Im September vergangenen Jahres wurde ein damals 19-jähriger Mann beim Schwenninger Bahnhof von einer Gruppe junger Männer brutal zusammengeschlagen. Jetzt musste sich einer der mutmaßlichen Tatbeteiligten vor Gericht verantworten. Mit dem Strafmaß wich das Gericht dabei deutlich von der Forderung der Staatsanwaltschaft ab.

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Die Schilderungen des Angeklagten sowie des Geschädigten, die am Dienstag vor dem Amtsgericht Villingen-Schwenningen aus ihrer Sicht schilderten, was an jenem Septemberabend in der Unterführung des Schwenninger Bahnhofs passierte, gingen weit auseinander. Der Geschädigte sagte aus, dass er an jenem Abend zwei junge Frauen, die Freundin seines Kumpels sowie deren Bekannte, nach Hause begleiten wollte.

In der Unterführung angepöbelt

In der Unterführung zum Landesgartenschaugelände seien die drei von einer Gruppe junger Männer angepöbelt und die Frauen sexuell verbal massiv belästigt worden. Daraufhin habe das spätere Opfer die Gruppe aufgefordert, das zu unterlassen. „Dann hat sich einer aus der Gruppe vor mir aufgebaut und gefragt, ob ich Stress suche“, so der Geschädigte vor Gericht. Dann habe er auch bereits den ersten Schlag kassiert, worauf er zu Boden gegangen sei.

Erhebliche Verletzungen

In der Folge habe die Gruppe „von mindestens vier oder fünf Männern“ massiv auf den Mann eingeschlagen und getreten. Der Mann verlor das Bewusstsein und erlitt erhebliche Gesichts- und Kopfverletzungen. „Ich wachte in einer Blutlache wieder auf, als alle weg waren.“ Daraufhin habe er sich im Bahnhofsklo das Blut wegwaschen wollen, dann sei bereits die Polizei vor Ort gewesen.

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Der Angeklagte schilderte wiederum, dass er mit Freunden an besagtem Abend in einer Gaststätte am Bahnhof gewesen sei. Als er nach dem Toilettengang die Hände wusch, sei die Tür aufgegangen und ein Mann habe ihn gefragt, weshalb er ihm nicht geholfen habe. Der Angeklagte sagte, er habe gar nicht gewusst, um welchen Vorfall es sich handele. Der Geschädigte, der den Angeklagten zweifelsfrei als eine der Personen der mehrköpfigen Gruppe identifizierte, konnte sich an dieses Gespräch nicht genau erinnern. „Es ist möglich.“ Ebenso konnte er nicht zweifelsfrei aussagen, ob der Angeklagte auch zu denjenigen gehörte, die auf ihn eingeschlagen und eingetreten haben.

Zweifelsfrei am Tatort

Dass sich der 23 Jahre alte Angeklagte zum Tatzeitpunkt in der Nähe des Tatortes aufhielt, war für die Staatsanwaltschaft laut den Bildern eines Überwachungsvideos unbestritten. Auch bei einer Personalienfeststellung durch die Polizei war der Angeklagte zweifelsfrei am Tatort. Die Staatsanwaltschaft und der Nebenklägervertreter forderten daher wegen gefährlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Es bleibt bei Beistand

Die Verteidigerin sah indes keinen eindeutigen Beweis dafür, dass der Mann zu der Gruppe der Schläger gehörte. Sie forderte Freispruch für ihren Mandanten. Für eine Verurteilung reichte dem Gericht allerdings aus, dass der Angeklagte sich in der Gruppe der Schläger befunden habe „und so zumindest Beistand geleistet hat“, wie Amtsrichter Christian Bäumler formulierte. Da ihm allerdings keine direkte Tatbeteiligung nachgewiesen werden konnte, verhängte das Gericht für den seit einiger Zeit arbeitslosen Mann ohne Einkommen lediglich eine Geldstrafe von 300 Euro.