Die Corona-Pandemie hat von einem Tag auf den anderen die normalen Alltagsstrukturen hinweggefegt, die erst langsam zurückkommen: Kinder können nicht in die Schule gehen, Eltern sind in Kurzarbeit oder arbeiten im Homeoffice, manche haben ihren Arbeitsplatz verloren. Diese außergewöhnliche Situation birgt Sprengstoff, der sich oft in Gewalt gegen Frauen und Kinder entlädt.

Viele Hilfsangebote

„Das ist einfach so, wenn Familien eng aufeinander sitzen und die normale Struktur wegbricht, dann kommt es oft zu einem Knall“, berichtet Birgitta Schäfer. Sie ist Vorstandsmitglied im Verein Frauen helfen Frauen, der verschiedene Hilfsangebote für Frauen in Notsituationen anbietet. Das reicht von einer Beratung bis zur Unterbringung in einer Schutzwohnung im Frauen- und Kinderhaus. Der Verein beschäftigt zwei Sozialarbeiterinnen, die die Frauen und Kinder betreuen und beraten.

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Plätze belegt

Durch die Corona-Krise ist die Zahl der hilfesuchenden Frauen stark gestiegen. „Zu Beginn der Krise war das noch verhalten, weil die Frauen ja kaum Gelegenheit hatten, ungestört zu telefonieren, wenn ihre Männer beispielsweise wegen Kurzarbeit zu Hause waren“, erzählt Schäfer. Das Frauen- und Kinderhaus ist mit sieben Kindern und fünf Frauen belegt, die Mitarbeiterinnen müssen für hilfesuchende Frauen Ausweichmöglichkeiten suchen. Da auch im Frauenhaus Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden müssen, wirkt sich dies auch auf die Belegung aus.

Soforthilfen

„Immerhin gibt es zwei verschiedene Soforthilfen aufgrund von Corona“, berichtet Birgitta Schäfer. So übernimmt der Landkreis und auch der Weiße Ring Kosten für die Unterbringung von Frauen. Sie würde sich wünschen, dass diese Hilfe auch nach der Corona-Krise bereit steht, denn: „Es gibt viel zu wenig Plätze in Frauenhäusern für schutzsuchende Frauen.“ In diesem Bereich müsste viel mehr getan werden.

Es kostet Überwindung

In aller Regel dauert es recht lange, bis eine Frau sich überwindet und wirklich ins Frauenhaus zieht, weg von ihrem Mann und der Gewalt, der sie und oft auch die Kinder, ausgesetzt sind. „Wir hatten eine Frau, die hat sich Mitte März bei uns gemeldet, aber erst im Mai ist sie ins Frauen- und Kinderschutzhaus gekommen“, erzählt eine der beiden Sozialarbeiterinnen im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Sie möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, da es immer wieder Männer gibt, die ihre Frauen suchen und dann auch Mitarbeiterinnen in den Fokus rücken. Die Frau habe argumentiert, ihr Mann habe sie ja nicht geschlagen, sondern nur gebissen und sie an den Haaren gezogen. Für viele Frauen geht Gewalt einher mit Schlägen. „Wenn der Mann sie nicht schlägt, ist sie auch keiner Gewalt ausgesetzt“, erzählt die Sozialarbeiterin von der Argumentation der betroffenen Frau.

Auch Wohnungssuchende melden sich

Immer wieder melden sich auch Frauen, die keiner Gewalt ausgesetzt sind, sondern einfach nur verzweifelt eine Wohnung suchen: „Es gibt vermehrt wohnungslose junge Frauen, die sich bei uns melden, weil sie quasi auf der Straße stehen“, berichtet die Sozialarbeiterin. Es sei nahezu aussichtslos, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Aber leider könne man diesen Frauen auch nicht helfen, da freie Plätze im Frauenhaus rar sind und natürlich auch für die eigentliche Zielgruppe vorgehalten werden müssen.

Viele praktische Tipps

In den Beratungen, die in der Corona-Zeit nur telefonisch stattfinden konnten, bekommen Frauen, die sich in der Trennungsphase befinden, viele praktische Tipps. „Wir unterstützen sie beim Ausfüllen von Formularen, bei Behördengängen oder organisieren eine Rechtsberatung“, erklärt die Sozialarbeiterin. Man sei gerade dabei, alles zu organisieren, damit die Beratungen wieder im persönlichen Gespräch durchgeführt werden können. Damit der notwendige Schutz der Mitarbeiterinnen und der hilfesuchenden Frauen gewährleistet ist, müssen noch Plexiglasscheiben angebracht werden. „Hier wäre es super, wenn uns die jemand spenden würde“, erklärt Birgitta Schäfer. Der Etat des Vereins sei immer knapp bemessen und so sei man für finanzielle Unterstützung und Sachspenden dankbar.