Früher, als es noch eine Zeit ohne Corona gab, da war der Villinger Kuhreihen manchmal beinahe schon banal. Bis auf das gemeinsame Singen des Weihnachtslieds im Stadtzentrum und bis auf das Treffen alter Freunde und guter Bekannter, die meist zu Dutzenden nach Hause zu ihren Eltern angereist kamen.

In Villingen ist der Kuhreihen ein beliebter Weihnachts-Brauch. An Heiligabend versammeln sich viele Menschen in der Innenstadt, um dem Herterhornbläser zuzuhören – wie hier im Jahr 2016. So war das, bis 2020 und 2021 die Stadtmusik aufspielte und Bürger nur virtuell zuhören konnten.
In Villingen ist der Kuhreihen ein beliebter Weihnachts-Brauch. An Heiligabend versammeln sich viele Menschen in der Innenstadt, um dem Herterhornbläser zuzuhören – wie hier im Jahr 2016. So war das, bis 2020 und 2021 die Stadtmusik aufspielte und Bürger nur virtuell zuhören konnten. | Bild: unbekannt

Dieses Mal ist alles anders. Die eine Freundin sitzt in Berlin fest, die andere in Übersee. Gerne wären sie in Villingen, die Reise scheint aber zu risikoreich. Und plötzlich hat der Kuhreihen eine ganz neue Wirkung.

Der Brauch wird gezielt gepflegt – gerade jetzt

Tatsächlich ist das Spielen auf dem Herterhorn, das malerische Marschieren und Musizieren der Stadtmusik an Heiligabend in der Stadt, von einer besonderen Relevanz umrankt. Seit Villingen vor einer Rinderseuche verschont geblieben war, wird der Brauch gepflegt. Manchmal singen 2000 Bürger am Latschariplatz Stille Nacht, heilige Nacht, nachdem im Münster die Christmette zu Ende ist.

Heute singt jeder allein oder kämpft irgendwo mit der einen oder anderen Träne. Wie schön wäre das jetzt – Kuhreihen und anschließend noch ein Glühwein in der Färberstraße. Zur Weihnacht 2021 schützen sich alle vor der Corona-Ansteckung, die Stadt- und Bürgerwehrmusik aber, sie spielt wie schon 2020, den Kuhreihen zur Weihnacht weiter.

Die Stadt- und Bürgerwehrmusik beim Kuhreihen im Jahr 2017, als es noch kein Corona gab.
Die Stadt- und Bürgerwehrmusik beim Kuhreihen im Jahr 2017, als es noch kein Corona gab. | Bild: Rüdiger Fein

Der Brauch soll nicht unterbrochen werden. Wenigstens das soll standhalten. Den Kuhreihen 2021 haben die Stadtmusiker im Franziskaner aufgenommen, das Herterhorn erklingt für Bürger aus dem Computerlautsprecher. Aber Villingen erfüllt sein Gelübde.

Die große Hoffnung der Bürger

Die Hoffnung bleibt, dass die neue Variante des Erregers namens Omikron mildere Spuren hinterlässt, als die Krankheit bislang verursacht hat. Fast 290 Todesfälle im Schwarzwald-Baar-Kreis werden bislang vom Gesundheitsamt den direkten Corona-Folgen zugerechnet.

Noch steht nicht fest, wie genau die Stadtgesellschaft nach der Weihnachts- und Neujahrspause wieder in Richtung Vollbetrieb starten kann. Es ist unklar, wie genau sich Omikron auf welche Bereiche auswirken wird, der erste Warnschuss kam vor den Feiertagen, als in der Region Züge und Busse nicht mehr komplett wie geplant fahren konnten.

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Erkrankte oder von Quarantäne Betroffene sind die Ursache solcher Entwicklungen. In VS und Schwarzwald-Baar herrschte in den Tagen vor dem Jahreswechsel Vollgas allenthalben. Vor allem in Arztpraxen wurde geimpft und geboostert in der Hoffnung, so den Schutz möglichst weit nach oben schrauben zu können. Geht die Rechnung mit dem Impfstoff endlich in Gänze auf, kann Villingen vielleicht zum Ende des Jahres 2022 wieder gemeinsam in der Stadt das Weihnachts-Lied singen. Ist das der Fall, werden alle Besucher-Rekorde gebrochen, so viel ist heute sicher, nein: Ganz sicher.

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Das Video vom Kuhreihen 2021 ist hier zu sehen: www.villingen-schwenningen.de

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