Behindertengerechte Toiletten in der Villinger Innenstadt: Die sind eher rar gesät, weiß Sabine Willmann. Die Villingerin hat Multiple Sklerose und ist seit zwei Jahren auf den Rollstuhl und damit auch auf barrierefreie Toiletten angewiesen.

„Bitte, bitte – wer auch immer so g‘scheit gewesen ist: Tu das nie wieder!“
Sabine Willmann

Umso mehr staunt sie am Dienstagnachmittag, als sie im öffentlichen Behinderten-WC in der Kaufhausgasse ein abgestelltes Fahrrad entdeckt. Denn eigentlich ist das WC abgeschlossen und nur mit einem Euroschlüssel zu öffnen. Sabine Willmann rätselt, wer sich da Zutritt verschafft hat.

Damit nicht genug: Der Drahtesel ist so geparkt, dass es die 56-Jährige nur mit viel Rangieren und „rum und num“ wie sie sagt, zur Toilette schafft. „Ich habe mit dem E-Rollstuhl ja schon einige negative Erfahrungen gemacht“, sagt sie. „Aber das setzt dem Ganzen die Krone auf.“ In einer Mail an die Redaktion schreibt sie: „Kann man tatsächlich so hirnlos sein und eine ausgewiesene Behindertentoilette zum Abstellen seines Gebbl in Anspruch nehmen? Bitte, bitte – wer auch immer so g‘scheit gewesen ist: Tu das nie wieder!“

Barrierefreiheit mit Verbesserungspotenzial

Beim Thema Barrierefreiheit in der Innenstadt gebe es noch Luft nach oben. „In Villingen scheitert man an vielen Stellen“, schildert Sabine Willmann. Sei es, weil viele Toiletten in der Gastronomie entweder im Obergeschoss oder im Keller und damit nur über Treppen erreichbar seien. Andere Toiletten wiederum seien sehr eng. „Mein Elektro-Rollstuhl ist zum Glück sehr kompakt. Andere mit größeren Gefährten haben da mehr Probleme.“

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Wie schwierig manche Situationen für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte sind, sei ihr selbst nicht so bewusst gewesen, als sie noch gehen konnte, sagt Sabine Willmann. Auf die Idee, beispielsweise ohne Berechtigungsschein einen Behindertenparkplatz zu blockieren oder eben das Fahrrad im Behinderten-WC zu parken, wäre sie jedoch nie gekommen: „Das ist einfach respektlos.“