Was als Familienidylle begann, endete mit einem Verbrechen und einer zerbrochenen Familienbande. Jetzt gab es in dem Fall eine Freiheitsstrafe.

Ein 45-jähriger Mann wurde vor dem Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten und einer Geldstrafe verurteilt. Er soll an dem ihm anvertrauten Sohn seines Bruders während eines mehrtägigen Urlaubs mehrfach Handlungen vorgenommen haben, die den Tatvorwurf des sexuellen Missbrauchs erfüllten.

Die Eltern ahnten nichts

Zugetragen haben sich die Taten in einer kleinen Gemeinde im Schwarzwald-Baar-Kreis im Sommer 2018. Dorthin nahm der aus dem Raum Ulm stammende Angeklagte den damals siebenjährigen Jungen mit. Die Eltern erlaubten das bedenkenlos. Sie selbst seien ebenfalls für einen Tag in den Schwarzwald gereist, wo man unbeschwerte Stunden miteinander verbracht habe.

Das könnte Sie auch interessieren

Zuhause habe der Junge seinem jüngeren Bruder und seinem Vater zeigen wollen, was der Onkel für eine Massage mit ihm gemacht habe. Daraufhin seien die Eltern hellhörig geworden. Bis dahin habe man ein gutes verwandtschaftliches Verhältnis zueinander gehabt, sagte die Mutter des Jungen aus.

Eltern erstatten Anzeige

Durch das Hinzuziehen einer psychologischen Beratung und behutsames Herantasten zu den Ereignissen seien weitere Details des Kurzurlaubs heraus gekommen. Daraufhin erstatteten die Eltern Anzeige gegen den Bruder beziehungsweise Schwager.

Das Amtsgericht Villingen verhandelt über einen Missbrauchs-Vorwurf.
Das Amtsgericht Villingen verhandelt über einen Missbrauchs-Vorwurf. | Bild: Matthias Jundt

Im Wohnmobil des Angeklagten waren neben dem Jungen und dem Angeklagten auch die Lebensgefährtin des Mannes und deren Tochter anwesend. Offenbar soll es in dem Fahrzeug mehrfach zu Massagehandlungen am Rücken des Jungen gekommen sein, während dieser auf dem Bauch des Angeklagten gelegen habe. Zudem sei es in der Dusche eines Schwimmbads, das die Feriengäste an ihrem Urlaubsort mehrfach besuchten, zu weiteren sexuellen Handlungen gekommen sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Die als Zeugen vernommenen, inzwischen erwachsenen Söhne der Lebensgefährtin sagten aus, dass der Mann solche Streicheleinheiten auch bei ihnen vorgenommen habe, als sie im Kindesalter waren. Sie hätten dies aber nicht als schlimm empfunden.

Gericht folgt dem Gutachten

Um auszuschließen, dass sich der Junge solche Geschichten ausdenkt, wurde ein psychologisches Gutachten erstellt. Dem Bericht der Sachverständigen zufolge gab es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Junge sich die Geschichte ausgedacht haben könnte. Letztlich folgte das Gericht auch dem Gutachten und verhängte die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe sowie eine Geldstrafe von 2000 Euro an ein Kinderhospiz. Dies sei ein „heftiger Schuss vor den Bug“, wie Richter Christian Bäumler in der Urteilsbegründung sagte.

Es gilt: Hände weg

Das Gesetz sieht zur Einschätzung, ob sexueller Missbrauch vorliege, nur noch wenig Spielraum. „Es kommt auf die zeitliche Begrenzung an.“ So sei ein zufälliges Berühren etwas anderes als eine mehrere Minuten dauernde Massage. „Bei Kindern gilt Hände weg. Sonst ist es eine Straftat“, macht der Richter deutlich.