Morgens aufwachen, nur „Guten Morgen, Alexa“ sagen und alles andere passiert von selbst, während man noch entspannt im Bett liegt: Die Rollläden gehen hoch, das Licht aktiviert sich und die Kaffeemaschine wärmt sich auf. Was nach Zukunftsmusik klingt, die allenfalls in den Häusern der Reichen zu finden ist, soll in Villingen künftig auch Mietern zugänglich gemacht werden.

Denn die Wohnungsbaugesellschaft Villingen-Schwenningen (Wbg) hat eine Mietwohnung eingerichtet, die die volle technische Ausstattung besitzt. Bei einem Rundgang stellt Helene Stang, Referentin der Geschäftsführung bei der Wbg, die technischen Raffinessen des Objektes vor.

Video: Jennifer Moog

Der intelligenten Steuerung sind fast keine Grenzen gesetzt

Per App oder Sprachsteuerung kann man nicht nur das Licht nach belieben an- und ausschalten, auch alle anderen technischen Geräte sind ohne Handgriff steuerbar: Backofen, Herd, Waschmaschine, zeigt Stang. Öffnet man das Fenster, regelt sich die Heizung automatisch herunter.

Ein Spiegel verwandelt sich mit einem Klick in einen Computer, der den Energieverbrauch anzeigt, oder auf dem man Videos schauen kann. Doch nicht nur in der Wohnung erleichtern technische Helfer den Alltag, auch beim Einkaufen gibt es per Smartphone beispielsweise über eine Kamera Einblicke in den Kühlschrank oder man kann auf dem Nachhauseweg die Heizung schon einmal anstellen. Die einzige Voraussetzung für all das: funktionierendes Internet.

Samuel Schüle von der Firma Jug, die für die Elektrotechnik im Smart Home zuständig war, zeigt, wie man mithilfe eines PCs im Spiegel den Überblick über den Energieverbrauch behält.
Samuel Schüle von der Firma Jug, die für die Elektrotechnik im Smart Home zuständig war, zeigt, wie man mithilfe eines PCs im Spiegel den Überblick über den Energieverbrauch behält. | Bild: Jennifer Moog

Intelligente Technik auch in Mietwohnung möglich

Das sogenannte Smart Home, was so viel bedeutet wie intelligentes Zuhause, soll aufzeigen, was derzeit technisch alles möglich ist. Nicht nur im Eigenheim, sondern eben auch in einer Mietwohnung, so Stang. Das kommende halbe Jahr soll die voll eingerichtete Wohnung in der Sperberstraße in Villingen als Wohnlabor der Öffentlichkeit nun zugänglich gemacht werden.

Damit will die Wbg herausfinden, wie groß das Interesse an solchen Wohnungen im Oberzentrum ist, was noch nachgebessert werden muss und, wofür sich die Menschen interessieren. Interessenten können sich per Mail an info@wbg-vs.de an die Wbg wenden.

„Vieles wird Standard werden“

Die Wbg ist überzeugt: „In den kommenden Jahren wird sich in Sachen Smart Home noch einiges tun. Einiges wird zum Standard werden.“ Und sie selbst möchte als Wohnungsbaugesellschaft in diesem Bereich eine Vorreiterrolle in der Doppelstadt übernehmen, vor allem was Smart-Home-Technologie in Mietwohnungen anbelangt.

Der Badezimmerspiegel ist nicht nur ein einfacher Spiegel. Dahinter verbirgt sich auch ein Computer.
Der Badezimmerspiegel ist nicht nur ein einfacher Spiegel. Dahinter verbirgt sich auch ein Computer. | Bild: Jennifer Moog

Nach diesem halben Jahr der Testphase will die Wbg dann auf die Suche nach einem Mieter für die Wohnung gehen. Stang sagt: „Wir suchen da schon jemanden, der daran Spaß hat, sich die Wohnung technisch nach seinen Wünschen einzurichten.“ Technisch gesehen sind diesem Mieter fast keine Grenzen gesetzt. Tablet, Alexa und weitere technische Spielereien sind fest in die Wohnung integriert.

Mietpreis ist noch nicht festgesetzt

Interessenten gebe es derzeit noch nicht, man sei aber auch noch nicht auf der Suche. Diese will die Wbg erst nach der Testphase angehen. Aber die Wohnungsbaugesellschaft gibt sich überzeugt, dass sie einen geeigneten Mieter finden wird.

Wie teuer die 77 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung sein soll, das wisse man allerdings noch nicht. Denn Fakt ist, die technische Ausstattung sowie die Einrichtung kosten Geld. Genauso günstig, wie die anderen Mietwohnungen in dem Komplex, kann diese Wohnung nicht angeboten werden. 80 000 bis 90 000 Euro an Mehrkosten habe man ausgegeben. „Dafür kann man aber direkt mit dem Koffer einziehen“, so Stang. Möbel, Einrichtung, alles ist in der Wohnung schon vorhanden. Bezahlbar solle sie aber trotzdem bleiben.

Video: Jennifer Moog

Sollte sich das Projekt in der Sperberstraße bewähren und die Nachfrage groß genug sein, sei es durchaus denkbar, dass die Wbg die Smart-Home-Technologie auch in künftige Projekte einbezieht. Momentan sei aber das Wohnlabor in der Sperberstraße das erste Projekt dieser Art.

Für die technische Umsetzung in der Wohnung verantwortlich, ist die Elektronikfirma Jug. Rund einen Monat habe es gedauert, die technische Ausstattung einzubauen und zu programmieren, sagt Samuel Schüle, Mitarbeiter der Firma.

Eine Wohnung komplett intelligent einzurichten, sei derzeit noch etwas, das nur ein bis zwei Mal im Jahr nachgefragt würde, so Geschäftsführer Roman Jug. Doch er merke, dass die Nachfrage nach intelligenten System gewachsen sei. Vor allem was das Thema Fernsteuerung angeht. Denn diese könne beim Energiesparen helfen, so Jug weiter.

In diesem Wohnblock des Projektes SperberFair befindet sich die intelligente Wohnung.
In diesem Wohnblock des Projektes SperberFair befindet sich die intelligente Wohnung. | Bild: Jennifer Moog

Insgesamt befinden sich in dem Wohnblock, in dem sich auch die intelligent eingerichtete Wohnung befindet, 16 Wohnungen. Alle diese Wohnungen verfügen über ein elektronisches Schließsystem. Das heißt, einen Schlüssel gibt es nicht mehr. Stattdessen werden die Türen per App oder mit einem Transponder geöffnet. Die anderen Wohnungen sind ganz normal eingerichtet, ohne sonstige Sprach- und Appsteuerung. Im Smart Home müssen Mieter vor einem Ausfall des Internets dennoch keine Angst haben. Denn alle technischen Geräte sind auch ganz normal händisch bedienbar.

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