Es dreht sich auf den ersten Blick einfach um Haare – und doch geht es tatsächlich um sehr viel mehr. Um Würde, um Weiblichkeit, um Selbstsicherheit, und das mit typgerechtem, modischem Chic.

Seit vielen Jahren verhilft Jutta Schicklang Frauen, die an Haarverlust leiden, mit einfühlsamer Beratung und handwerklichen Fachkenntnissen zum passenden Haarersatz.

„Ich helfe den Frauen, sich mit einer Perücke wohl und sicher zu fühlen“, sagt sie. Meist ist der Haarverlust Folge einer Erkrankung. Die Friseurmeisterin möchte den Betroffenen „ein Stück Selbstwertgefühl“ zurückgeben.

Dabei hatte sie diesen besonderen Zweig des Friseurberufs noch gar nicht so sehr im Blick, als sie vor 45 Jahren in den Salon in der Konstanzer Straße in Villingen kam, in dem sie seither arbeitet.

Berufsstart mit 14 Jahren

Als 14-Jährige hatte sie 1978 das Geschäft betreten. Damals waren Ausbildungsplätze begehrt. Jutta Schicklang arbeitete jeden Samstag zur Probe, bis sie als Lehrling übernommen wurde.

„Ich wollte schon immer Friseurin werden“, sagt die in Fischbach aufgewachsene zierliche, schlanke Frau, der man ihr Alter wirklich nicht ansieht. Sie qualifizierte sich zur Meisterin weiter.

„Ich habe eine positive Einstellung und Mut.“
Jutta Schicklang, Friseurmeisterin

Als ihr der damalige Inhaber Eduard Bonan den Salon zur Übernahme offerierte, zögerte sie nicht, griff zu und machte sich mit acht Mitarbeitern selbstständig. Das Kapital dafür lieh ihr die Bank. „Ich habe eine positive Einstellung und Mut“, blickt sie auf diesen Schritt zurück.

Ihr Können wird geschätzt. In der Friseurinnung arbeitete sie auch im Vorstand, im Fachbeirat und in der Prüfungskommission mit. Darüber hinaus leitete sie eine Kosmetikgruppe der Friseure.

Seltene Spezialisierung

Als eine Freundin vor 25 Jahren an Brustkrebs erkrankte, bekam das Thema Zweithaar, Perücke und Haarersatz dann einen neuen Stellenwert und wurde mehr und mehr zum zweiten Standbein. Weil diese Spezialisierung selten ist, reicht der Einzugsbereich ihres Salons weit über Villingen hinaus.

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Unter den Kunden sind junge Frauen und sogar Kinder. Jutta Schicklang zeigt eine Langhaarperücke aus Echthaar. „Die ist für ein kleines Mädchen“, sagt sie. Das Kind leidet unter kreisrundem Haarausfall. Den Haarersatz gibt es bei medizinischen Indikationen auf Rezept von der Krankenkasse.

Diese Perücke ist für ein kleines Mädchen. Auch Kinder leiden manchmal schon unter Haarausfall
Diese Perücke ist für ein kleines Mädchen. Auch Kinder leiden manchmal schon unter Haarausfall | Bild: Felicitas Schück

Mit 59 Jahren wagt Jutta Schicklang nun noch mal einen neuen Schritt. Die Friseurmeisterin eröffnet ab Januar ihr Zweithaarstudio in Königsfeld. Dort will sie sich völlig auf Perücken und Haarteile konzentrieren.

Sie lebt in der Gemeinde seit Jahren zusammen mit ihrem Mann Horst, der sie und ihr Geschäft stets unterstützt habe. „Ich schenke mir ein bisschen mehr Zeit“, sagt die Friseurmeisterin, die dann nicht mehr von Königsfeld nach Villingen pendeln muss.

Jahrelang engagiert für gute Zwecke

Jutta Schicklang ist dankbar dafür, dass sie gesund ist „und dass ich die Kraft habe, zu helfen“. Diese Dankbarkeit möchte sie weitergeben. Mehr als ein Jahrzehnt lang gab es in ihrem Salon das Event „Haareschneiden für einen guten Zweck“ zugunsten von krebskranken Kindern in VS-Tannheim und in der Katharinenhöhe.

Auch für die Feldner Mühle und das Schwarzwald-Baar-Klinikum wurde gespendet. Die Spenden erreichten Rekordhöhen. Bis zu 4000 Euro wurden an einem Tag gesammelt.