Die Kultursaison 2020/2021 steckt voller Höhepunkte und deckt alle Sparten ab, egal ob Konzerte, Theater, Musical und Ballett. Trotzdem hat Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier Sorgenfalten auf der Stirn, weil er nicht weiß, welche coronabedingten Beschränkungen im Oktober herrschen.

Große Unsicherheit

„Ich kann nicht in die Glaskugel schauen, ich weiß einfach nicht, unter welchen Bedingungen wir an den Start gehen“, erlärte er bei der Vorstellung der neuen Saison. Diese ist noch vor Corona-Zeiten festgezurrt worden. „Wir blicken trotz allem hoffnungsvoll in die Zukunft.“ Das Kulturamt wolle mit den vielfältigen Angeboten in der Spielzeit ganz klar „Mut zur Phantasie“ zeigen – auch wenn die Durchführung vieler Veranstaltungen noch nicht gesichert ist.

Neuproduktionen gefährdet

Einige sind bereits kurz nach Druck des Heftes schon wieder gestrichen worden. Das Problem: Viele der 86 geplanten Veranstaltungen sind Neuproduktionen und die Proben dafür können im Moment nicht stattfinden. Hier hat Andreas Dobmeier noch einige Gesprächstermine in den nächsten Tagen. Das Euro-Studio Landgraf, dessen Produktionen regelmäßig im Theater am Ring gezeigt werden, hat „ein großes Theater angemietet, um notwendige Proben mit den entsprechenden Sicherheitsabstand durchführen zu können.“
Ab 1. August sollen in Baden-Württemberg wieder Veranstaltungen mit 500 Menschen erlaubt sein. „Aber welche Sicherheitsabstände dann gelten, wissen wir nicht.“

Das Ensemble Introdans eröffnet die Ballett-Reihe im Theater.
Das Ensemble Introdans eröffnet die Ballett-Reihe im Theater. | Bild: Hans Gerritsen

Die Landesverordnungen kämen immer sehr kurzfristig und ob dann im August schon klar ist, wie der Betrieb im Oktober ablaufen könne, wisse man auch nicht. Auch bei den vielen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche sei ein der Normalbetrieb im Schulalltag Voraussetzung. „Eigentlich sind viele der Produktionen gerade in der Vorweihnachtszeit schon vor den Sommerferien ausgebucht“, berichtet Andreas Dobmeier. Auch hier will er in den nächsten Wochen noch einige Gespräche führen, weil auch das äußerst erfolgreich laufende Programm „Kultur macht fit – Kumfi“ betroffen ist. Hier lernen Grundschüler verschiedene Bereiche des Kulturlebens kennen und jede Einheit endet mit einem Besuch im Theater oder im Konzert.

Andreas Dobmeier und Anna Mauder stellen die Spielzeit 2020/2021 vor.
Andreas Dobmeier und Anna Mauder stellen die Spielzeit 2020/2021 vor. | Bild: Hoffmann, Claudia

Abo-Buchung möglich

Ab sofort können Interessenten schon feste Abonnements buchen, allerdings wird die Buchung erst abgewickelt, also das Geld eingezogen, wenn die Spielzeit dann tatsächlich startet. „Wir wollen den treuen Abonnenten aber auf jeden Fall ihre angestammten Plätze reservieren“, so Dobmeier. Ob sie diese Plätze dann tatsächlich einnehmen können, sei unklar. „Wenn im Oktober noch Abstandsregeln gelten, dann müssen wir die Reihen auffüllen und genau notieren, wer auf welchem Platz sitzt.“ Unter Umständen könne des dann sein, dass es keine Karten mehr im freien Verkauf gibt, ergänzt Anna Mauder vom Kulturamt. Wenn die Abstände so groß sein müssen, dass beispielsweise nur die Abonnenten ins Franziskaner passen, müsse der Vorverkauf eingestellt werden. Für Andreas Dobmeier wäre dies finanziell ein Supergau: Er müsste das Orchester oder Theaterensemble voll bezahlen, hätte aber nur deutlich reduzierte Einnahmen, da er nicht viele Karten verkaufen kann.

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Grundsätzlich müsse man auch damit rechnen, dass die Besucher eher kurzfristig eine Karte kaufen, da sie abwarten wollen, wie sich die Lage entwickelt. Dobmeier appelliert aber: „Buchen Sie jetzt schon ein Abo, das ist auch ein Zeichen der Solidarität mit dem Kulturbereich.“ Einzelkarten sind ab 1. September verfügbar, Wahlabos können schon reserviert werden, die Buchung ist aber auch erst am 1. September möglich.

Die Höhepunkte

Das Theater am Ring wird dieses Jahr 80 Jahre alt, Grund genug für das Kulturamts-Team, eine ganze Festwoche zu planen unter dem Motto „Was für ein Theater!“. Höhepunkt soll ein Theaterfest im Oktober werden mit Führungen durchs ganz Haus und einem bunten Programm für die ganze Familie. Ob dies aber so stattfinden kann? „Das kann ich heute nicht sagen“, erklärt Andreas Dobmeier. Komödie, Schauspiel und Improvisationstheater runden die Festwoche ab. Auch eine Kooperation mit dem Kommunalen Kino Guckloch ist vorgesehen: Hier soll der Film „Die große Liebe“ mit Zarah Leander laufen, der in der Entstehungszeit des Theaters am Ring gedreht worden ist.

Änderungen und Preiserhöhung

Die Abonnements-Preise in der neuen Spielzeit steigen um rund 15 Prozent. „Es war eine klare Forderung der Gemeindeprüfungs-Anstalt, die Einnahmesituation zu verbessern“, so Dobmeier. Also habe man die Preise erhöhen müssen: „Das ist die erste Erhöhung seit zehn Jahren.“ Durch die vielen unterschiedlichen Preisstaffelungen bei den Einzeltickets gibt es hier keine Erhöhung. Nicht mehr am Start ist die Kleinkunstreihe „Theater im Capitol“. Der neue Eigentümer wolle selbst eine Veranstaltungsreihe durchführen und da „überlassen wir ihm das Feld“. Man wolle dafür das Programm in der Neckarhalle ausbauen. Auch das Jugend-Abo ist gestrichen worden: Es gibt noch die Einzelveranstaltungen, aber eben nicht mehr gebündelt als Abonnement. „Das ist nicht so gelaufen, wie wir gedacht haben“, erklärt Andreas Dobmeier. Gerade jüngere Menschen entscheiden sich doch sehr spontan und kurzfristig für eine Veranstaltung. Dem habe man Rechnung getragen.

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