Zwei weitere Jahre im Amt bestätigt haben die Mitglieder der Historischen Narrozunft ihre Galionsfigur, den Ersten Zunftmeister Anselm Säger. 150 Mitglieder waren dabei, als Villingens größter Verein die am 5. Januar ausgefallene Generalversammlung am vergangenen Samstag in der Neuen Tonhalle nachholte. Dabei interessierte die Mitglieder eine Frage ganz besonders: Kann im nächsten Jahr wieder närrisches Brauchtum gepflegt und Fastnacht gefeiert werden? Eindeutige Antworten gibt es zur Stunde noch nicht.

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Zunftmeister Anselm Säger, der bei den Wahlen wie auch sämtliche stellvertretenden Ressortleiter des Vereins ohne Gegenstimmen wiedergewählt wurde, machte den Mitgliedern Mut, dass es durchaus die Chance gebe, in 2022 wieder feiern zu können, nach dem dieses Jahr coronabedingt außer virtueller Fastnacht nichts stattfand. Was genau möglich ist, hängt natürlich vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und den politischen Entscheidungen dazu.

Anselm Säger wurde für eine weitere Amtszeit von zwei Jahren als Vorsitzender und Erster Zunftmeister im Amt bestätigt. Er ist bereits seit 2017 im Amt.
Anselm Säger wurde für eine weitere Amtszeit von zwei Jahren als Vorsitzender und Erster Zunftmeister im Amt bestätigt. Er ist bereits seit 2017 im Amt. | Bild: Jens Schaumann

Auf Nachfrage des SÜDKURIER ging Säger noch einmal näher auf das Thema ein. Nach seiner Einschätzung kann im nächsten Jahr „am ehesten die Straßenfastnacht“ stattfinden. „Da bin ich zuversichtlich, dass wir das hinkriegen können“, äußerte der Zunftmeister. Bei den Fastnachtsbällen in der Halle sowie der Stüble-Fastnacht in Kneipen und privaten Räumen, „wird es sich zeigen, was möglich ist“. Die Bälle und die Kneipenfasnet werden wohl nur möglich sein, wenn sich das Infektionsgeschehen in Grenzen hält und vom Land keine Corona-Warnstufe ausgerufen wird. „Das steht noch voll in den Sternen.“ Ende Oktober, berichtet Säger, wollen die Fastnachtsvereine der Villinger Zuggesellschaft die verschiedenen Szenarien festlegen, unter welchen Voraussetzungen welche Veranstaltungen stattfinden können.

Zunftmeister Anselm Säger ehrt Bernd Dilg (rechts) für 30 Jahre Mitarbeit im Zunftrat.
Zunftmeister Anselm Säger ehrt Bernd Dilg (rechts) für 30 Jahre Mitarbeit im Zunftrat. | Bild: Jens Schaumann

Die Narrozunft steht aber wie die anderen Fastnachtsvereine unter dem Druck, dass die Fastnachtsbälle eine lange Vorlaufzeiten für Proben und Vorbereitungen benötigen. Die Proben für die Tanzeinlagen der Balletts haben bereits begonnen. Bevor die anderen Akteure ihre aufwendigen Sprech- und Gesangsnummern einstudieren, muss die Vereinsspitze entscheiden müssen, ob die beiden Zunftbälle durchgeführt oder abgesagt werden. Dies wird spätestens Ende Oktober, Anfang November der Fall sein müssen, betont der Zunftmeister.

Bälle in 2- oder 3G-Reglement?

Ein heikles Thema für die Fastnachtsvereine ist beim Thema Saalfastnacht die Hygienefrage. Sollen die Bälle als 2G-Veranstaltungen (für Geimpfte und Genesene) oder unter 3G-Regeln (auch Getestete dürfen kommen) laufen? Auch für den Zunftmeister eine ganz schwierige Entscheidung. Bei einem 2G-Reglement könnte die Veranstaltung ohne Mundschutz „in die Vollen gehen“ wie früher. Andererseits könnte es dann passieren, dass die Bälle nicht ausverkauft sind und der Verein ungeimpfte Mitglieder verärgert. Bei einer 3G-Regelgung wiederum gilt für die Besucher Maskenpflicht, was sich als Stimmungskiller erweisen könnte. „Wie soll man da einen Wurstsalat essen oder lachen?“, fragt sich nicht nur der Zunftmeister. Diese Fragen sollen ebenfalls Ende des Monates im Kreise der Zuggesellschaft Villingen diskutiert werden.

Ansonsten scheint bei der Zunft alles in guter Ordnung. Aufgrund der ausgefallenen Fastnacht und der 2019 beschlossenen Erhöhung des Mitgliedsbeitrags steht der Verein nach Worten von Schatzmeister Karl-Heinz Huy finanziell derzeit sehr gut da.

Neue Ratsherren

Bei der Generalversammlung hat der Zunftrat mit Christian Hauser einen neuen Ratsherrn aufgenommen, der sich künftig ausschließlich um die immer umfangreichere Mitgliederverwaltung kümmern wird. Hauser, ein gelernter IT-Experte, hat in seiner Aspirantenzeit eine neue digitale Mitgliederverwaltung aufgebaut und optimiert. Das soll Vieles einfacher machen.

Zahlreiche Mitglieder der Historischen Narrozunft wurden bei der Hauptversammlung für langjährige Zugehörigkeit und besondere Verdienste geehrt.
Zahlreiche Mitglieder der Historischen Narrozunft wurden bei der Hauptversammlung für langjährige Zugehörigkeit und besondere Verdienste geehrt. | Bild: Jens Schaumann

Als neue Aspiranten aufgenommen hat der Zunftrat André Koch, ein Mitglied der Wueschgruppe, der künftig das Team der Kassenverwaltung unterstützen soll, sowie Daniel Rausevic. Der gelernte Küchenmeister will sich künftig im Betrieb des Vereinsheims, der Zehntscheuer, einbringen. Neu in den Zunftrat aufgenommen wurde auch Rafael Lewanderski, der die Position des 2. Schirrmeisters als Nachfolger des verstorbenen Anselm Konegen übernehmen wird.

Kindergruppe beleben

Ansonsten wurde an die Mitglieder appelliert, ihre Narrokragen ab sofort bis spätestens Weihnachten richten zu lassen, damit die Kragenmacher nicht überlastet werden. Außerdem soll für die Straßenfastnacht die Kindernarrogruppe, die den „kleinen Narrovater“ beim Umzug begleitet, belebt und aufgestockt werden. Eltern, die ihre Kleinen dabei gerne mitlaufen lassen wollen, können sich beim stellvertretenden Zunftmeister Alexander Brüderle melden.