Es ist ein echter Novembertag: Feiner Nieselregen liegt wie versprüht in der Luft, die Sonne scheint hinter einer grauen Wolkenschicht gefangen und nur einzelne Regenschirme tanzen in den Straßen der Villinger Altstadt auf und ab. In diesem Herbst ist alles anders: Corona und die neuen Regeln zu Eindämmung des Virus bestimmen weitgehend das öffentliche Leben.

Neue Beschränkungen

Egal wo man hinblickt, überall hängen Schilder, die auf die Maskenpflicht aufmerksam machen sollen. Viele der Menschen tragen sie sogar draußen, während sie über das nasse Kopfsteinpflaster stapfen. Auf Plakaten wird darauf hingewiesen, Abstand zu halten und dass nur eine begrenzte Anzahl an Kunden gleichzeitig in die verschiedenen Geschäfte darf.

Bei der Modekette TK Maxx in der Bickenstraße werden Kunden von einem Mitarbeiter in Warnweste darauf hingewiesen, sich die Hände am Eingang zu desinfizieren. Zwei Kundinnen treten ein, in seiner Hand klickt ein Zähler zwei mal. Zwei Plätze weniger sind jetzt im Geschäft frei.

„Die Stadt ist tot“

Am Münsterplatz sitzt Elisabeth Fechter mit einer Freundin vor ihrem Geschäft, dem Laden am Münsterplatz. „Ich habe das Gefühl, die Stadt ist tot“, sagt sie. Seit vergangenem Montag, dem Stichtag der neuen corona-bedingten Beschränkungen, habe sich das Stadtbild verändert. Zwar hätten noch viele Geschäfte auf, doch ein paar mussten schließen. Einschließlich der Bibliothek neben ihrem Laden für Tee, Seide und Kleidung. Auch dadurch kämen jetzt weniger Leute, vermutet sie.

Elisabeth Fechter vom Laden am Münsterplatz.
Elisabeth Fechter vom Laden am Münsterplatz. | Bild: Timm Lechler

„Ich glaube, dass ist nicht nur bei mir so, sondern überall“, sagt Elisabeth Fechter. Ihre Freundin nickt zustimmend und meint, vor allem die kleinen Geschäfte hätten es zur Zeit schwer.

Verschiedene Auswirkungen

Elisabeth Fechter besitzt ebenfalls einen Laden in Konstanz, doch auch in der sonst so hoch frequentierten Konzilstadt ginge es im Moment sehr ruhig zu. „Und in Villingen hat man mit einem Geschäft abseits der Hauptstraßen zur Zeit sowieso schlechte Karten“, sagt sie. Von ihren Lieferanten hat sie verschiedenes gehört: Vielen Geschäftstreibenden ginge es schlecht, andere würden vergleichsweise weniger wirtschaftliche Auswirkungen spüren.

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Trotz ihrer Probleme hält sie den Infektionsschutz aber für wichtig. In ihren Laden darf nur eine Person, beziehungsweise ein Hausstand. Andere Kunden müssen draußen warten. Sie hält sich an der Regeln, „doch einfach ist es nicht“, sagt sie. „Es sind keine rosigen Zeiten für Geschäftsleute.“

„Wir haben geöffnet“

Tanja Broghammer, Geschäftsführerin von Broghammer Mode, kommt gerade erst aus einer Online-Konferenz mit verschiedenen Geschäftsleuten. Über 60 mittelgroße und größere Händler aus ganz Baden-Württemberg haben teilgenommen. „Die Umsätze sind im gesamten Bundesland eingebrochen“, sagt Tanja Broghammer. „Wir merken, wie sich die Beschränkungen niederschlagen.“

Tanja Broghammer (Mitte links), Geschäftsführerin von Broghammer Mode, und ihr Team. Auch sie halten Abstand.
Tanja Broghammer (Mitte links), Geschäftsführerin von Broghammer Mode, und ihr Team. Auch sie halten Abstand. | Bild: Timm Lechler

In der Tagung wurde man auf ein weiteres Problem aufmerksam: viele Kunden wüssten gar nicht, dass sich der Lockdown Light nicht auf weite Teile des Einzelhandels beziehe, sondern vorwiegend auf die Gastronomie. „Dabei haben wir weiterhin geöffnet“, sagt Tanja Broghammer. „Einkaufen ist mit den vielen Hygienemaßnahmen eine sichere Sache.“ Die Bürger nochmals darauf hinzuweisen, ist ihr besonders wichtig. Sie und ihr Team wollen außerdem positiv in die Zukunft schauen.

Kleidung nach Hause

Auch Gila Alberle, Geschäftsführerin von Mode Mittendrin, bleibt zuversichtlich. Zu einer Veränderung seit Montag könne sie noch nicht viel sagen. „Wir sind aber sehr froh über unsere Stammkunden“, sagt Alberle. „Und auch unser Outfit-Lieferservice wird gut angenommen.“ Dabei stellen die Mitarbeiter den Kunden ein komplettes Outfit zusammen und liefern es nach Hause.

Gila Aberle, Geschäftsführerin von Mode Mittendrin.
Gila Aberle, Geschäftsführerin von Mode Mittendrin. | Bild: Timm Lechler

Weihnachten könnte noch für Umsatz sorgen

Von der Politik vor den Kopf gestoßen fühlt sich Patrick Weigert, Inhaber vom Café Rose. „Ich kann die neuen Regeln nicht ganz nachvollziehen“, sagt er. Das Café Rose bringt zwei Unternehmungen zusammen: Blumen und Dekoration auf der einen Seite, Kaffee und Kuchen auf der anderen. Auf die letzteren beiden Standbeine muss man nun verzichten, die Gastronomie musste schließen.

Patrick Weigert, Inhaber vom Café Rose.
Patrick Weigert, Inhaber vom Café Rose. | Bild: Timm Lechler

„Doch wir sind glücklich, dass wir wenigstens noch unsere Pflanzen und Dekoartikel anbieten können“, sagt Patrick Weigert. Gerade jetzt vor Weihnachten hätte man eigentlich gute Umsätze erwartet, um das restliche, schlechte Jahr wenigstens teilweise zu kompensieren. Doch seit Montag kämen weniger Leute, als noch zuvor.

Besucherzahl seit Montag eingebrochen

Dem kann auch Ulrike Eppel, Filialleiterin des Buchladens Osiander, nur beipflichten. „Diese Woche sind viel weniger Kunden da“, sagt Ulrike Eppel. „Das haben wir gleich ab Montag bemerkt“. Gerade im Kontrast zur vergangenen Woche sei die Besucherzahl enorm eingebrochen, denn dort waren noch Herbstferien in Baden-Württemberg.

Ulrike Eppel, Filialleiterin des Buchladens Osiander.
Ulrike Eppel, Filialleiterin des Buchladens Osiander. | Bild: Timm Lechler

Aus wirtschaftlicher Sicht sei dieses Jahr sehr schwierig, die großen Verluste durch den Lockdown im Frühjahr habe man auch trotz der besser laufenden Sommermonate nicht kompensieren können. Ulrike Eppel bedauert ganz besonders die abgesagten Lesungen, Bücherabende und sonstige Veranstaltungen. Sie alle sind der Pandemie zum Opfer gefallen.

Buchladen mit Lieferdienst

Im Moment dürfen in den Buchladen gleichzeitig 69 Kunden, doch davon sei man im Moment weit entfernt. Normalerweise könne diese Zahl an gleichzeitigen Besuchern in der Vorweihnachtszeit aber oft geknackt werden. Dieses Jahr wird es wohl nicht so kommen.

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Auch deshalb bringt Osiander die Bücher nun zu den Kunden nach Hause. „Wir liefern innerhalb von 24 Stunden mit dem Fahrradkurier, also auch Co2 neutral“, erläutert Ulrike Eppel. Das Angebot sei bereits gut angenommen worden. Vermutlich würde in den kommenden, dunklen Monaten mehr gelesen als sonst, sagt sie.