Seit vergangenem Winter wird der Schnee auf den innerörtlichen Straßen von Villingen-Schwenningen nur noch reduziert geräumt. Die Stadt will sparen. Einigen Landwirten und anderen Lohn-Unternehmern, die im Auftrag der Stadt Schnee räumen, haben die neuen Bedingungen nicht gepasst. Sie haben hingeworfen.

Die Hauptlast des Winterdienstes übernehmen die Mitarbeiter des Bauhofs, der Technischen Dienste (TDVS), ein Eigenbetrieb der Stadt. Doch zwölf Winterdienst-Touren sind an externe Fahrer vergeben. Drei dieser insgesamt zwölf Routen wurden bei der Umstellung auf das neue Konzept von den Lohn-Unternehmer gekündigt, berichtet die Stadt auf Nachfrage des SÜDKURIER.

„Wir waren auch dabei“, bestätigt Wolfgang Zimmermann aus Obereschach. Bereits seit 70 Jahren, so berichtet der Landwirt, verdingt sich seine Familie auch im Winterdienst. Zuerst für die Gemeinde Obereschach, mit deren Eingemeindung seit 50 Jahren für Villingen-Schwenningen. Die vergangenen Jahre war auch Zimmermanns Sohn Michael im Einsatz.

Es rentiert sich nicht mehr

Doch das neue Sparkonzept der Stadt wollten die beiden Zimmermänner nicht mehr mittragen. „Es hat sich für uns nicht mehr rentiert“, bilanziert Zimmermann. Die Winter wurden ohnehin immer milder, das Sparkonzept der Stadt schmälerte die Einnahmen noch weiter.

Dazu kommt noch zusätzlicher Stress durch das Sparkonzept: Für die Männer ist es beispielsweise ein Unding, wenn sie morgens um 3 oder 4 Uhr vom der Notdienst der Technischen Dienste alarmiert werden, aber nicht wissen, ob sie – aus Einspargründen – nur die Straßen streuen dürfen oder auch vom Schnee räumen sollen.

Wolfgang Zimmermann kann jetzt wieder länger ausschlafen im Winter. Er sagt: „Es rechnet sich nicht mehr, mit unseren Fahrzeugen ...
Wolfgang Zimmermann kann jetzt wieder länger ausschlafen im Winter. Er sagt: „Es rechnet sich nicht mehr, mit unseren Fahrzeugen im Salz rumzufahren.“ | Bild: SK

Denn viele Straßen (in der Priorität 2 oder 3) dürfen nach dem neuen Sparkonzept erst dann geräumt werden, wenn mehr als fünf beziehungsweise zehn Zentimeter Schnee auf der Fahrbahn liegen. „Dann kann es vorkommen, dass wir eine Straße, die wir gerade gestreut haben, hinterher noch mal fahren und räumen müssen, wenn es anhaltend weiterschneit“, berichtet Zimmermann.

Sein Fazit: „Es rechnet sich nicht mehr, mit unseren Fahrzeugen im Salz rumzufahren.“ Auch für die anderen Fahrer, die ausgestiegen sind, sei dies der Hauptgrund gewesen.

Ärger an den Gefällstrecken

Bei einer Umfrage der Technischen Dienste unter den Fremdfahren wurde als wesentlicher Kritikpunkt auch die Vorgaben für die Priorität 2 genannt. Das Festfahren einer Schneedecke von bis zu zehn Zentimeter und die dadurch mögliche Glättebildung wurde insbesondere für Gefällstrecken als großes Gefahrenpotenzial eingestuft. Einzelne Fahrer, die in der Bevölkerung bekannt sind, wollten sich nicht dem Ruf aussetzen, den Winterdienst aus Sicht der Anwohner nicht ordnungsgemäß durchzuführen.

Nachbesserungen in Weilersbach

Die Technischen Dienste haben bereits im vergangenen Winter auf diese Kritik reagiert und das Konzept angepasst. Einzelne Gefällstrecken, vor allem in Weilersbach, wurden bei starkem Schneefall bereits geräumt und gestreut, bevor zehn Zentimeter Schnee auf der Fahrbahn lagen.

Auch mehrere Landwirte leisten mit ihren Traktoren im Auftrag der Stadt Schneeräumdienste , wie hier in den Gassen von Villingen.
Auch mehrere Landwirte leisten mit ihren Traktoren im Auftrag der Stadt Schneeräumdienste , wie hier in den Gassen von Villingen.

Haben diese Anpassungen etwas bewirkt? Nach einer Umfrage der TDVS unter den „Fremdfahrern“ gebe es bei diesen zwischenzeitlich mehr grundsätzliches Verständnis für die Einführung des neuen Winterdienstkonzepts, berichtet die Stadt. Nach wie vor bestehe aber eine tendenzielle Unzufriedenheit im Zusammenhang mit den geringeren Einnahmen und den steigenden Energiekosten.

Stadt spart laut TDVS rund 700.000 Euro ein

Für die Stadt wiederum hat sich das neue Winterdienstkonzept im vergangenen Winter, der als „schwacher Winter“ eingestuft wird, offenbar richtig gerechnet. Die Technischen Dienste beziffern die Einsparungen auf knapp 700.000 Euro. Das bedeutet eine immense Entlastung für den städtischen Haushalt. Kein Wunder, dass die Stadt auf diesem eingeschlagenen Weg auch im bevorstehenden Winter weitermachen will.

Trotz Unzufriedenheit und Kündigungen: Den Technischen Diensten ist es gelungen, die Lücken im Winterdienst wieder zu schließen. „Alle Winterdienstrouten im Verantwortungsbereich der Stadt Villingen-Schwenningen werden entweder durch die TDVS oder durch Lohn-Unternehmer bedient. Für die aktuelle Saison 2022/23 ist der Winterdienst gewährleistet“, erklärte die Stadt auf Anfrage des SÜDKURIER. Weitere Optimierungen des Konzepts würden angestrebt.

Öfter mal länger schlafen

Allerdings ohne Wolfgang und Michael Zimmermann und ihren beiden Traktoren. „Ich vermisse das nicht mehr“, sagt Wolfgang Zimmermann nach Jahrzehnten im Winterdienst. „Wir sind ja im Winter oft ab 3 oder 4 Uhr morgens unterwegs gewesen“, berichtet er. Das sei ganz normal gewesen. Im letzten Winter hat er gelernt, wie schön es ist, öfter mal länger schlafen zu dürfen. „Wir kommen auch ohne Schneeräumen ganz gut zu recht“, sagt er schmunzelnd.

Das könnte Sie auch interessieren

I