„Der Rückgang unserer Fahrten ist dramatisch“, sagt Martin Bösinger, Geschäftsführer von Taxi Bösinger aus Villingen-Schwenningen. Die Taxibranche schlägt bundesweit Alarm. Wegen des Teil-Lockdowns seit Anfang November spitzt sich die Lage der Unternehmen weiter zu. „Derzeit verlieren wir massenhaft Unternehmen, etliche Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz und damit ihre wirtschaftliche Existenz“, heißt es in einem Brief von Vorstand und Präsidium des Bundesverbandes Taxi und Mietwagen an den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Rückgang an Fahrten ist dramatisch

Auch die Taxiunternehmer und Fahrer in Villingen-Schwenningen haben mit der Pandemie zu kämpfen. So auch Taxi Bösinger. Das Unternehmen verfügt über 17 Fahrzeuge, fährt 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. Die Situation ist angespannt.

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So lag die Anzahl an Fahrten vom 1. März bis zum 1. Dezember im vergangenen Jahr durchschnittlich noch bei 5802 Fahrten monatlich. Im selben Zeitraum im Corona-Jahr 2020 sind diese um knapp ein Drittel gesunken und liegen nun bei knapp 4000 Fahrten im Monat.

Viele Krankentransporte fielen weg

„Im Lockdown Light sind die Zahlen erneut eingebrochen, aber nicht so schlimm wie noch im März“, sagt Martin Bösinger und zeigt den dramatischen Abfall aus dem Frühjahr im Gespräch mit dem SÜDKURIER anhand einer Grafik. Die Fahrten werden im System des Unternehmens ständig aufgezeichnet.

Martin Bösinger, Geschäftsführer von Taxi Bösinger.
Martin Bösinger, Geschäftsführer von Taxi Bösinger. | Bild: Timm Lechler

Im Frühjahr habe man vor allem am Verlust des Hauptgschäfts von Taxi Bösinger gelitten: Krankentransporte. Reha-Aufenthalte wurden verschoben, nicht zwingend notwendige OPs später angesetzt und so mancher Arztbesuch erst einmal abgesagt. Das sei jetzt im November weniger der Fall gewesen. Deutschland lebt immer mehr mit dem Virus.

Was außerdem großflächig eingebrochen sei, sind die Bargeldumsätze. Diese werden zu großen Teilen am Wochenende eingenommen, wenn Feiernde und Bargäste sich ein Taxi nach Hause holen. Doch die Clubs im Land sind seit geraumer Zeit geschlossen, die Bars mussten im Frühjahr und auch im November erneut schließen. Umsatzstarke Abende wie Weihnachten, Silvester und die Fasnacht 2021 fallen weg. Außerdem große Teile des Reiseverkehrs, beispielsweise zu Flughäfen, zu Hotels und sonstiger Reiseverkehr.

Kurzarbeit anzumelden ist für Taxiunternehmen schwer

Doch trotz des Rückgangs der Fahrten um knapp ein Drittel kam das Unternehmen ohne Kurzarbeit aus, nur Soforthilfe hat Martin Bösinger beantragt. „Allerdings arbeiten wir alle ungefähr fünf Stunden weniger in der Woche“, sagt Taxifahrer Hartmut Hahn. „Damit wir das gemeinschaftlich auffangen können.“ So habe bisher auch kein Fahrer entlassen werden müssen.

Hartmut Hahn, Taxifahrer.
Hartmut Hahn, Taxifahrer. | Bild: Timm Lechler

Kurzarbeit anzumelden sei laut Geschäftsführer Martin Bösinger deshalb schwer, weil es verschiedenste Schichtmodelle gebe, manche Fahrer nur zu bestimmten Zeiten arbeiten könnten und gleichzeitig Minijobber, Rentner und Festangestellte im Unternehmen arbeiten würden. Das ganze jeden Tag des Jahres und rund um die Uhr. Hartmund Hahn sagt: „Außerdem gibt es ja auch verschiedene Stoßzeiten, zu denen man dann auf einmal viele Fahrer gleichzeitig benötigt.“ Diese Flexibilität mit Kurzarbeit zu bieten sei schwierig.

Strikte Maßnahmen bei Kundentransport

Die Maßnahmen innerhalb des Taxis sind strikt. Noch bevor es zum Gesetz wurde, war Martin Bösinger deshalb einfallsreich. „Als die Plexiglasscheiben zwischen Fahrer und Kunde in Bayern Pflicht wurde, wollte ich das auch sofort machen“, sagt er. „Dann habe ich große Plexiglasscheiben aus dem Baumarkt geholt und mit einem technisch versierten Angestellten zurecht geschnitten. Ich war zum Glück früh genug dran, später wurde es schwierig noch Plexiglas als Spuckschutz zu bekommen.“ Zusätzlich lägen in jedem Auto Masken für die Kunden und Desinfektionsmittel aus.

Taxifahrer Hartmut Hahn trägt seine Maske auch im Auto. Er selbst gehört laut eigener Aussage zur Risikogruppe: Über 60 Jahre alt, leichte Bronchitis. Doch an seinem Arbeitsplatz, dem Fahrersitz seines Taxis, fühlt er sich sicher, sagt er.

Größere Sorgen in den Großstädten

Doch was sagt Martin Bösinger nun zu dem prophezeiten Niedergang der Branche? „Wir im ländlichen Raum sind, glaube ich, besser aufgestellt, als Kollegen in den Großstädten“, sagt der Inhaber von Taxi Bösinger. Denn dort gebe es unzählige konkurrierende Angebote: U- und S-Bahnen, besser ausgebaute Busnetze, Car-Sharing-Anbieter, Mietroller, Mietfahrräder oder auch Apps wie Uber. „In den ländlichen Strukturen werden sich diese Konkurrenzprodukte nicht unbedingt durchsetzen“, sagt er. Ein neues Auto würde er sich zur Zeit allerdings nicht kaufen. Die Skepsis bleibt also.

Trotz allem gibt auch positives für die Taxibranche in der Corona-Krise. „Ältere Leute fahren zur Zeit eher Taxi als mit vollen Bussen“, sagt Hartmut Hahn. Auffangen würde dies die Verluste natürlich keineswegs, aber immerhin sieht Martin Bösinger auch darin den Ansatz für die Zukunft, und zwar vermehrt auf Krankentransporte, Serviceleistungen und Kundenorientierung zu setzen.

Das sagen andere Taxiunternehmen

„Unserem Unternehmen geht es zur Zeit schlecht“, sagt Wadih Naser-Eddeen, Geschäftsführer von City Taxi. „Wir haben unheimlich wenig Arbeit.“ Bei City Taxi seien die Zahlen noch mehr eingebrochen, die Zahl sei zuletzt um über 40 Prozent gesunken.

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Nicht ganz so schlimm sei es dabei bei Ihr-Taxi-VS von Inhaber Anestis Parcharidis: „Wir haben unsere Probleme, aber im Großen und Ganzen sind wir erst einmal glimpflich davon gekommen“, sagt er. „Wir haben in den letzten Monaten relativ gut gewirtschaftet.“

Außerdem hätten Stadt und Land gut reagiert, sein Unternehmen hätte viel Unterstützung bekommen und könne sich dadurch gerade noch über Wasser halten. Doch natürlich hat er Angst um seine Mitarbeiter, sie seien zum Teil in Kurzarbeit. Was die bundesweite Situation der Taxibranche angeht, ist er skeptisch: „An der Situation werden einige aus der Branche zu nagen haben“, sagt er. „Vor allem in den Großstädten.“