„Die Villinger Fasnet wird wieder kumme“! Die fünfte Jahreszeit ist natürlich längst schon eingeläutet und schon bald kann man wieder freimütig singen: „D’Fasnet isch do“ und „Hoppedali, Hoppedali“, oder auch: „Oh wie schön isch doch en Narro im Häs.“ All das sind klingende Erinnerungen an Rudi Streit, das musikalische Urgestein, Anfang der 50er Jahre Gründer und Vorbild der Villinger Bänkelsänger-Szene. Auch seine Fasnachtslieder werden neben den Klassikern, dem Narromarsch, dem loschorenden Kater Miau und Rhabarber Ahoi, schon bald wieder „d‘Stadt nuff und d’Stadt nab“ bei Bällen und in den Narrrenstüble erklingen.

Rudi Streit, Schöpfer dieser Villinger Liedle, der unter anderem auch das Krah, Krah, Krah der Rietvögel vertont hat, legte bereits 1948 den Grundstein für viele nachfolgende fröhliche Sangesgruppen in Villingen. Er hat viele Spuren hinterlassen und ist auch nach seinem Tod 2008 in seinen zahlreichen Liedern lebendig geblieben und unvergessen bis heute. Seine Witwe und zu seinen Lebzeiten eifrige Mitsängerin Lilo Streit freut sich besonders, wenn diese für sie altvertrauten Lieder erklingen. Vor zwei Jahren, als die „Gassenhauer“ ihre neue CD aufnahmen, sang die fast 90-Jährige gar das „Hoppedali“ – Rudi Streits größten Hit – noch mit.

Die legendären „Nachtfalter“ in den 70er Jahren. Von links: Werner „Tschäbet“ Hirt, Sigi Müller, Viktor Paz und Rudi Streit.
Die legendären „Nachtfalter“ in den 70er Jahren. Von links: Werner „Tschäbet“ Hirt, Sigi Müller, Viktor Paz und Rudi Streit. | Bild: privat

Aber nicht nur an Fasnacht sind Rudi Streits Lieder bis heute eine feste Größe. Bei unzähligen geselligen Veranstaltungen waren er und seine verschiedenen Sangesgruppen über viele Jahrzehnte immer gerngesehene Gäste. Mit Liedern wie Bella Andrea, Berghäuschen, Der Postillion vom Schwarzwaldtal, Komme heute Abend zu Dir, dem Anglerliedgruß an Mönchweiler und manch anderen mehr verbreiteten er und seine Musikgruppen im Nu Stimmung und gute Laune. Nicht weniger als acht munteren Villinger Gesangsgruppen drückte Rudi Streit im Laufe der Jahrzehnte seinen Stempel auf, bis er 1998 einen Schlaganfall erlitt und zehn Jahre später starb.

Bereits 1948, kaum hatten sich die Menschen ein bisschen von den schweren Kriegsjahren erholt, gründete der erst 22-jährige Männerchor-Sänger und Gitarrist Rudi Streit zusammen mit Rudi Hug, Herbert Jäcke und Werner Jörres die „Rodolfos“ (später kam Walter Krebs dazu für Werner Jörres). Die Rodolfos bescherten den Villingern wieder unbeschwerte musikalische Stunden in der schwierigen Nachkriegszeit. Ihre Auftritte gehörten auch Anfang der 50er Jahre noch zu den Höhepunkten zum Beispiel im Meyerhof in der Niederen Straße, einem legendären Gasthaus, das es längst nicht mehr gibt.

Die „Flotten 7“ in den 60er Jahren in Aktion mit Hannelore Weigelt, Gisela Koch, Erika Fuchs, Lilo Streit, Maria Keller, Iris Kopp und natürlich Rudi Streit als „Hahn im Korb“.
Die „Flotten 7“ in den 60er Jahren in Aktion mit Hannelore Weigelt, Gisela Koch, Erika Fuchs, Lilo Streit, Maria Keller, Iris Kopp und natürlich Rudi Streit als „Hahn im Korb“. | Bild: privat

1953 gründete Rudi Streit auf Anregung des damaligen Männerchor-Vorsitzenden Frieder Simon die „Flotten Zehn“. Anfang der 60er Jahre wurden daraus nicht die „sieben Schwaben“, sondern die „Flotten Sieben“: eine attraktive und äußerst aktive Damen-Truppe mit ihm als Band-Leader und Begleiter an der Gitarre. An die Zeit mit der „Flotten Sieben“ erinnert sich Lilo Streit, die als Sängerin neben ihrem Ehemann immer mit von der Partie war, heute noch mit glänzenden Augen. Musikalische Reisen nach Wien, Innsbruck und Konstanz vergisst sie nie. Beim Heurigen und durch ihre Gesangseinlagen in der Straßenbahn in Wien waren sie bald bekannt als die „sieben Schwaben“ und hatten natürlich freie Fahrt.

Dazu begleitete Rudi Streit mit seiner Gitarre von 1960 bis 1963 die ersten „Nachtfalter“ (Werner Hirt, Hans Meßmer und Bene Sauter), die ab 1965/1966 in der Besetzung mit Hans Meßmer, Bene Sauter und „Schanko“ Ummenhofer als Spittelsänger Karriere machten. Aus dieser Zusammenarbeit entstand dann wieder 1966 der „BE-RU-HA-WE-Chor“, nach Benne, Rudi, Hans und Werner benannt, ergänzt durch die vier Sängerinnen der „Flotten Sieben“ Lilo Streit, Doris Fischer, Inge Hirt und Erika Fuchs. Ihr „Il silencio“ bei vielen Festen und Feiern war stets der Höhepunkt und riss die Zuhörer zu Beifallsstürmen hin.

Ihr „Il silencio“ war bei gesellschaftlichen Anlässen in den 60er-Jahren der Hit: Der „BE-RU-HA-WE-Chor“ mit Wener „Tschäbet“ Hirt, Hans Messmer und Bene Sauter (den späteren Spittelsängern), Rudi Streit an der Gitarre, und den Damen Lilo Streit, Doris Fischer, Inge Hirt und Erika Fuchs.
Ihr „Il silencio“ war bei gesellschaftlichen Anlässen in den 60er-Jahren der Hit: Der „BE-RU-HA-WE-Chor“ mit Wener „Tschäbet“ Hirt, Hans Messmer und Bene Sauter (den späteren Spittelsängern), Rudi Streit an der Gitarre, und den Damen Lilo Streit, Doris Fischer, Inge Hirt und Erika Fuchs. | Bild: privat

1970 schließlich bildeten sich die Nachtfalter neu, jetzt mit Werner Hirt, Sigi Müller, Victor Paz und Rudi Streit. Es entwickelte sich ein sehr erfolgreiches und legendäres Quartett, bis 1984 aktiv, das an der Fasnacht nicht zuletzt als VS-Trottel mit spitzen Zungen und scharfen Pointen riesige Erfolge feierte.

1972 gründete Rudi Streit mit dem Angelsportverein Mönchweiler einen Chor, in dem moderne Schlager und Volkslieder gesungen wurden. 1984 entstanden aus diesem Chor die „Munteren Forellen“, eine Frauengruppe des Anglerchores um Rudi Streit, ebenso ein Quartett mit vier Frauen, die überall für Stimmung sorgten. Rudi Streit brachte alle zum Singen.

Schließlich waren 1990 die „Vier Oldies“ (Lilo und Rudi Streit, Arno Protto, Erich Stark) Streits letzte Gruppe, die er gründete und die bis zu seinem Schlaganfall 1998 sehr aktiv war.

Die legendären „Nachtfalter“ in den 70er Jahren in zivil (links) und als VS-Trottel an der Villinger Fasnet: Von links: Werner „Tschäbet“ Hirt, Sigi Müller, Viktor Paz und Rudi Streit.
Die legendären „Nachtfalter“ in den 70er Jahren in zivil (links) und als VS-Trottel an der Villinger Fasnet: Von links: Werner „Tschäbet“ Hirt, Sigi Müller, Viktor Paz und Rudi Streit. | Bild: privat

„Rudi mit der Gitarre“ hat sein Leben für die Musik gelebt, hat für viele Menschen Freude und Frohsinn verbreitet. In all seinen Musikgruppen ließ er den sprichwörtlichen musikalischen Funken stets im Nu auf die Zuhörer überspringen. 1997 erhielt er für sein Lebenswerk die Bundesverdienstmedaille. Er wäre diese Fasnacht 91 Jahre alt – auf Wolke sieben wird er sich sicher freuen, wie seine Lieder die Jahrzehnte überleben und ihn unvergessen machen.