Auch die Musiker und Musiklehrer sind, wie die meisten Künstler, von der Corona-Krise hart und oft existenzbedrohend betroffen. Doch Not macht erfinderisch. Markus Hebsacker (56), der mit seiner Frau Barbara seit 20 Jahren die Musikschule im Zentrum (MIZ) in Villingen betreibt, versucht jetzt, den Musikunterricht mit seinen Gitarrenschülern digital von Bildschirm zu Bildschirm zu erteilen.

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Eigentlich wollten die Hebsackers in diesem Jahr das 20-jährige Bestehen ihrer privaten Musikschule in der Thomas-Gasse 2 feiern. Doch auch diese Pläne hat die grassiernde Virus-Pandemie durchkreuzt. Die Musikschule kämpft jetzt, wie fast alle anderen, ums wirschaftliche Überleben. Der Musikkindergarten, die von Barbara Hebsacker betreute musikalische Früherziehung mit rund 150 Kindern, kam ebenso zum Erliegen wie der Musikunterricht, den Markus Hebsacker und weitere 15 als Honorarkräfte beschäftigte Musiklehrer ihren rund 300 Instrumentalschülern erteilen.

Honorarkräfte hart getroffen

Für die Honorarkräfte ist die wirtschaftliche Situation oft besonders hart. Denn diesen Musikern, so berichtet Hebsacker, brechen derzeit auch ihre weiteren beruflichen Standbeine weg, beispielsweise die Beschäftigung als Musiker in Orchestern oder Musiktheater-Produktionen. Da das gesamte kulturelle Veranstaltungswesen gestoppt wurde, haben sie als Selbständige keine Einnahmen. Die Hebsackers trifft es natürlich ebenfalls hart: Zum ruhenden Unterrichtsbetrieb kommen die wegbrechenden Mieteinnahmen, die die Honorarkräfte für die Nutzung der Räume an die Musikschule entrichten.

In dieser Situation ist der Musikpädagoge froh, dass er vor einigen Jahren, ein kleineres Lehramtsdeputat an der Albert-Schweitzer-Schule übernommen hat. Als Teilzeitlehrer hat er zumindest von dieser Seite ein kleineres, aber immerhin regelmäßiges Einkommen. Gleichwohl ist die jetzige Situation ziemlich bedrohlich. Bleiben die Einschränkungen nur für März, April, bleibe es bei einer wirtschaftlichen Delle, vermutet er. „Dauert das Ganze länger, geht es an die Existenz.“ Das wirtschaftliche Überleben, sagt er, hänge jetzt von vielen Faktoren ab: Vor allem davon, wie lange die Unterrichts- und Veranstaltungsverbote bestehen, ob staatliche Hilfen beansprucht werden können oder ob der Vermieter finanzielles Entgegenkommen zeigt.

Gehversuche mit Fernunterricht

Für die Musikschule gibt es viel zu klären. Vorletzte Woche, so berichtet Markus Hebsacker, „waren wir alle in Schockstarre“. Inzwischen hat er sich wieder sortiert und in Bewegung gesetzt. Der studierte Musikpädagoge hat unter anderem damit begonnen, seinen Gitarrenschülern Fernunterricht zu erteilen. Bereits vor einer Woche hat er damit angefangen und seine erste Stunde von Bildschirm zu Bildschirm gehalten. Als Plattform hat er sich die App „Zoom“ ausgewählt, die gerne auch für Videokonferenzen genutzt wird. „Es hat ganz gut funktioniert“, berichtet er, „wenn auch mit Einschränkungen“. Was gut geht, seien abwechselnde Interaktionen zwischen Lehrer und Schüler. Doch für das im Musikunterricht nicht unwesentliche gemeinsame Spielen war das System nicht leistungsfähig genug, schildert er seine Erfahrung.

Letztlich, betont er, sind es jetzt die „ersten Gehversuche„, den Unterricht zu digitalisieren. Was für ihn noch sehr sehr zeitaufwändig ist. Denn vorab muss er an seine Schüler Noten verschicken und dann helfen, die Technik seiner Schüler startklar machen. Das betrifft dann oft auch deren Mütter, die den Audiokanal und das Mikrofon in Betrieb setzen müssen. Da sind manche Berührungsängste zu überwinden. Außerdem hängt viel an der technischen Medien-Ausstattung der Schüler oder deren Eltern, ob der Online-Unterricht sinnvoll ist. Gleichwohl will Markus Hebsacker die Hürden angehen. Die Eltern, so berichtet er, seien zumeist sehr dankbar für dieses Angebot, weil sie während des Musikunterrichts von der aktuellen Dauerbetreuung ihres Nachwuchses entlastet werden.

Test für die Zukunft

Auch unter seinen Honorarkräften ist die Technikaffinität unterschiedlich ausgeprägt. Einige Musiklehrer, berichtet er, produzierten lieber Video-Tutorials, also Lehrfilme, und stellen diese den Schülern zur Verfügung. Auch das ist ein Weg. Markus Hebsacker aber will diese Notzeiten nutzen, um die Möglichkeiten und Grenzen des direkten Online-Unterrichts jetzt auszutesten: Als mögliches Zubrot in der aktuellen Notlage einerseits – und als Zukunftsoption für seine Musikschule andererseits. Vielleicht liegen darin ja auch neue Chancen. Wie weit er damit kommt, muss sich erst weisen.