Es sieht aus, als ob das Prozedere schon bestens eingeübt wäre und spiegelt fast ein Stück Normalität. Manuela Müller aus Brigachtal steht mit Mund-Nasenschutz und einer großen Papiertüte am Tresen des Kirchdorfer Lokals „Löwen“ und Makharot Tutschka holt aus dem Kühlschrank eine übersichtlich gestaltete Kunststoffschale. Ein bisschen sehen die vakuumierten Folienbeutel wie Weltraumfahrernahrung aus und doch beinhalten die Folien leckere Speisen aus der Küche von Rainer Bertsche und seinem Team.

Alexander Rapp vom „Café Rapp“ in Königsfeld nutzt auch den Youtube-Kanal für die Anleitung zum Servieren seiner Speisen zu Hause.
Alexander Rapp vom „Café Rapp“ in Königsfeld nutzt auch den Youtube-Kanal für die Anleitung zum Servieren seiner Speisen zu Hause. | Bild: Café Rapp

Im Hintergrund flitzen Koch Mohamed Said Akdi und die beiden Auszubildenden Dastin Ucak und Lorenz Weißhaar zwischen Töpfen, Pfannen und Herden hin und her und arbeiten die Bestellungen ab, die in den letzten Stunden per Telefon oder E-Mail eingetroffen sind. Chef Rainer Bertsche sieht mit gelassener Miene auf das Geschehen: „Wir wollen unseren Gästen auch in diesen schwierigen Zeiten leckere Speisen anbieten!“ Sein Team umfasst ungefähr zehn Mitarbeiter, die in Schichten derzeit eben nicht für den Service vor Ort am Herd stehen.

Koch Mohamed Said Akdi und die beiden Auszubildenden Dastin Ucak und Lorenz Weißhaar haben Herd und Küche aufgräumt und freuen sich auf den Feierabend.
Koch Mohamed Said Akdi und die beiden Auszubildenden Dastin Ucak und Lorenz Weißhaar haben Herd und Küche aufgräumt und freuen sich auf den Feierabend. | Bild: Jörg-Dieter Klatt

Alle bestellten Speisen werden frisch gekocht und dann in Vakuumfolie verschweißt im Kühlschrank gelagert. Erkundigen sich die Servicekräfte gemeinhin nach den Wünschen der Gäste, hat sich deren Aufgabe nun grundlegend geändert. Bei der Übergabe der Folienbeutel erfährt der Gast, wie die Speisen zu Hause so auf den Tisch kommen, dass sich bei den Genießern ein kleines bisschen ein Restaurant-Gefühl einstellt.

Danielle Piattello und seine Schwester Pamela Piattello präsentieren die Warmhalteboxen für den Abholservice beim „Großherzog“ in Villingen
Danielle Piattello und seine Schwester Pamela Piattello präsentieren die Warmhalteboxen für den Abholservice beim „Großherzog“ in Villingen | Bild: Jörg-Dieter Klatt

Detaillierte Servieranweisungen bieten auch die anderen Lokalen in und um Villingen. Chefkoch Alexander Rapp vom gleichnamigen „Café Rapp„ in Königsfeld nutzt gar das Internet und verweist auf einen Youtube-Film, welcher das Tranchieren seiner „Gans im Ganzen“ von der Weihnachtskarte to go zeigt. Auch das „Camilli da Moretti“ lässt mit einem kulinarischen Angebot das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ob Rinderroulade in Wurzelgemüse geschmort oder Scialatielli mit Meeresfrüchten in Tomatensugo, die Bandbreite kann sich sehen lassen und verspricht ein zumindest kulinarisch gelungenes Weihnachtsfest oder einen Silvesterabend, der die traurige Stimmung der vergangenen Monate etwas vergessen lässt.

Manuela Müller möchte mit ihren Bestellungen die heimische Gastronomie unterstützen. Makharot Tutschka erklärt ihr die Zubereitung.
Manuela Müller möchte mit ihren Bestellungen die heimische Gastronomie unterstützen. Makharot Tutschka erklärt ihr die Zubereitung. | Bild: Jörg-Dieter Klatt

Eher pessimistisch blickt Klaus Maier vom „Schlossbergstüble“ in Unterkirnach in die Zukunft. Er hat erst im Mai diesen Jahres das Lokal übernommen und bietet mit einem Mitarbeiter das Ergebnis seiner Kochkünste als heiße Gerichte in Thermoboxen an. Die kompostierbaren Portionsbehälter wurden aus Zuckerrohrresten gefertigt. „Ich fürchte, dass einige Wirte aufgeben müssen, wenn sich die Lage nicht schnell ändert“, so Maier. Wer im „Großherzog“ in Villingen seine bestellten Speisen abholt, wird von einem wunderbar geschmückten Christbaum und einer heimeligen Krippe empfangen. Beides zu betrachten verkürzt die Wartezeit. Danielle Piattello verweist auf die spezielle Weihnachtskarte, welche auf seiner Facebook-Seite einzusehen ist. Sein Haus bietet im Gegensatz zu den anderen nur warme Speisen in speziellen Warmhalteboxen an.

Brigachtals Löwenwirt Rainer Bertsche in Brigachtal steht mit bester Laune am Herd um seine Gäste auch im Lockdown bestens zu versorgen.Bild: Jörg-Dieter Klatt
Brigachtals Löwenwirt Rainer Bertsche in Brigachtal steht mit bester Laune am Herd um seine Gäste auch im Lockdown bestens zu versorgen.Bild: Jörg-Dieter Klatt | Bild: Jörg-Dieter Klatt

Michael Widlowski-Küfer vom Villinger „Pulvertürmle“ blickt zuversichtlich auf die bevorstehenden Weihnachtstage. „Wir stehen mit vier Leuten den Gästen zur Verfügung und bereiten Speisen auf Bestellung vor – bis die Kapazitäten erreicht sind!“ Marco Garofalo vom „Löwen“ in Villingen bemerkt, dass das Geschäft im zweiten Lockdown besser läuft als im ersten. „Sicherlich wäre es schöner, wenn die Gäste vor Ort wären, aber wir müssen der Vernunft gehorchen“, so der Küchenchef, der mit zwei Auszubildenden in der Küche wirkt. Fast allen Befragten gemein ist, dass sie eine enorme Wertschätzung der Stammgäste erfahren. Ob Bestellungen oder Gutscheine für die Zeit nach dem Lockdown, das wertvolle Miteinander von Wirten und Gästen zeigt sich in der Krise als besonders tragfähig.