30 Rettungskräfte von Deutschem Roten Kreuz (DRK) und dem Malteser Hilfsdienst konnten Zunftmeister Anselm Säger und Ratsherr Michael Bohrer im Fürstenbergsaal der Zehnscheuer begrüßen. Die Hilfskräfte wollten erfahren, wie ein Narro schnell und effektiv ausgezogen wird, wenn er medizinische Hilfe benötigt. Bereits zum dritten Mal bot die Narrozunft die Veranstaltung den Rettungsorganisationen an.

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„Beim ersten Mal waren wir noch bei den Maltesern, die letzten beiden Male bei uns in der Zehntscheuer“, so Bohrer, für den es neben der schnellen Erstversorgung eines in Not geratenen Narros auch um die Sicherung des mit rund 5000 Euro teuren Häses geht. „Keine Frage, wenn es lebensbedrohlich für den Narro wird, spielt das Häs keine Rolle mehr. Aber es muss nicht immer gleich mit der Schere am Häs angesetzt werden“, betont Bohrer. Damit die Rettungskräfte wissen, was sich alles unterm Häs noch befindet, wurde der Narro erstmal komplett angezogen.

Der Narro liegt am Boden und muss von Rollen und Jacke befreit werden.
Der Narro liegt am Boden und muss von Rollen und Jacke befreit werden.

„Das ist nicht selbstverständlich, dass sich ein Narro unters Häs schauen lässt“, so Bohrer, der sich bei Alexander Gackowski bedankte, dass er sich und sein Häs für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hatte. „Dickes Untergewand trägt der Narro unterm Häs, nicht nur wegen der Kälte, sondern auch, damit er eine stattliche Figur abgibt, und ich muss etwas mehr als Alex unterm Häs anziehen“, scherzte Anselm Säger, während Bohrer Gackowski half, ins Häs zu kommen.

Der Narro wird an den Gurten in die aufrechte Position gebracht.
Der Narro wird an den Gurten in die aufrechte Position gebracht.

Nachdem die Schemme aufgesetzt und der Kragen umgebunden war, stand ein stattlicher Villinger Narro mit rund 22 Kilogramm Rollen auf der kleinen Bühne, bereit, als Übungsobjekt für die Narrorettung zu dienen.

Die Schnallen an den Rollenbändern öffnen und den Narro von den Rollen befreien.
Die Schnallen an den Rollenbändern öffnen und den Narro von den Rollen befreien.

„Der häufigste Grund, dass ein Narro in Not gerät, ist ein Kreislaufproblem“, schildert Bohrer die Erfahrungen. Gefährdet seien vor allem die jungen und die neuen Hästräger. „Es wird zu wenig getrunken, nicht ausreichend gefrühstückt und dann kann es zu einem Problem werden, wenn man gut zwölf Stunden im Häs ist“, sagt Bohrer. Mit einem schnellen Zug an einer Schlaufe nimmt Bohrer dem Narro die Scheme ab. „Das ist der erste Schritt, damit der Narro wieder ausreichend Luft bekommt“, erklärt Bohrer und bittet, die Scheme ins Tuch einzuwickeln und zu sichern. „Am besten geben Sie die Scheme einem der Ratsherren, die den Umzug begleiten.“

Keine Knöpfe, sondern Haken gibt es an der Häsjacke, um diese zu öffnen und schnell auszuziehen.
Keine Knöpfe, sondern Haken gibt es an der Häsjacke, um diese zu öffnen und schnell auszuziehen.

Ohne Scheme geht nichts

Die Scheme sei alles für den Narro und Bohrer erzählt eine Geschichte von einem Narro, der auf Glatteis ausrutschte und nach vorne viel. „Damit er nicht mit der Scheme auf den Boden knallt, hat er noch schnell die Hand vor die Scheme gehalten und sich dabei alle fünf Finger gebrochen“, berichtet Bohrer. Doch das sei für den Hästräger nicht so schlimm wie eine zerstörte Scheme gewesen.

Jetzt kann die Schere zum Öffnen der Unterkleidung verwendet werden, weil diese nicht unbedingt wichtig ist.
Jetzt kann die Schere zum Öffnen der Unterkleidung verwendet werden, weil diese nicht unbedingt wichtig ist.

Mit einem kräftigen Zug an den Rollengurten bringt er den Narro in die sitzende Position, den Rücken abgestützt, und mit schnellen Griffen sind dann die Rollengurte an den Schnallen gelöst, können entfernt und die Jacke über den Kopf ausgezogen werden. „Jetzt könnt ihr die Schere ansetzten, alle Kleidung darunter ist nicht mehr wichtig“, so Bohrer. So schnell könne man auch bei den Hästrägern in Bad Dürrheim, Bräunlingen, Triberg und Weigheim die Rollen lösen, wobei man in Schwenningen, Hüfingen und Donaueschingen die Gurte durchschneiden müsse, weil die keine Schnallen hätten.

Sven Lebeau und Katharina Beißwenger vom Malteser Hilfsdienst üben die Narrorettung an Alexander Gackowski.
Sven Lebeau und Katharina Beißwenger vom Malteser Hilfsdienst üben die Narrorettung an Alexander Gackowski.

Danach wird es erst richtig anstrengend für Narro Gackowski. Aufstehen, Jacke anziehen, 22 Kilogramm Rollen umhängen, hinlegen, ausgezogen werden und dies mehrere Male, denn die Rettungskräfte können jetzt am Narro üben.

Gut zu wissen

„Wir begleiten die Umzüge schon seit 25 Jahren und vor allem für unsere neuen Rettungskräfte ist es wichtig, wie man mit einem Narro in Not umgeht“, sagt Michael Fritzer von den Maltesern. Auch Georg Nitsch vom DRK hat sich an der Narrorettung versucht und den Hästräger in weniger als einer Minute von Rollen und Jacke befreit. „Es ist gut, wenn man es einmal geübt hat, damit man vorher weiß, wie es geht“, sagt Nitsch. Klaus Kröper vom DRK-Ortsverein Villingen bedankte sich im Namen der Teilnehmer bei der Narrozunft für die Veranstaltung. „Mir ist es auch persönlich wichtig, weil ich auch ins Häs gehe“, so Kröper.

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