Zu den Zukunftsaussichten des Handwerks und den Chancen von Berufsanfängern äußert sich Kreishandwerksmeister Martin Ballof

Herr Ballof, wie ist die Situation im Handwerk, gibt es noch Ausbildungsplätze?

„Das Handwerk mit seinen attraktiven Ausbildungsplätzen bietet seit vielen Jahren einen sicheren Start in das Berufsleben und hält für interessierte junge Menschen immer einen Platz bereit. Und insbesondere, wenn man als Berufseinsteiger nicht schon konkret festgelegt ist, findet jeder seinen Ausbildungsplatz und damit eine Basis für ein gesichertes Berufsleben.“

Was heißt das konkret?

„Konkret wurden im Kammerbezirk Konstanz mit Stand vom 30. September 1685 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das entspricht im Schwarzwald-Baar-Kreis einem Rückgang von vier Prozent zum Vorjahr. Im Umkehrschluss heißt das, es stehen in nahezu allen Handwerksberufen noch Ausbildungsplätze zur Verfügung.“

Warum sollte man sich als junger Mensch für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden, auch die Industrie bildet ja aus?

„Ein unschlagbares Argument, das für die handwerkliche Ausbildung spricht, ist die absolute Vielseitigkeit. Wo noch kann man als junger Mensch unter mehr als 130 Berufen wählen?“

Das klingt ja nach richtig viel und einer riesigen Auswahl für junge Menschen. Erzählen Sie doch mehr.

„Schon allein das Bauhandwerk mit seinen vielen Gewerken bietet eine unschlagbare Zahl an Berufsbildern, angefangen beim Anlagenbauer für Sanitär- Heizung- und Klimatechnik über die Elektrobranche bis hin zum Maurer-, Maler- und Lackierhandwerk. Aber auch eher exotische Berufe wie beispielsweise der des Zupfinstrumentenbauers oder der des Vulkaniseurs stehen auf der Liste möglicher beruflicher Orientierung. Für nahezu jede Neigung gibt es den passenden Ausbildungsberuf. Dienstleistungsberufe mit hohem Kundenkontakt sind ebenso gefragt wie technologieorientierte oder gestalterische Berufe. Wo findet man eine solche Auswahl, wenn nicht im Handwerk.“

Was spricht weiter für eine handwerkliche Ausbildung in der heutigen Zeit?

„Gerade jetzt in den durch die Coronapandemie krisengeschüttelten Zeiten hat sich das Handwerk als krisensicher erwiesen. Viele Betriebe können noch gut gefüllte Auftragsbücher vorweisen. Außerdem stehen seit Jahren etliche alteingesessene Handwerksbetriebe ohne Nachfolger da. Hier bieten sich jungen Menschen gute Chancen für den Start in die Selbständigkeit. Und wenn ich an die aktuellen Klimaziele von Bund und Land oder auch europaweit denke, dann eröffnet das für viele Branchen attraktive Zukunftsperspektiven. Denken Sie nur an E-Autos oder klimaneutrale Energieerzeugung. Für das Handwerk stehen alle Lichter auf Grün!“

Fragen: Rüdiger Fein

Handwerk spricht frei

Handwerkliche Berufe gelten als krisensicher. Das Handwerk bietet insbesondere auch in schwierigen Zeiten genug Arbeit und Einkommen. Auch das Bauhandwerk mit seinen vielen unterschiedlichen Gewerken ist hier Vorreiter, und auch in Coronazeiten winkt hier noch der ein oder andere Ausbildungsplatz. <em>Bild: Rüdiger Fein</em>
Handwerkliche Berufe gelten als krisensicher. Das Handwerk bietet insbesondere auch in schwierigen Zeiten genug Arbeit und Einkommen. Auch das Bauhandwerk mit seinen vielen unterschiedlichen Gewerken ist hier Vorreiter, und auch in Coronazeiten winkt hier noch der ein oder andere Ausbildungsplatz. Bild: Rüdiger Fein

Wenn es um den Start in das Berufsleben geht, stehen junge Menschen oft vor der schwierigen Entscheidung, in welche Richtung es gehen soll. Die meisten haben erfolgreich die schulische Ausbildung hinter sich gelassen und können in den unterschiedlichsten Bildungsabschlüssen ein Zeugnis vorweisen, das ihnen viele Wege ins Berufsleben offen hält. Einer dieser Wege führt ohne Zweifel in einen handwerklichen Beruf, wobei das Handwerk äußerst attraktive und vor allen Dingen krisensichere Berufsbilder bereithält.

Zum Abschluss der Ausbildung lädt alljährlich die Kreishandwerkerschaft Schwarzwald-Baar zur Freisprechungsfeier ein. Dort wird den erfolgreichen Absolventen der unterschiedlichsten handwerklichen Berufe der Gesellenbrief überreicht. In diesem Jahr musste man aufgrund der hohen hygienischen Anforderungen, die ein solches Event mit sich bringt, von einer großen gemeinsamen Feier absehen, und die meisten Innungen feierten die Freisprechung im kleinen Kreis.

Auch die für den 23. Oktober in der Villinger Neuen Tonhalle geplante Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft fiel der Pandemie zum Opfer. Allein im Schwarzwald-Baar-Kreis habe man mit mehr als 400 Teilnehmern und Besuchern rechnen müssen, erklärt Kreishandwerksmeister Martin Ballof. Als Alternative wählten viele Innungen eine kleine Feier, weil sie ein Versenden der Gesellenbriefe per Post als dem Anlass nicht angemessen gesehen haben. Jetzt hofft man auf die Rückkehr zur Normalität im kommenden Jahr und plant für den 4. November 2021. (in)

Hervorragende Berufschancen

Von der Goldschmiedin zur Zimmerin: Die 25-jährige Oana Heubach aus Irland hat bereits eine Lehre zur Goldschmiedin absolviert und wollte mehr über das Handwerk wissen. Sie gibt sich nicht mit einem Abschluss zufrieden, und der Umgang mit Holz liegt ihr mehr als das Edelmetall, berichtet sie von ihren Motiven. Hier im Ausbildungszentrum des Bauhandwerks lernt sie jetzt den Umgang mit Wasserwaage und Richtschnur. Insbesondere das duale System bietet auch im Handwerk beste Chancen. Bilder: Rüdiger Fein
Von der Goldschmiedin zur Zimmerin: Die 25-jährige Oana Heubach aus Irland hat bereits eine Lehre zur Goldschmiedin absolviert und wollte mehr über das Handwerk wissen. Sie gibt sich nicht mit einem Abschluss zufrieden, und der Umgang mit Holz liegt ihr mehr als das Edelmetall, berichtet sie von ihren Motiven. Hier im Ausbildungszentrum des Bauhandwerks lernt sie jetzt den Umgang mit Wasserwaage und Richtschnur. Insbesondere das duale System bietet auch im Handwerk beste Chancen. Bilder: Rüdiger Fein
Bei der Handwerkskammer Konstanz, hierzu gehören die Bereiche westlicher Bodensee, Schwarzwald-Baar, Rottweil, Tuttlingen und Waldshut, gratuliert man auch in diesem Jahr zu großen Ausbildungserfolgen. 1195 junge Menschen konnten trotz coronabedingter Erschwernisse aus ihrer handwerklichen Ausbildung entlassen werden und dürfen sich jetzt Gesellen nennen. Die beruflichen Chancen für die 956 Männer und 239 Frauen aus rund 90 Berufen sind nach wie vor hervorragend, betont Handwerkskammerpräsident Werner Rottler. „Ein Gesellenbrief ist und bleibt ein echtes Wertpapier: Wer ihn hat, wird sich um einen Arbeitsplatz nicht sorgen müssen“, so Rottler. (in)

Die besten Gesellen

K a m m e rs i e g e r

1. Platzierung
Karosserie- und Fahrzeugbaumechanik: Niclas Stein, Erich Stegmann GmbH in Bad Dürrheim.
Konditorin: Michelle Hebestadt, Andreas Acerbi Villingen-Schwenningen.
Land- und Baumaschinenmechatroniker: Florian Merz bei Thomas Hogg in Donaueschingen.
Schornsteinfeger: Samuel Kienzler bei Christof Schwer, Schonach.
Technischer Systemplaner: Marc Steinmann bei Ingenieur G. Werr & S. Ludwig GmbH in Hüfingen.
Zerspanungsmechaniker: Willi Drachenberg bei Freyer GmbH & Co KG, Tuningen.
Zimmerer und Innungssieger: Peter Bächle bei W & Z Holzverarbeitung GmbH, Unterkirnach.

2. Plazierung

Land- und Baumaschinenmechatroniker: Sebastian Hauser, ZG Raiffeisen Technik GmbH in Donaueschingen.
Raumausstatterin: Linda Schmid, Ganter GmbH in Villingen-Schwenningen.


3. Platzierung
Land- und Baumaschinenmechatroniker: Manuel Nock, ZG Raiffeisen Technik GmbH in St Georgen.
Malerin und Lackierin und Innungssiegerin: Kathrin Börsig, Thomas Scherer in Schönwald.
Zahntechnikerin: Stefanie Sengstock, Zahn-Design Wollmann Zahntechnik e K., Villingen-Schwenningen.
Zimmerer: Lukas Buchholz, Schwarzwälder GmbH, St.Georgen.

I n n u n g s s i e g e r
im Kreis Schwarzwald-Baar:

Bau-Innung: Heine Niklas, Bauunternehmung Hermann GmbH Furtwangen.

Elektro-lnnung: Markus Mauch, Waldmann Elektrotechnik GmbH & Co KG Villingen-Schwenningen.

Friseur-Innung: Gözde Ada, Valbona Sijarina in Villingen-Schwenningen.
Innung für Sanitär- und Heizunqstechnik: Thomas Schlese, Ingenieur Alfred Winkler GmbH & Co. KG, Villingen-Schwenningen.
Schreiner-Innung: Nico Schwarzwälder, Ralf Münzer, Donaueschingen.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €