Erst blieben die Schulen monatelang geschlossen, anstatt im Klassenzimmer wurde zu Hause am Computer gelernt, jetzt gilt nicht nur auf dem Schulhof und auf Laufwegen, sondern auch im Klassenzimmer Maskenpflicht – der Schulbetrieb hat sich innerhalb weniger Monate massiv verändert.

Schülerperspektive verstehen

Wie geht es den jungen Menschen eigentlich in diesem Pandemiejahr? Was macht ihnen Sorgen? Was nervt sie? Ann-Kathrin Hey, Klassenlehrerin der 7d an der Karl-Brachat-Realschule, wollte es genau wissen. Sie hat sich gemeinsam mit der Klasse dem Thema „Corona„ einmal anders genähert, und zwar mit einem Kurzprojekt „Karikaturen zeichnen“.

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„Ich finde es wichtig, die Schülerperspektive zu verstehen“, sagt die 25-Jährige, die seit Schuljahresbeginn Klassenlehrerin der 7d ist. Die Kinder seien sehr verständig und loyal, was die Hygienemaßnahmen angehe, lobt sie die Klasse. Herausgekommen sind viele gelungene Werke, von denen die Klasse demokratisch fünf ausgewählt hat, die sie den SÜDKURIER-Lesern gerne zeigen möchten.

Henri Wolfsperger
Henri Wolfsperger | Bild: Göbel, Nathalie
  • Henri Wolfsperger: Das Coronavirus in der Bildmitte, das „die Welt vernichten“ will, rundherum Menschen, die es verjagen wollen: So sieht der Zwölfjährige die Situation. „Weil das Virus doof ist“, sagt er. Klar sei es besser, eine Maske zu tragen, unangenehm sei es aber auf Dauer schon. Die Umstellung auf coronakonformen Unterricht sei ihm anfangs schwer gefallen, sagt Henri. „Jetzt ist es nicht mehr so schlimm.“ Worauf freut er sich in der Zeit nach Corona am meisten? „Aufs Rausgehen und das Schwimmbad.“

Noah Ott
Noah Ott | Bild: Göbel, Nathalie
  • Noah Ott: Ein weinendes Coronavirus, das niemand leiden kann, steht in Noahs (12) Karikatur im Mittelpunkt. Daneben ein Mensch – auch er sieht nicht glücklich aus. „Er würde sich lieber mit seinen Freunden treffen“, sagt Noah. Den Lockdown im Frühjahr fand er zunächst „ganz cool“, aber schnell hätten ihm seine Freunde und das Rausgehen gefehlt. Er hofft, dass die Schulen geöffnet bleiben. „Und wenn sie noch mal schließen, dann nicht so lange.“

Vinh Son Nguyen
Vinh Son Nguyen | Bild: Göbel, Nathalie
  • Vinh Son Nguyen: Seine Karikatur thematisiert die schlechte Verständlichkeit durch die Masken. Der Lehrer auf seinem Bild hört die Schüler nicht. Weil letztlich alle die Maske abnehmen, nimmt die Geschichte ein tragisches Ende. „Einer hatte Corona und jetzt alle sind tot“, sagt der 13-Jährige. „Es war mir auch wichtig, dass die Schüler das Übertriebene darstellen, was ja wesentlicher Bestandteil einer Karikatur ist“, sagt Ann-Kathrin Hey. Vinh Son kommt mit den Coronaregeln gut klar. „Die Maske nehme ich mittlerweile gar nicht mehr wahr“, sagt der 13-Jährige. Dennoch: Bei der Frage, worauf er sich nach Corona am meisten freut, muss er nicht lange überlegen. „Erst mal die Maske abnehmen und schön frei atmen.“

Moritz Liebschner
Moritz Liebschner | Bild: Göbel, Nathalie
  • Moritz Liebschner: Auf Moritz' (13) Karikatur hat der Lehrer mit einer Klasse zu kämpfen, in der keiner Maske tragen will. „Die Maske nervt schon“, findet Moritz. Ansonsten sei das Leben eigentlich wie immer. Die Schulschließung im Frühjahr fand Moritz nicht schlimm. „Ich kam gut damit zurecht.“ Wenn sich das Leben wieder normalisiert hat, freut sich Moritz vor allem darauf, wieder in Freizeitparks zu gehen, am liebsten in den Europapark.

Julia Vugrinecs Karikatur
Julia Vugrinecs Karikatur | Bild: Göbel, Nathalie
  • Julia Vugrinec: „Zum Glück trage ich eine Maske“, sagt der Protagonist auf Julias (12) Werk. Kein Wunder, ist die Figur doch von Coronaviren regelrecht belagert. Auch Julia sieht das Masketragen positiv: „Ich fühle mich damit schon sicherer. Nur, wenn man in Geschäfte geht, ist es blöd“, findet sie. Und wie läuft der Alltag im Corona-Modus? Julia findet es schade, dass sie im Moment ihrer großen Leidenschaft Fußball nicht nachgehen kann. Normalerweise kickt sie beim SV Rietheim in der Mannschaft, aktuell müssen sie und ihre Zwillingsschwester Romina sich mit Garten und Bolzplatz begnügen. Julia hofft, dass die Schulen geöffnet bleiben. „Ich gehe gerne in die Schule“, sagt sie. Die Zwangspause im Frühjahr habe sie erst als „blöd, dann gut, und dann wieder blöd, weil es immer langweiliger wurde“ empfunden.


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