Nun hat der Gemeinderat erneut darüber entschieden, dass der alte Villinger Klinikumsparkplatz in der Vöhrenbacher Straße bebaut wird. Herausgekommen ist ein Kompromiss, eine mit 85 Wohnungen leicht abgespeckte Version, mit der die Anwohner nicht wirklich zufrieden sein können. Sie werden „nicht Hurra schreien“, ahnte es in der Gemeinderatssitzung bereits der CDU-Sprecher Klaus Martin. Der Gemeinderat hatte eine schwierige Entscheidung zwischen dem „Vertrauensschutz des Investors“, der Baugenossenschaft Familienheim, und den Interessen der Anwohner zu treffen.

Bei der Wiese zum Kindergarten (links oben) werden Abstriche gemacht, nicht aber an der Höhe der Häuser: Der alte Parkplatz am früheren Villinger Krankenhaus soll nun endgültig bebaut werden.
Bei der Wiese zum Kindergarten (links oben) werden Abstriche gemacht, nicht aber an der Höhe der Häuser: Der alte Parkplatz am früheren Villinger Krankenhaus soll nun endgültig bebaut werden.

Bisher hatten sich die Stadträte in drei Sitzungen begeistert von dem Konzept gezeigt. Nun allerdings konnten im Rahmen der sogenannten Offenlegung erstmals die Anwohner zu dem Projekt äußern und die zeigten sich keinesfalls überzeugt (der SÜDKURIER berichtete). So gingen bei der Stadt 12 Bürgeranregungen ein, unter anderem mit Unterschriften von 124 Bürgern. Sie monierten unter anderem die Dimensionen des Projekts der Baugenossenschaft Familienheim, das ursprünglich 90 Wohnungen in unterschiedlichen Formen vorsah. Die Anwohner beklagen eine Verschattung ihrer Häuser, sorgen sich aber auch um die soziale Zusammensetzung des Wohngebiets.

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Nun hat die Stadtverwaltung eine weitere Variante vorgelegt, die auch von der Baugenossenschaft Familienheim begrüßt wurde. Diese Änderung würde die Microlofts von vier auf drei Gebäuden reduzieren. Damit fielen etwa 340 Quadratmeter Mietfläche und fünf Wohneinheiten weg. Die Bebauung der Wiese vor dem Kindergarten soll damit um ein Viertel verringert werden und sei laut Stadtverwaltung weniger massiv. Der Grünzug bleibe bis vor dem Gebäude Keferstraße 10 von Wohngebäuden unbebaut, zudem werde das Müllhaus kleiner. Ein großer Teil der Bäume und Sträucher könnte erhalten bleiben. Zum Ausgleich entstehe ein zusätzliches Müllgebäude neben dem Haus der Stiftung Liebenau. Der Rad- und Fußweg werde allerdings beibehalten. Dieser Variante stimmten die Stadträte nun mit einer großen Mehrheit von 28 Ja-, drei Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen zu.

Keine neue Offenlage

Die Baugenossenschaft Familienheim hat bereits angedeutet, dass die Mietpreise bei einer Verringerung der Wohnungen nicht gehalten werden können. Ursprünglich sollten 38 Prozent der Wohnungen öffentlich gefördert und als Sozialwohnungen dementsprechend günstig sein. Jetzt sind es noch zufriedenstellende 30 Prozent. Eine private-kirchliche Förderung kann für 700 Quadratmeter Wohnfläche beantragt werden. Mit dieser Änderung geht die Stadtverwaltung nun nicht mehr in die Offenlage, das heißt, die Bürger werden nicht mehr gehört. Das ursprüngliche Baufeld bleibt erhalten, eine spätere dichtere Bebauung ist nicht ausgeschlossen. Allerdings betonte Baubürgermeister Detlev Bührer, dass genau das umgesetzt werde, was der Gemeinderat beschließe.

Einer der wichtigsten Forderungen der Anwohner, die Reduzierung der Höhe der Familienheim-Bauten blieb unberücksichtigt. Daran konnten wir „nichts machen“, räumte Martin ein. Als Lehre aus diesem Projekt wollen CDU und Freie Wähler nun beantragen, künftig alle städtischen Bauflächen zu erfassen und zu bewerten. Schon da sollen städtische Gremien und Anwohner eingebunden werden. Eine frühzeitige Visualisierung der Bauprojekte solle vorgeschrieben werden.

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Weniger Probleme mit der Änderung hatten die Grünen. Deren Sprecher Joachim von Mirbach lobte die „sozial verantwortungsvolle Lösung“ der Variante eins, er könne sich aber auch mit Variante zwei anfreunden. Die Anwohner sollten zwar gehört werden, aber damit sei nicht gesagt, dass deren Anliegen umgesetzt würden. Er lobte die Arbeit der Baugenossenschaft Familienheim, die kein Goldesel sei, sondern ein Ackergaul, der viel für die Bürger schaffe.

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Steffen Ettwein (Freie Wähler) verwies auf die berechtigten Interessen derer, die eine Wohnung suchen, und der Anwohner. Daher sei die zweite Variante ein „guter Kompromiss„. Bernd Lohmiller (SPD) meinte, dass solche Kompromisse öfters geschlossen werden sollten. Das Projekt müsse rentabel bleiben, und er begrüßte das Familienheimprojekt, nicht aber der jetzt bekannt gewordene Verkauf von 200 Wohnungen auf dem früheren Lyautey-Gelände, wo nur noch der Preis regiere. Frank Bonath (FDP) verwies darauf, dass solche Mietobjekte gebraucht würden. Doch auch die Einwände der Anwohner seien berechtigt, daher „ist der Prozess unbefriedigend“, als Gremium habe man nicht mitarbeiten können. Martin Rothweiler (AfD) sprach sich gegen die Planung aus. Mit der Innenverdichtung sollte es nicht übertrieben werden, wenn dann Problembezirke entstünden.

In einer früheren Version wurde der Beitrag von Steffen Ettwein seinem Fraktionskollegen Dominik Beha zugeordnet. Wir haben das berichtigt.