Förmlich im Dunklen tappten Fußgänger und Radfahrer auf dem Brigachweg in den Nächten von Samstag bis Montag. Am 24. und 25. Juli waren auf einer Teilstrecke sämtliche Laternen ausgefallen. Erschwerend kam hinzu, dass die Laternen der Sebastian-Kneipp-Straße im Sommer kaum durch das volle Blätterwerk der stattlichen Laubbäume leuchten.

Eine Laterne am Brigachweg in Villingen unter dem Blätterdach der Bäume.
Eine Laterne am Brigachweg in Villingen unter dem Blätterdach der Bäume. | Bild: Block, Andreas

Der Vollmond wurde zudem von einer dichten Wolkendecke abgeschirmt. Die Bewohner der Häuser am Eisweiher blickten aus ihren Fenstern in die pechschwarze Nacht. Wer dort unterwegs war, sah sicherlich die Hand nicht vor Augen.

Der Brigachweg wird auch zu später Stunde gerne von Nachtschwärmern für einen idyllischen Heimweg genutzt. Die regelmäßig platzierten Laternen sorgen dabei für gute Sicht und ein Gefühl von Sicherheit. Nicht jedoch am besagten Wochenende. Statt des vertrauten LED-Lichts nur undurchdringliche Finsternis zu sehen, ist ein ungewohnter Anblick. Und es sorgt auch bei den Anwohnern für Verunsicherung. Was ist da passiert? Wieso sehe ich nicht mehr, was vor meiner Haustür abgeht?

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In Corona-Zeiten fehlen vielen Menschen häufig die Anlässe, nach Sonnenuntergang durch die Stadt zu flanieren oder auch nur von A nach B zu gelangen. Auf dem Brigachweg ist seit Beginn der Pandemie mit Fernunterricht, Homeoffice, Ausgangssperren und ohne Freizeitveranstaltungen ohnehin nur noch wenig los. Da aktiviert der Wegfall jeglicher Beleuchtung natürlich Ur-Instinkte, die ansonsten in unserem Alltag nur noch selten getriggert werden.

Der betroffene Abschnitt verläuft schnurgerade und ist gut ausgebaut. Gefährlich wird es ohne Laternenlicht dennoch. Schnell übersehen Radfahrer dunkel gekleidete Fußgänger.
Der betroffene Abschnitt verläuft schnurgerade und ist gut ausgebaut. Gefährlich wird es ohne Laternenlicht dennoch. Schnell übersehen Radfahrer dunkel gekleidete Fußgänger. | Bild: Block, Andreas

Gruseliges Erbe

Nicht umsonst spielen Horrorfilme meist in der Nacht. Ein schwedisches Meisterwerk dieses Genre heißt sogar ganz generisch: „So finster die Nacht“. Was sich im Schutz der Dunkelheit anschleicht, ist prinzipiell gefährlich. Das ist in unserem genetischen Code so festgeschrieben. Es ist die Erfahrung aus Jahrtausenden ohne elektrische Laternen, ohne Beleuchtungskonzept, ohne Netzleitstelle.

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Die ist übrigens die richtige Anlaufstelle, wenn die Laternen in der Stadt mal wieder streiken. In dem Fall sollten die Leser sich unter der Telefonnummer 07721/4442 melden, um die SVS-Techniker auf das Problem anzusetzen.

Damit es sich für die Menschen nachts auf den Villinger Straßen nicht wieder im Dunklen tappen müssen. Da fühlen sich nämlich Erwachsene wieder wie kleine Kinder, wenn sie in den Keller geschickt werden, um ein Glas Marmelade zu holen (oder in Pandemiezeiten etwas von dem gehorteten Klopapier). Allein im Dunklen.