„Wir bauen ja im August auch keinen Schneemann.“ Steffen Ettwein packte im Gemeinderat teils kopfschüttelnd eine große Ansprache aus, als ein Antrag seiner Freien-Wähler-Fraktion zum umstrittenen Thema Sommereis debattiert wurde. Fraktionsübergreifend zweifelten Stadträte dieses Vorgehen der Kunsteisbahn GmbH an.

Und: Hinsichtlich Zahlen, Daten und Fakten müssen die Verantwortlichen von Stadtwerken und Kunsteisbahn GmbH nachlegen. Das zur Sitzung präsentierte Papier wurde für zu dünn befunden.

Friedrich Bettecken, CDU.
Friedrich Bettecken, CDU. | Bild: Friedrich Bettecken

Friedrich Bettecken säte Grundsatz-Bedenken zur Thematik. Der Christdemokrat sagte angesichts der Energiekrise: „Die Gaspreise sind hoch und wir machen in der Arena Sommereis – das passt nicht ins Bild“, befand er.

Ulrike Salat, die Grünen.
Ulrike Salat, die Grünen. | Bild: Bündnis 90/Die Grünen VS

Ulrike Salat pflichtete bei: Die Stadträtin der Grünen wörtlich: „Ich sage persönlich: Das Sommereis muss abgestellt werden.“ Sie forderte, Themen nicht nur ökonomisch sondern auch ökologisch angesichts der Klimabelastungen zu betrachten. „Wir müssen auf die nächsten Jahre umdenken“, mahnte sie. Eingangs ihrer Erklärung hatte die neue Co-Fraktionssprecherin (zusammen mit Oskar Hahn) gesagt, dass ihre Fraktion zum Sommereis aber gespalten sei.

Steffen Ettwein, Freie Wähler.
Steffen Ettwein, Freie Wähler. | Bild: Jens Hagen

Steffen Ettwein stellte in der Debatte Grundsatzfragen. „Man erfährt ja mehr bei OB-Interviews in der Zeitung als durch die Infovorlage“, monierte er. Und: „Wir ärgern uns sehr, dass hier Chancen verpasst wurden, früher zu reagieren. Es wurde aus unserer Sicht nicht gehandelt. Hier wurde den Sommer über sehenden Auges viel Energie und Geld verbrannt.“ Ettwein wies darauf hin, dass die Freien Wähler ihren Prüfantrag zum Sommereis im März gestellt hätten. Geschehen sei ein halbes Jahr lang nichts, schimpfte er.

Schön gemacht, viel bespielt: Die zweite Eislauffläche der Arena.
Schön gemacht, viel bespielt: Die zweite Eislauffläche der Arena. | Bild: Trippl, Norbert

Ettwein fragte spitz, ob es denn nicht so sei, dass für Eisherstellung in der Heliosarena im Sommer nicht viel mehr Energie aufgewendet werden müsse als im Winter, wenn es ohnehin kalt sei. Gregor Gülpen antwortete als Geschäftsführer der Kunsteisbahn-GmbH zustimmend, ebenso wie bei Ettweins Nachfassen, weshalb der Jahresverbrauch an Energie der Arena einfach durch zwölf Monate geteilt und nicht angemessen dargestellt werde.

In der Heliosarena wird viel Sport betrieben. Nutzer werden bald mit genauen Kostenabrechnungen konfrontiert. Aktuell werden dazu Zähler ...
In der Heliosarena wird viel Sport betrieben. Nutzer werden bald mit genauen Kostenabrechnungen konfrontiert. Aktuell werden dazu Zähler nachgerüstet. | Bild: Trippl, Norbert

Damit nicht genug. Bei der Frage, wie eigentlich die Daten zum Energieverbrauch in der Arena bei Sommereis und anderen Verbräuchen erfasst und abgerechnet würden, musste Gülpen insofern passen, als er wiederholte, was schon im SÜDKURIER berichtet wurde. Es habe bislang in der Arena keine detaillierte Verbrauchserfassung gegeben, die Stadtwerke rüsteten derzeit Zähler nach.

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Verärgerte Reaktionen gab es darüber hinaus zu einer Idee Gülpens, die Nutzer der Arena zu befragen, ob Sommereis künftig gewünscht werde. Friedrich Bettecken kritisierte eine „Ungleichbehandlung. Wir fragen ja auch nicht Mütter, wie warm das Wasser im Hallenbad beheizt werden soll“, monierte der Christdemokrat.

Überbürgermeister Jürgen Roth in der Gemeinderatsdebatte am 21. September.
Überbürgermeister Jürgen Roth in der Gemeinderatsdebatte am 21. September. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Als Steffen Ettwein schließlich auch eine detaillierte Übersicht zur Einnahmesituation der Arena einforderte, mischte sich Oberbürgermeister Jürgen Roth in die Debatte ein. Es sei „nicht Aufgabe des Gemeinderats, das strategische Geschäft der Kunsteisbahn zu steuern. Hierfür gebe es den Aufsichtsrat, der dieser Ausgabe, so Roth, „sehr umweltbewusst“ nachkomme.

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