Beim Thema Gesundheit denkt viele zunächst an Berufe wie Arzt oder Krankenschwester. Dabei gibt es gerade auch im Handwerk viele Gesundheitsberufe. Ganz klassisch gehört dazu neben dem Zahntechniker und dem Hörgeräteakustiker auch der Beruf der Orthopädietechnikerin. Doch was macht man da eigentlich genau?

Beim Orthopädie- und Vitalzentrum Piro in Villingen-Schwenningen werden diese Berufsfelder ausgebildet. Orthopädiemeister und Geschäftsführer Markus Piro hat das Handwerk selbst von der Pike auf gelernt.

Jedes Jahr stellt er neue Auszubildende ein und freut sich über jeden, der sich für dieses spannende Berufsfeld interessiert. Voraussetzung ist dabei aber immer, dass die Interessierten zuerst ein kleines Praktikum im Betrieb absolvieren.

„Nicht jeder hat das handwerkliche Geschick, welches wir hier brauchen“, weiß Piro aus Erfahrung. „Durch ein Praktikum erkennen wir aber sehr schnell, für wen das passt. Und dort, wo es nicht passt, können wir sicherlich eine hilfreiche Empfehlung für andere interessante Ausbildungsberufe geben.“

Geschäftsführer Markus Piro.
Geschäftsführer Markus Piro. | Bild: Hans-Juergen Goetz

So kam auch Lia Leber zu Piro. Nach der Realschule wollte sie mit 16 Jahren eigentlich Erzieherin werden, war sich aber nicht ganz sicher. Über Freunde wurde ihr dann ein Praktikum bei Piro vermittelt. Und da war es gleich um sie geschehen: „Ich wusste sofort, das ist mein Ding, das will ich machen.“

Vor allem war auch Meister Piro gleich klar, dass sie das Zeug zur Orthopädie-Schuhmacherin hat, zumal sie in den zwei Wochen allen Mitarbeitern Löcher in den Bauch fragte.

„Ich finde es einfach cool, dass ich mit meiner Arbeit Menschen dabei helfen kann, dass sie wieder gehen können und die Welt auf eigenen Füßen erkunden.“
Lia Leber, Orthopädietechnikerin

Jede Arbeit ist ein absolut maßgefertigtes Unikat. Und die Arbeit direkt mit den Kunden macht ihr großen Spaß: „Das Ergebnis und die Dankbarkeit der Kunden sind durch nichts zu übertreffen, das möchte ich nicht mehr missen.“

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Auch Jana Lehmann kam so nach dem Abitur zu Piro, um eine Ausbildung zur Orthopädietechnikerin zu absolvieren. Auch sie schätzt den Kontakt zu den Menschen und die Zusammenarbeit mit den Kollegen im Team sehr.

Egal, ob es um Hilfsmittel, Orthesen oder Prothesen geht, jeder Auftrag ist anders und immer auf eine ganz bestimmte Person angepasst. Lehmann reizt die Vielzahl der Werkstoffe, Werkzeuge und Verfahren, die bei der Entwicklung zum Einsatz kommen. Und auch für sie ist es immer wieder wie ein kleines Wunder, wenn jemand wieder gehen und sich bewegen kann.

Jana Lehmann bei der Digitalisierung einer Prothese.
Jana Lehmann bei der Digitalisierung einer Prothese. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Sie hat ihre Ausbildung inzwischen abgeschlossen. Ein anschließendes Studium war eigentlich angedacht, aber die Arbeit im Betrieb findet sie noch viel spannender und die Weiterbildungsmöglichkeiten sind auch hier gegeben.

Für Markus Piro passt das perfekt, denn so hat er jetzt eine Fachkraft im Betrieb, die sich mit den neuen Technologien befassen kann. Auch hier hält die Digitalisierung Einzug. Wo früher zeit- und kostenaufwendig in vielen Fällen erst einmal Modelle zum Test gebaut wurden, kann heute vieles mit dem Computer besser erledigt werden.

Mittels moderner 3D-Scanner und CNC-gesteuerter Maschinen können die Prothesen viel passgenauer und effizienter hergestellt werden. Am Computer kann zuvor alles visualisiert und virtuell auf Funktionalität und Machbarkeit getestet werden.

Lia Leber (links) und Jana Lehmann bei der Anpassung einer Prothese
Lia Leber (links) und Jana Lehmann bei der Anpassung einer Prothese | Bild: Hans-Juergen Goetz

„Das war für mich die ideale Herausforderung, dass ich mich als Erste in der Firma in diese neuen Technologien einarbeiten durfte“, erinnert sich die 25-Jährige. Inzwischen hat sie sich in ihrer Branche ein enormes Fachwissen angeeignet und teilt das gerne auch bei bundesweiten Kongressen und Seminaren mit anderen Kollegen.

Paralympics als das Sahnehäubchen

Das Sahnehäubchen sind für Piro und seine Mitarbeiter aber definitiv die Paralympics. Das ist sozusagen ein Schaufenster dessen, was die moderne Ortophädietechnik ermöglichen kann. Und so hatten sie über die Jahre auch bei Piro den einen oder anderen Athleten als Kunden, der bei den Paralympics antreten und gewinnen konnte.

Dennoch sei das kein Vergleich zu der Dankbarkeit, die den Mitarbeitern jeden Tag von ihren Patienten entgegengebracht wird, wenn sie durch die Arbeit ihrer Hände die Menschen in die Lage versetzen, ihren ganz normalen Alltag wieder besser meistern zu können. Für Lia Leber, Jana Lehmann und ihre Kollegen gibt es einfach keinen schöneren Beruf.