Auf Einladung des Fortsamtes ging am Samstagnachmittag der Gemeinderat auf Exkursion in den Villinger Stadtwald. Neben Oberbürgermeister Jürgen Roth und Bürgermeister Detlev Bührer nahm auch die Landtagsabgeordnete Martina Braun an der gut dreieinhalbstündigen Führung teil.

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„Herzlich Willkommen zur Führung im schönsten Wald von Villingen„, begrüßte Roth die rund 30 Teilnehmer beim Forstamt in der Waldstraße, von wo aus es mit dem Bus in Richtung Neuhäuslewald ging. „Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Gemeinderat als Vertreter der Allgemeinheit sein Interesse bekundet und einen Samstagnachmittag mit uns im Wald verbringt“, sagte Forstamtsleiter Tobias Kühn in seiner Einführung. Sein Stellvertreter Roland Brauner, Klaus Hammes und Christoph Vögele von Forstamt unterstützten Kühn bei der Exkursion.

Stadtrat Nicola Schurr schaut sich die Spuren an, die der Borkenkäfer hinterlassen hat. Der Schädling macht sich auch am Sturmholz zu schaffen.
Stadtrat Nicola Schurr schaut sich die Spuren an, die der Borkenkäfer hinterlassen hat. Der Schädling macht sich auch am Sturmholz zu schaffen. | Bild: Roland Dürrhammer

 

  • Wälder im Stress: Die extremen Wetterereignisse, mutmaßlich bedingt durch die Klimaveränderungen, setzen die Wälder unter Stress, so war zu erfahren. Besonders deutlich wurde dies in den vergangenen drei Jahren mit dem Trockensommer 2018. Unter einem solchen leiden Bäume wie Fichten oder Buchen besonders, weil sie einen hohen Wasserbedarf haben, während sich Schädlinge wie der Borkenkäfer bei Trockenheit wohlfühlen. „Die drei Damen Sabine, Bianka und Diane haben uns im Stadtwald in den diesjährigen Februarstürmen knapp 80 000 Festmeter Sturmholz, sowie 8000 Festmeter in Privatwäldern, beschert“, berichtete Roland Brauner mit Blick auf eine riesige Freifläche, verursacht durch die drei Stürme.

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  • Wenn wir Glück haben, und es weniger Stürme gibt, geht es mit den Sturmschäden langsamer voran“, hofft Christoph Vögele. Es ginge jetzt darum, den Bestand auf die Zukunft vorzubereiten. „Wir versuchen hier, über den Lichteinfall eine Verjüngung mit Tannen zu initiieren“, so Vögele. Viele Faktoren, zu der auch die Bodenbeschaffenheit gehört, müssten bei der Baumauswahl berücksichtigt werden. Innerhalb von drei Jahren müsse der Wald wieder bestückt werden. Ansonsten würde Konkurrenzvegetation – etwa die Brombeere – erheblich mehr Kosten bei der Neuanpflanzung verursachen.

Forstamtsleiter Tobias Kühn, sein Stellvertreter Roland Brauner, Klaus Hammes und Christoph Vögele (von links) vom Forstamt zeigen die Forstbezirksübersichtskarte der Stadt.
Forstamtsleiter Tobias Kühn, sein Stellvertreter Roland Brauner, Klaus Hammes und Christoph Vögele (von links) vom Forstamt zeigen die Forstbezirksübersichtskarte der Stadt. | Bild: Roland Dürrhammer


  • Jagd schützt Jungpflanzen: Ein weiteres Waldbild beschrieb Vögele auf der Weiterfahrt mit einer Naturverjüngung von Tannen, Fichten und ein paar Kiefern. „Das ideale Waldbild, in dem wir Forstleute die Naturverjüngung durchpflegen“, schwärmte Vögele. Es sei ein Geschenk der Natur. Der Schlüssel hierzu sei die Jagd, um die Jungpflanzen vor dem Verbiss zu schützen.

Wie sich der Borkenkäfer an einer Baumrinde zu schaffen macht, konnten die Stadträte bei der Exkursion im Neuhäuslewald sehen.
Wie sich der Borkenkäfer an einer Baumrinde zu schaffen macht, konnten die Stadträte bei der Exkursion im Neuhäuslewald sehen. | Bild: Roland Dürrhammer
  • Schäden durch Borkenkäfer: Bei einem weiteren Halt ging es zu Fuß durch eine Rückegasse in den Wald, um dem Borkenkäfer auf die Spur zu kommen. An Rindenstücken konnten die Stadträte die Spuren des Borkenkäfers erkennen. „Befallene Bäume erkennt man am bräunlichem Bohrmehl und am Braunwerden der Baumkrone“, erklärte Roland Brauner.

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  • 2000 Hektar in Privatbesitz: Von insgesamt 8000 Hektar Waldgebiet sind rund 2000 Hektar in privater Hand. Auf dem Fußmarsch zur Grenze eines Privatwaldes machte Brauner deutlich, dass das Forstamt im Stadtwald genau hinschaue, wie in die schweren Maschinen in die Rückegassen einfahren. Tiefe Furchen waren im Privatwald zu sehen. „Wir achten darauf, dass unsere Dienstleiter nur mit aufgezogenen Bändern in den Wald einfahren, um derartige Schäden zu vermeiden“, sagte Brauner. Für den Waldbesucher sei es nicht erkennbar, was Privat- oder Stadtwald sei. Brauner betonte die sehr gute Zusammenarbeit mit den Dienstleistern, die in einer Rekordzeit von drei Monaten 80 000 Festmeter Sturmholz, das sind 70 000 Tonnen, aus dem Wald gebracht hätten.

Über Abriss oder Neubau des Pavillons beim Aussichtsturm muss der Gemeinderat entscheiden. Es war der Schlusspunkt der dreieinhalbstündigen Exkursion im Stadtwald von Villingen-Schwenningen.
Über Abriss oder Neubau des Pavillons beim Aussichtsturm muss der Gemeinderat entscheiden. Es war der Schlusspunkt der dreieinhalbstündigen Exkursion im Stadtwald von Villingen-Schwenningen. | Bild: Roland Dürrhammer
  • Wasser gegen Borkenkäfer: 43 000 Festmeter lagern derzeit in fünf Nasslagern, sowie 6500 Festmeter in einem Trockenlager bei Marbach. Das neue Nasslager Niederwiesen war ein weiter Haltepunkt der Exkursion. „Nach dreimonatiger Vorbereitungszeit wurde hier am 7. Mai der erste Stamm abgelegt“, sagt Kühn. „Es soll kein Dauernasslager wie im Wieselsbachtal werden“, so Kühn. Er schätzt, dass das Lager bis Ende des Jahres 2021 wieder leer sein wird.
  • Sanierungsbedarf am Pavillon: Der Abschluss der Exkursion war auf der Wanne beim Aussichtsturm unter dem sanierungsbedürftigen Pavillon, bei dem das Holzdach schon deutliche Schäden aufzeigt. „Der Gemeinderat muss nun entschieden, was mit dem Pavillon passiert“, sagte Kühn. Im jetzigen Zustand könne man es nicht belassen: Man müsse entweder abreißen oder neu bauen. „Wir müssen uns jetzt nicht festlegen, aber mit Blick auf die zukünftigen, vielschichtigen Diskussionen fällt uns die eine oder andere Entscheidung leichter“, sagte Roth.