Seit Montag gilt in den Kindertageseinrichtungen, Kinderhorten und Kindertagespflegeeinrichtungen im Kreis eine Testpflicht für Kinder ab dem vollendeten dritten Lebensjahr und für Beschäftigte. Jetzt hat der Gesamtelternbeirat der VS-Kindertagesstätten zu einer Online-Diskussion eingeladen, hier konnten sich die Eltern austauschen, wie sie zu den verpflichtenden Tests stehen. Dabei wurden Bedenken über die psychologischen Auswirkungen für die Kinder geäußert und es wurden Alternativen zum Nasenabstrich-Test gefordert. Es gab sogar einen verbalen Hassangriff auf Oberbürgermeister Jürgen Roth.

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Rund 40 Teilnehmer schalteten sich zu der von den Vorsitzenden des Gesamtelternbeirats, Srdjan Zivkovic und seinem Stellvertreter Michael Osburg organisierten Online-Sondersitzung zu. Ein Stimmungsbild zeigte, dass die Meinungen über die Tests bei Kindern weit auseinander gehen. Das Gros der Eltern sprach sich nicht generell gegen eine Testung, aber gegen verpflichtende Testmaßnahmen aus. Kritik gab es vor allem daran, dass die Stadt Villingen-Schwenningen offenbar auf die Nasenabstrich-Tests besteht. „In anderen Gemeinden können die Kinder wenigstens einen Lolly- oder Lutschtest machen, was für die Kinder weitaus weniger unangenehm ist.“ In VS seien solche Tests bislang offenbar nicht zu haben, sagte Michael Osburg.

Generell gingen die Meinungen über die Notwendigkeit der Testungen weit auseinander. Eine Mutter schilderte, dass sie psychisch am Ende sei. „Wir sind seit einem Jahr Lehrer, jetzt sollen wir unseren Kindern auch noch einen Stab in die Nase stecken. Das macht die Bindung zu unseren Kindern kaputt. Es reicht.“ Eine andere Mutter griff Oberbürgermeister Jürgen Roth verbal an und äußerte, „einen Hass“ auf ihn zu haben.

Manche Eltern befürchten auch psychische Spätfolgen für ihre Kinder. Auch könne den Kindern nur schwer vermittelt werden, dass man einerseits Machtspiele im Kindergarten unterbindet (“du bekommst das, wenn du das und das machst.“). Gleichzeitig werde genau das jetzt zuhause vorgelebt. „Wenn du in die Kita willst, musst du dir das Stäbchen in die Nase stecken lassen.“

Es gab aber auch Eltern, die die Sinnhaftigkeit der Tests unterstützten. Die Tests würden dazu beitragen, das Notbetreuungsangebot in den Kitas überhaupt aufrecht erhalten zu können, argumentierten einige Eltern. „Die Tests erhalten uns das bisschen Freiheit, die wir noch haben.“ Es sei zudem ein großer Vertrauensbeweis, dass Eltern ihre Kinder überhaupt selbst testen dürften. Andernorts würden die Tests der Kinder von fremden Personen durchgeführt. Die Selbsttests würden wiederum voraussetzen, dass die Eltern ehrlich seien und etwaige positive Testergebnisse auch entsprechend anzeigen würden.

Nach dem 90-minütigen Austausch und einer Abfrage, wonach sich zwei Drittel der Anwesenden für eine freiwillige und ein Drittel für Pflichttest aussprachen, zogen die Vorsitzenden des Gesamtelternbeirats das Fazit, „dass wir uns dafür einsetzen werden, dass die Stadt Alternativangebote zu den Nasenabstrich-Tests anbietet. Etwa in Form von Lolli- oder Spucktests“, wie Vorsitzender Srdjan Zivkovic zusicherte.