Was ist mit der geplanten Sanierung des Theaters am Ring, die rund zehn Millionen Euro kosten soll? Und was ist mit dem Bau einer neuen Museumslandschaft in Schwenningen? Können diese Millionen-Vorhaben noch wie geplant realisiert werden? Mit solchen Fragen werden sich in den nächsten Wochen und Monaten die Mitglieder des Gemeinderates auseinandersetzen müssen

Baubürgermeister Detlev Bührer bestätigt im Gespräch mit dem SÜDKURIER: Bauen wird für die Stadt immer kostspieliger. Es gibt immer weniger Gewerk fürs Geld. Der Baukostenindex ist seit Herbst um 30 Prozent gestiegen, bis Jahresende sind es wohl 45 Prozent. „Damit kalkulieren wir“, berichtet der Chef des Baudezernats.

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Im Moment schlägt die Kostenexplosion bei den Baumaterialien noch nicht in allen Bereichen durch. Im Straßenbau läuft es noch gut. Denn die Stadt hat im vergangenen Herbst viele Aufträge an Baufirmen vergeben, damals noch zu vergleichsweise günstigen Preisen.

Liegt noch im Kostenplan. Dieser Verkerhrskreisel auf Herdenen, der zurzeit erneuert wird.
Liegt noch im Kostenplan. Dieser Verkerhrskreisel auf Herdenen, der zurzeit erneuert wird. | Bild: Evelyn Pfefferkorn/Hans-Jürgen Götz/Gerhard Hauser

Beispielsweise die derzeit laufende großflächige Erschließung des Gewerbegebietes im Zentralbereich zwischen dem Wildi-Kreisel und dem Klinikum. Oder der aktuelle Neubau des Kreisverkehrs auf Herdenen. „Da liegen wir im Kostenplan“, berichtet Bührer.

Abstriche bei Dünnschichtasphalt denkbar

Doch auch im Straßenbau kommen jetzt schlechtere Zeiten. Im Juli lässt Bührer die nächsten Straßensanierungen mit Dünnschichtasphalt ausschreiben. Es geht um eine Million Euro. „Wir sind gespannt, was sich dann bei den Preisen tut“, sagt er. Im Zweifelsfall müssen einige der vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen verschoben werden.

Baubürgermeister Detlev Bührer lächelt in die Kamera. Doch angesichts dramatisch steigender Baukosten hat der Dezernatsleiter derzeit ...
Baubürgermeister Detlev Bührer lächelt in die Kamera. Doch angesichts dramatisch steigender Baukosten hat der Dezernatsleiter derzeit beruflich wenig zu lachen. | Bild: Stadler, Eberhard

Im Hochbau wurde die Stadt von den Kostensteigerungen bereits hart getroffen. Beim Bau des neuen Weilersbacher Feuerwehrgerätehauses haben die Verantwortlichen die Reisleine gezogen. Die Kostenfortschreibung des Hochbauamtes vom Mai ergab eine Kostensteigerung von über 30 Prozent. Und das, sagt der Baubürgermeister, dürfte noch nicht alles sein.

Feuerwehrhaus wird erheblich teurer

Im Juli wird dieses Bauvorhaben im Technischen Ausschuss und im Gemeinderat unter diesen Vorzeichen neu beraten. Geplant war das Gerätehaus zuletzt für 2,85 Millionen Euro. Wie aus der Sitzungsvorlage des Technischen Ausschusses vorgeht, rechnet das Hochbauamt inzwischen mit Kosten von fast 4,2 Millionen Euro. Das ist ein Aufschlag von fast 50 Prozent. Die Räte müssen daher entscheiden, wie die weitere Planung aussehen soll.

Der Chef des städtischen Baudezernates fürchtet, dass das Gerätehaus nicht das einzige Projekt bleiben wird, dessen Finanzierung Probleme aufwirft. Die Stadt will beispielsweise in diesem Jahr in großem Stil in die Sanierung des Schulverbundes am Deutenberg einstiegen. Unter anderem soll die Elektrotechnik erneuert werden. Die bisherige Kostenkalkulationen dürften auch hier von der Realität überholt werden.

Die Sanierungsarbeiten am Schulverbund Deutenberg sind angelaufen, werde Arbeitsvergaben stehen unmittelbar bevor. Auch bei diesem ...
Die Sanierungsarbeiten am Schulverbund Deutenberg sind angelaufen, werde Arbeitsvergaben stehen unmittelbar bevor. Auch bei diesem Millionen-Vorhaben fürchtet die Stadt deutlich ansteigende Kosten. | Bild: Hahne, Jochen

Klar ist den Verantwortlichen der Stadt, dass die bisherige Investitionsplanung für den gesamten Hoch- und Tiefbau in 2022 mittlerweile reif für den Papierkorb ist. Die Prioritätenliste, die im Februar aufgestellt wurde, ist Makulatur.

Neue Prioritätenliste in Arbeit

Bührer erinnert daran: Das Investitionsprogramm der Stadt wurde vom Gemeinderat in diesem Jahr auf 25 Millionen Euro gedeckelt, die Stadt hat sich ein Sparprogramm auferlegt. Die davonlaufende Kosten sorgen nun auch noch dafür, dass mit dem gleichen Geld deutlich weniger in die städtische Infrastruktur investiert werden kann als geplant. Die Stadt muss den Gürtel enger schnallen. Im Juli, so kündigt Bührer an, werde er dem Gemeinderat daher eine überarbeitete Prioritätenliste vorlegen.

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Welche Maßnahmen gekürzt, gestrichen oder verschoben werden, darüber will sich der Baubürgermeister nicht auslassen. Das Thema ist politisch brisant. Und liegt letztlich in der Kompetenz des Gemeinderates.

Der Oberer Brühl, ehemals Mangin Kaserne. Die großen Mannschaftsgebäude werden für die Stadtverwaltung und das Stadtarchiv umgebaut. Aus ...
Der Oberer Brühl, ehemals Mangin Kaserne. Die großen Mannschaftsgebäude werden für die Stadtverwaltung und das Stadtarchiv umgebaut. Aus dem ehemaligen Unteroffiziersheim rechts wird ein Kindergarten. Unser Bild stammt von März 2022. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Nicht gestrichen werden sollen indes all jene Maßnahmen, „die wir bereits begonnen haben“, sagt Bührer. Was neu dazukommt, steht dagegen zur Disposition. Zu den Prioritäten, die umgesetzt werden, gehört für Bührer definitiv die Umwidmung des ehemaligen Kasernengeländes Mangin in das künftige Wohn- und Verwaltungsquartier „Oberer Brühl“.

Dort sollen bekanntlich mehrere hundert neue Wohnungen gebaut werden. Rein rechnerisch sind bis zu 680 Wohneinheiten möglich. Außerdem plant die Stadt die Sanierung dreier Kasernengebäude. Darin sollen das städtische Bürgeramt, ein neues Stadtarchiv und ein Kindergarten untergebracht werden. Bührer geht davon aus, dass der Gemeinderat diesem Großprojekt Vorrang einräumen wird.

Der Projektbeschluss für die Generalsanierung der drei Kasernengebäude wird dem Gemeinderat schon demnächst, im Juli, zur Abstimmung vorgelegt. Auch der Umbau der ehemaligen französischen Schule an der Dattenbergstraße seht im Juli zur Entscheidung an. In diesem Gebäude soll künftig die Volkshochschule untergebracht werden.

Nicht in Gefahr sind laut Bührer auch die bereits begonnenen Schulsanierungen. Sie sollen alle zügig beendet werden. Doch für viele andere Wunschmaßnahmen, die in den nächsten Jahren auf dem Zettel stehen, wird es eng. Die Liste ist lang. So manches, fürchtet der Baubürgermeister, muss nun zurückgestellt werden.

Höhere Einnahmen durch Inflation?

Oder wird es überhaupt nicht so schlimm kommen wie befürchtet? Finanzexperte Frank Bonath, Stadtrat und Landtagsabgeordneter der FDP, weist darauf hin, dass nicht nur die Ausgaben der Stadt steigen. Sondern auch die Einnahmen. Infolge der zunehmenden Inflation könne die Stadt jetzt auch mit höheren Steuereinnahmen rechnen.

Gleichen höhere Steuereinahmen der Stadt die steigenden Baukosten aus? Frank Bonath hält das nicht für ausgeschlossen.
Gleichen höhere Steuereinahmen der Stadt die steigenden Baukosten aus? Frank Bonath hält das nicht für ausgeschlossen. | Bild: DieHagens.com

Ob sich steigende Steuereinnahmen und Baukosten allerdings auch nur annähernd im Stadtsäckel ausgleichen werden, ist völlig ungewiss. Bonath bring aber noch ein zweites Argument vor: Sollte der Wohnungsbau im nächsten Jahr, wie viele befürchteten, tatsächlich einbrechen, könnte dies auch wieder zu sinkenden Preisen bei Bauleistungen führen. Dies zum Vorteil der Kommunen.

Allerdings sind derlei Überlegungen derzeit reine Spekulation. Die ansteigenden Baukosten indes die harte Realität.