Zuvor verbrachte die gebürtige Frankfurterin die meiste Zeit ihres Lebens in Lahnstein. Sie sei eine der Frauen, die im Zweiten Weltkrieg unter widrigsten Bedingungen um das Überleben ihrer Familien gekämpft haben, sagt ihr Sohn Reinald. Ihn gebar sie mitten im Bombenhagel, während die anderen in den Schutzkellern saßen. Angst und Hunger waren damals ihre ständigen Begleiter, die Not war groß. Aufgewachsen ist Ingeborg Hussong in der Mainmetropole, einer Stadt voller Kultur, Fortschritt und einem damals vor allem von den Großbürgern jüdischen Glaubens getragenen Aufbruchsgedanken. Viele ihrer Mitschüler waren jüdisch.

Umso traumatischer war für Ingeborg Hussong die schreckliche Zeit der Nationalsozialisten, die sie nach Ausbruch des Krieges ins thüringische Greiz befahlen, wo sie in einem Lazarett das Elend der verwundeten Soldaten miterleben musste. Zurück im zerbombten Frankfurt fand sie mit ihrem kleinen Sohn bei ihren Eltern Unterschlupf. 1949 zog sie mit ihrem aus Bayern stammenden Ehemann, einem Chemiker, nach Lahnstein. Ingeborg Hussong ist eine Frau voller Tatendrang. Ihr Leben hat sie auch seit dem Tod ihres Mannes fest im Griff. „Mit 80 spielte sie noch Tennis“, erzählt ihr Sohn. Vor sechs Jahren sorgte er dafür, dass sie fortan in seiner Nähe sein kann. Eine Schwiegertochter, zwei Enkelinnen und ein Urenkel gehören zu ihrer Familie.

In einer Parterreeinheit der barrierefreien Seniorenwohnanlage des Spitalfonds fühlt sie sich wohl, organisiert ihr Leben noch selbst und telefoniert regelmäßig mit ihren Enkeltöchtern und dem Urenkel. An ihrem Geburtstag erlebte sie in der ansonsten wegen Corona menschenleeren Johanneskirche einen Segensspruch von Pfarrer Andreas Güntter und der Organist Marius Mack spielte für sie eine Sonate von Mendelssohn-Bartholdy.

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