Die Stadtverwaltung hat jetzt die Planung für die Sanierung und Umwidmung des ehemaligen Kasernengeländes „Mangin“ mit konkreten, und zum Teil überraschenden Nutzungsvorschlägen präzisiert. Die Vorschläge werden am Dienstag im Technischen Ausschuss des Gemeinderates erstmalig vorgestellt und beraten.

Die Stadt möchte noch in diesem Jahr das zwischen Kirnacher-, Wald-, Pontarlier- und Richthofenstraße gelegene ehemalige Kasernenareal, das jetzt Quartier „Oberer Brühl„ heißt, vom Bund kaufen. Für die Ermittlung des Kaufpreises aber muss die Stadt genau definieren, welche Nutzungen auf dem Sanierungsgebiet vorgesehen sind. Kaufpreismindernd sind dabei vor allem Einrichtungen, die der Allgemeinheit dienen, also für den sogenannten „Gemeinbedarf“ bestimmt sind. Für jede Gemeinbedarf-Einrichtung gibt es einen Nachlass von 350 000 Euro auf den Kaufpreis des Grundstücks. Das Planungsamt der Stadt hat dafür nun entsprechenden Vorschläge ausgearbeitet, die vom Gemeinderat beschlossen werden müssen, bevor es in die Kaufverhandlungen geht. Nach dem vorliegenden Konzept würde sich der Grundstückspreis von 6,1 Millionen Euro, den den die Stadt an den Bund zahlen müsste, auf 457 000 Euro reduzieren.

Bild: Müller, Cornelia
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Während die Nutzung des Geländes für die Stadtverwaltung bereits am 11. März beschlossen – und dabei das ehemalige Konzept zur „Bündelung der Stadtverwaltung„ auf dem Grundstück aus politischen Motiven deutlich abgespeckt und verwässer wurde – muss der Rat jetzt im nächsten Schritt die Nutzung der „Gemeinbedarfsflächen“ definieren.

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Dabei geht es unter anderem auch um die denkmalgeschützten Gebäude an der Kirnacher Straße: das ehemalige Offizierskasino oder die einstige Waffenmeisterei und das Pferdelazarett der Kaserne, die zu Kaisers Zeiten 1913 errichtet wurden. Dafür macht nun das Planungsamt folgende Nutzungsvorschläge:

  • Offizierskasino: Die Stadt schlägt vor, das ehemalige Kasino als Standesamt zu nutzen, im Obergeschoss mit Büroeinheiten für das Standesamt. Mit seinem „repräsentativen Charme“ sei das Gebäude dafür besonders geeignet. Es könne barrierefrei ausgestaltet werden und sei gut anfahrbar.
  • Waffenmeisterei: Die ehemalige Waffeninstandsetzung der Kaserne könnte als Nebengebäude für einen neu zu bauenden Kindergarten genutzt werden. Denn: Das Gebäude des ehemalige französischen Kindergartens auf dem Mangin-Gelände ist für die Zwecke der Stadt wenig geeignet. Die Stadt würde gerne vier Kindergarten-Gruppen einrichten, die den Mitarbeitern der Stadtverwaltung vorbehalten bleiben.
  • Pferdelazarett: Das ehemalige Pferdelazarett der Kaserne ist als Gemeinschaftstreff für die Bewohner der umliegenden Wohnquartiere vorgesehen, die bisher keinen zentralen Anlaufpunkt vor Ort haben. Es soll gleichzeitig als Vereinsheim zur Verfügung gesellt werden, um das gesellschaftliche Zusammenleben und nachbarschaftliche Miteinander im Quartier zu fördern.
  • Französischer Kindergarten: Das Gebäude an der Ecke Kirnacher Straße/Pontarlierstraße soll künftig von der Musikakademie Villingen genutzt werden, die seit Jahren neue Räume für Proben, Aufführungen und sonstige Erweiterungsflächen sucht.
  • Neues Quartierszentrum: Im Bereich der geplanten Wohnbauflächen im Norden des Quartiers schlägt die Stadt an zentraler Stelle den Neubau eines Quartierszentrums als Scharnier zwischen Wohn-, Verwaltungs- und Gemeinbedarfsnutzung vor. Es soll als Begegnungsstätte mit angeschlossenem Café den sozialen Zusammenhalt der neuen Bewohnerschaft fördern.
  • Zweiter Kindergarten: Des weiteren ist ein zweiter Kita-Standort im Bereich der Wohnflächen direkt an der Pontarlierstraße in einem Mehrfamilienwohnhaus angedacht. Auch dieser Kindergarten soll vier Gruppen bekommen.
  • Das weitere Vorgehen: Im September soll der Gemeinderat den Kaufbeschluss des Grundstücks fassen. Über die Altlastenbeseitigung sind die Verhandlungsgespräche mit dem Bund noch in diesem Monat vorgesehen. Die Klärung der Altlastenbeseitigung hat ebenfalls Auswirkungen auf den Kaufpreis. In den Folgejahren sind dann die Vorplanungen, Fachplanungen, die Bauleitplanung, die Sanierungsarbeiten und die Bebauungen vorgesehen. Die Wohnungen, die vom „Bündnis für faires Wohnen“, einem Konsortium örtlicher Baugenossenschaften und der städtischen Wohnbaugesellschaft (wbg) übernommen werden, sollen bis 2026 bezugsfertig sein.
  • Das Nutzungskonzept: Ziel der Umnutzung des Mangin-Areals ist ein gemischtes urbanes Quartier. Entstehen sollen zum einen rund 650 Wohnungen, darunter 250 Einheiten des sozialen Wohnungsbaus, sowie die Nutzung für die Stadtverwaltung (Mehrere Ämter und Stadtarchiv) sowie soziale und kulturelle Einrichtungen (Kindergärten, Musikakademie, Quartiers-Treffpunkte). Ergänzt wird das Konzept durch öffentliche Grünflächen (u.a. der ehemalige Exerzierplatz, Sägebach) als Ausgleich für die dichte Bebauung. Die Stadt verpflichtet sich, diese Planung bis 2026 zu realiseren. (est)