In den letzten drei Jahren wurde im Trinkwassernetz eine Belastung mit coliformen Keimen nachgewiesen. Warum, ist bis heute ein Rätsel. Die Leitungen mussten gechlort werden. Verbraucher wurden angehalten, ihr Trinkwasser abzukochen.

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Weitere Eingrenzung: Aufwendige und engmaschige Messungen im vergangenen Jahr brachten keinen Hinweis auf die genaue Ursache.

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Allerdings habe man jetzt eine Vermutung. Die Auswertungen würden darauf hindeuten, dass der Ursprung in den Ablagerungen im Leitungsnetz nördlich der Römer-, beziehungsweise der Schopfelenstraße in Schwenningen zu finden sein könnte, erklärt Martin Hauger, Sachgebietsleiter für den technischen Betrieb bei den Stadtwerken (SVS). Im vorgelagerten Netz sei nichts zu finden gewesen.

Experten im Einsatz: „Deswegen haben wir uns dazu entschieden, den Bereich genau zu untersuchen und Leitungen zu spülen“, sagt SVS-Geschäftsführer Ulrich Köngeter. Knapp 100.000 Euro lässt sich die SVS diese verfeinerte Suche kosten. Beauftragt wurde das Technologiezentrum Wasser (TZW) aus Karlsruhe, das in der Außenstelle Dresden über Spezialisten für derartige Probleme verfügt.

Die Sedimente aus dem Filter werden später unter dem Mikroskop untersucht.
Die Sedimente aus dem Filter werden später unter dem Mikroskop untersucht. | Bild: Fröhlich, Jens

So funktioniert die Spülung: „Das Trinkwasser wurde im Vorfeld mehrere Wochen nicht mehr gechlort“, verrät Köngeter. Mit Chlor im Wasser sei eine solche Suche gar nicht möglich. Zuerst werden Leitungen über Hydranten im Asphalt so eingestellt, dass lediglich Wasser aus bestimmten Straßenzügen zur Messstelle strömt. Über einen desinfizierten Absaugstutzen – um Messwerte nicht zu verfälschen – wird dann unter Druck Wasser entnommen.

Vor der Spülung müssen mehrere Hydranten eingestellt werden, dass das Wasser nur durch eine definierte Leitung zur Messtelle fließen kann.
Vor der Spülung müssen mehrere Hydranten eingestellt werden, dass das Wasser nur durch eine definierte Leitung zur Messtelle fließen kann. | Bild: Fröhlich, Jens

Am Auslass zweigt Techniker Andreas Glöckner vom TZW in regelmäßigen Abständen Proben für die mikrobielle Untersuchung ab. Die zeitliche Abfolge sei wichtig, um bei möglichen Problemen anhand der Fließgeschwindigkeit in der Leitung die genaue Position bestimmen zu können, erklärt er. Das Wasser passiert im Anschluss Messgeräte für Trübung, Temperatur, Eisen- und Mangangehalt, ehe es durch ein riesiges Sieb auf den Gehweg sprudelt.

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„54 Kubikmeter pro Stunde“, rechnet er vor. Die Sedimente, die darin hängenbleiben, werden später im Labor mikroskopisch untersucht. Positiver Nebeneffekt: Durch die Spülung mit erhöhtem Wasserfluss und Druck werden lose Ablagerungen aus den Leitungen geschwemmt, die ein möglicher Nährboden für Keime sind.

Diese Ausbeute an Sediment hat die fünf Minuten dauernde Spülung der Leitung in der Stuttgarter Straße zu Tage gebracht.
Diese Ausbeute an Sediment hat die fünf Minuten dauernde Spülung der Leitung in der Stuttgarter Straße zu Tage gebracht. | Bild: Fröhlich, Jens

Jede Spülung dauert zwischen fünf und 30 Minuten, je nach Länge und Durchmesser der untersuchten Leitung.

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So geht es weiter: Nach umfangreichen Vorbereitungen sind die Spül- und Messarbeiten am Montag angelaufen. 30 von 106 Messpunkten waren am Donnerstag bereits abgearbeitet. „Bis Ende kommender Woche sollten wir alle Straßenzüge schaffen“, gibt sich Glöckner zuversichtlich. Danach wird ausgewertet. „Wir hoffen, dass die Ursache dann feststeht“, so Köngeter. „Unser Ziel ist es, Verbrauchern ungechlortes Trinkwasser liefern zu können.“ Sollte sich trotz aller Bemühungen kein weiterer Hinweis auf die Ursache ergeben, könnte das angesichts hoher Kosten und Aufwand am Ende eine dauerhafte Chlorung der Trinkwassers in diesem Bereich bedeuten.

Coliforme Keime: Diese Indikator-Keime sind für Menschen erst einmal ungefährlich. Sie sind Teil des natürlichen Biofilms im Wasser, der in jedem Wassernetz zu finden ist. Erhöhen sich die Werte, deutet dies auf ein Ungleichgewicht hin. Es könnten sich dann auch gefährliche Erreger, wie Coli-Bakterien, Enterokokken und Legionellen vermehren, die beim Menschen Magen-Darm-Erkrankungen sowie Lungenentzündung hervorrufen können. Solche Erreger wurden in VS allerdings noch nie nachgewiesen.

Chronologie: Im August 2017 wurden bei den üblichen Trinkwasserkontrollen an fünf von 18 Messstellen coliforme Bakterien entdeckt. Das Gesundheitsamt hat daraufhin eine Abkoch-Anordnung erlassen. 26.000 Haushalte in Schwenningen, Villingen und Dauchingen waren betroffen.

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Sofort wurde mit der Chlorung begonnen. Das Abkochgebot wurde Ende August wieder aufgehoben.

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Im August 2018 traten erneut coliforme Bakterien auf. Das Trinkwasser in Schwenningen musste gechlort werden.

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Diese Bakterien sind keine Krankheitserreger. Sie finden sich häufig in der Umwelt, in der Erde oder auf Blattpflanzen. Das Gesundheitsamt erklärt es so: „Es sind Indikatorkeime, die anzeigen, dass das Schutzschild des Versorgungssystems eine Lücke hat.“

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Und auch 2019 kam es zu einer Belastungen des VS-Trinkwassers im Zentralbereich.

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