Erste Entlassungen, über die Hälfte der Unternehmen mit Kurzarbeit und der Wunsch nach schneller Rückkehr zur Normalität: In einer Kurzumfrage ermittelte der Gewerbeverband Oberzentrum (GVO) in den vergangenen Tagen unter seinen Mitgliedern die aktuellen Folgen der Pandemie und der dadurch bedingten Einschränkungen der Wirtschaft. „Die Probleme schlagen in fast allen Betrieben der Doppelstadt spürbar durch: Wir brauchen daher schnell für die Region passende Angebote der Politik, um die Wirtschaft schnell wieder ins Laufen zu bekommen“, erklärte Jo Müller, GVO-Präsident, angesichts der ermittelten Daten.

Schnelle, für die Region passende Angebote der Politik für die heimischen Betriebe fordert jetzt Joachim Müller, der Präsident des Gewerbevereins Oberzentrum.
Schnelle, für die Region passende Angebote der Politik für die heimischen Betriebe fordert jetzt Joachim Müller, der Präsident des Gewerbevereins Oberzentrum.

Von den weit über 400 Mitgliedsunternehmen des GVO beteiligten sich bis 5. Mai 104 Unternehmen (23 Prozent) an der Umfrage, und über 78 Prozent von ihnen konstatierten spürbare bis große Probleme durch die Pandemie. Dabei setzt die Mehrheit auf Hilfe durch Selbsthilfe: Lediglich rund 43 Prozent beantragten staatliche Soforthilfe, kaum gefragt sind zudem die KfW-Hilfskredite, die bislang nur etwas mehr als 16 Prozent der Unternehmen beantragte – „Ein Kredit bleibt mittelfristig auch keine wirklich gute Lösung, da dieser bei dann nachlassenden Umsätzen nur mühsam getilgt werden kann“, kommentiert Jo Müller diese Zurückhaltung.

Die an der Umfrage teilnehmenden Gastronomie- und Handelsunternehmen hatten sich auf ihre eigene Weise auf die Krise eingestellt und in der großen Mehrzahl auf Lieferservice (72,2 Prozent) bzw. auf einen Abholdienst für zuvor bestellte Waren (68,8 Prozent) umgestellt. Genau 50 Prozent dieser Betriebe hat auch Gutscheine im Angebot. Liefer- und Abhol-Dienstleistungen werden durchweg gut angenommen (76 bzw. 86,4 Prozent), Gutscheine kamen bisher jedoch nur bei rund 56 Prozent der Kunden an.

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Das von der Stadt ins Leben gerufene Internet-Verzeichnis „Handeln-fuer-VS.de“ für Unternehmen mit Liefer- und Abholservices findet unterm Strich eine gute Resonanz: 72 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Handels- oder Gastronomiebetriebe haben sich dort angemeldet, und 73,5 Prozent davon berichten über eine belegbare Nutzung der Internet-Plattform durch ihre Kunden.

Zum Schutz vor einer Komplett-Stilllegung im Fall einer Quarantäne-Anordnung wegen einer Corona-Infektion teilten über 62 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen ihre Belegschaften auf oder lassen örtlich getrennt arbeiten. Und: 54,4 Prozent der Betriebe haben bislang Kurzarbeit angemeldet. Die Aussichten sind hier alles andere als rosig: Nur rund 38 Prozent rechnen damit, bis Ende August wieder normal arbeiten zu können, ein großer Teil sieht Kurzarbeit teilweise bis zum Ende des Jahres und darüber hinaus als potenzielle Maßnahme – die Fortdauer dieses Themas ist also nicht absehbar. Noch schlechter erging es bereits Arbeitnehmern in fast 17 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe: Hier mussten bereits 140 Mitarbeiter entlassen werden. Weitere Entlassungen sind nach den Antworten der Betriebe wahrscheinlich, wenn eine Rückkehr zur Normalität länger auf sich warten lässt: So sehen 30 Prozent der Befragten bei einer Fortdauer bis Ende August Entlassungen als wahrscheinlich an, weitere 33 Prozent können ihre aktuelle Belegschaft maximal bis Ende des Jahres halten.

Entsprechend vielfältig sind die Wünsche der Unternehmen an die Politik: Von einer vorübergehenden Aussetzung von Parkgebühren durch die Stadt Villingen-Schwenningen zur Belebung des Handels und der – am besten wieder uneingeschränkten – Gastronomie über die Öffnung der Kitas bis hin zur sofortigen Aufhebung aller Einschränkungen reichen die Ansätze, die von den Unternehmen genannt wurden. Ausdrücklich gelobt wurde von einigen Umfrage-Teilnehmern das Krisen-Management der Stadt. Und auch die angestrebten Anpassungen der Maßnahmen an die regionalen Gegebenheiten hinsichtlich der Infektionsraten sehen einige der Teilnehmer als sinnvoll an.

„Man kann aus den erhobenen Zahlen deutlich erkennen, dass unser Oberzentrum als Wirtschaftsregion stark angeschlagen ist: Jetzt müssen wir zusehen, dass die bereits entstandenen Schäden durch schnelles und regional sinnvolles Handeln der Politik begrenzt werden“, resümiert Jo Müller die Ergebnisse der Umfrage. „Der GVO steht als Partner für eine Koordinierung und Abstimmung der passenden Maßnahmen immer konstruktiv zur Verfügung: Denn wir sind uns sicher, dass wir ein gesundes Gleichgewicht aus wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz von Risikogruppen hinbekommen können, wenn wir gemeinsam die aktuellen Entwicklungen im Auge behalten und Reaktionen gut aufeinander abstimmen.“

Die Wünsche an die Politik, wie man den Betrieben aktuell helfen könnte, sind vielfältig: Die Ideen reichen von einem vorübergehenden Verzicht auf Parkgebühren durch die Stadt, uneingeschränkte Öffnung von Handel und Gastronomie sowie der Kinderbetreuung bis hin zu Forderungen nach einer generellen Aufhebung aller Einschränkungen. Gelobt wird von Teilen der Befragten aber auch das aktuelle Krisenmanagement der Stadt im Rahmen der Vorgaben des Landes. Von einigen Teilnehmern begrüßt wird auch der Ansatz, die Pandemie-Maßnahmen an regionalen Gegebenheiten wie der Infektionsrate der vergangenen Tage zu messen, um daran die lokal nötigen Beschränkungen auszurichten.

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