Temperaturen steigen. Jetzt ist eigentlich die Zeit gekommen, das Menschen sich gerne im Freien Freien aufhalten, durch die Innenstädte schlendern oder an der Eisdiele einen Stopp einlegen. Gerade jetzt vor und nach Ostern wäre Zeit dazu. Aber nicht in diesem Jahr. Das Corona-Virus hat das öffentliche Leben und viele Gewohnheiten und Regeln auf den Kopf gestellt.

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Auch für Dino Gianotti ist nichts mehr so, wie es noch vor einigen Wochen war. Er betreibt sein Eiscafé in der Muslen in VS-Schwenningen. Seit die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg in Kraft getreten ist, darf er sein Geschäft nicht mehr öffnen. Später wurde auch der Straßenverkauf an Eisdielen untersagt.

Auch das Eiscafé Venezia in der Niederen Straße hat zu.
Auch das Eiscafé Venezia in der Niederen Straße hat zu. | Bild: Fröhlich, Jens

Gelateria Gianotti: „Die Situation bedroht unsere Existenz“, sagt er. Lange halte er das nicht mehr durch. Da helfe auch ein „Tropfen auf den heißen Stein“ nicht. Gemeint sind Einnahmen, die er durch einen Eis-Lieferservice generiert. Bis zum Wochenende konnte er so zumindest einen keinen Teil der Verluste ausgleichen. Er warb sogar in den sozialen Medien damit. Durch ein Missverständnis zwischen ihm und der Stadtverwaltung brach jedoch auch dieses Geschäft weg, zum Glück nur für wenige Tage. Aufträge für das Wochenende musste er jedoch stornieren, weil nicht klar war, ob er diese Dienstleistung anbieten darf. Seit Montag hat er wieder grünes Licht. Oxana Brunner, Sprecherin der Stadtverwaltung, teilt mit, dass der Lieferservice weiterhin erlaubt sei.

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Der Ausser-Haus-Verkauf, also der Straßenverkauf an der Eistheke sei durch die aktualisierte Fassung der Auslegungshinweise zur Corona-Verordnung (Stand Freitag, 3. April) allerdings nicht gestattet. Laut einer vorherigen Fassung, vom 31. März, war diese Angebot noch möglich. „Wir halten uns bei Lieferungen genau an die Vorschriften“, teilt Gianotti mit. Es gebe keinen direkten Kontakt mit Kunden. Das Eis werde beim Kunden abgestellt. Die Geldübergabe im Couvert erfolge nach gleichem Prinzip. Seine Mitarbeiter würden Handschuhe und Nase-Mund-Masken tragen.

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Unterschiede: Gianotti kann auch nicht verstehen, warum Imbiss-Geschäfte und Restaurants noch einen Abholservice anbieten dürften, bei Eis aber eine andere Regelung gelte. Grund dafür könnte sein, dass Eis als Genussmittel eingestuft wird und nicht als Grundnahrungsmittel. Zudem könnte es in der aktuellen Situation Bedenken geben, dass sich das Corona-Virus in langen Warteschlangen weiter ausbreiten könnte. Gianotti überlegt jetzt, zudem andere Speisen aus seiner Küche in sein Lieferangebot aufzunehmen, um seinen Umsatz wieder anzukurbeln.

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Andere Eiscafés: Für Cesare Gianotti, der das Eiscafé Zampoli in der Villinger Rietstraße betreibt, ist ein Eis-Lieferservice keine Option. Das sei nicht rentabel, wenn er seine Waren frisch und in guter Qualität bei Kunden abliefern möchte. Sein Geschäft ruhe daher komplett. „Wir haben keinen Cent Einnahmen“, so der Gastronom. Er hofft, dass zumindest der Straßenverkauf an der Eistheke irgendwann wieder erlaubt sein wird, unter Einhaltung der Auflagen. Das würde ihm helfen, zumal jetzt im Frühling seine Hauptsaison langsam ins Rollen kommt. „Wir hoffen, dass in den nächsten zwei Wochen etwas passiert.“

Auch das Eiscafé Venezia in der Niederen Straße hat zu.
Auch das Eiscafé Venezia in der Niederen Straße hat zu. | Bild: Fröhlich, Jens

Ähnlich reagiert Stefano Paganin vom Eiscafé Venezia in der Niederen Straße auf die Krise. Er hat ebenfalls komplett geschlossen, mindestens bis zum 19. April. Ein Lieferservice komme nicht in Frage. Seine Parkplätze seien zu weit entfernt für ein solches Angebot. Und er rechnet nicht mit einer lohnenden Nachfrage seitens der Kunden. Moustafa Khalil vom Eiscafé Dolce Vita in der Niederen Straße sieht ebenfalls nur eine begrenzte Chance in Eis-Lieferungen. Er überlegt sich jedoch, andere Speisen anzubieten, die auf seiner Karte stehen.

Moustafa Khalil betreibt das Eiscafé Dolce Vita in der Niederen Straße.
Moustafa Khalil betreibt das Eiscafé Dolce Vita in der Niederen Straße. | Bild: Fröhlich, Jens

Eis an Ostern: Derzeit sieht es also so aus, dass der Eis-Straßenverkauf an Ostern nicht stattfinden darf. Wer über die Feiertage nicht auf leckeres Eis verzichten möchte, kann es sich – zumindest von einigen Eisdielen – auch liefern lassen. „Die Auslegungshinweise werden ständig aktualisiert und geändert“, erklärt Brunner. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt also noch. Eine SÜDKURIER-Anfrage beim Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg ergab, dass derzeit mit Hochdruck an einer Präzisierung der Regelung für Eisdielen gearbeitet werde. Ob eine Aktualisierung eine Lockerung der Regeln für den Straßenverkauf mit sich bringt, bleibt offen. Ebenso ist es denkbar, dass eine neue Fassung lediglich klarer formuliert, was Eisdielen dürfen und was nicht. Die aktuelle Formulierung hatte bei einigen Betreibern für Unsicherheit gesorgt.

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