Der politische Slogan ist derb, aber weit verbreitet: „FCK NZS“. Umgangssprachlich steht die abgekürzte, amerikanische Beschimpfung für „Scheiß Nazis“. Der Aufkleber ist inzwischen auch auf einem Fahrzeug im Design der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Villingen-Schwenningen zu sehen. Dies ist dem AfD-Stadtrat Olaf Barth aufgestoßen, der die Awo nun auffordert, den Kleber zu entfernen.

Barth hat das Fahrzeug samt Kennzeichen fotografiert und schreibt an die Medien dazu: „Ich kann nicht glauben, dass die Awo die Vergewaltigung von welchen Menschen auch immer und gleich welcher Couleur fordert oder billigt.“

Olaf Barth (AfD, hier ein Bild aus einer Gemeinderatssitzung im Jahr 2020) kritisiert einen Aufkleber an einem Fahrzeug mit dem ...
Olaf Barth (AfD, hier ein Bild aus einer Gemeinderatssitzung im Jahr 2020) kritisiert einen Aufkleber an einem Fahrzeug mit dem Schriftzug der Awo. | Bild: Hans-Juergen Goetz (Archiv)

Diese Parole habe auf einem Fahrzeug einer Wohlfahrtsorganisation nichts zu suchen, formuliert er weiter. Er mutmaßt auch, ob es in den Reihen der Awo Linksextremisten gebe, die durch diese Aussage den Ruf der Awo massiv schädigen wollen.

„Die Awo ist nicht politisch neutral, sie ist aus der SPD heraus entstanden.“
Beate Schmidt-Kempe, Vorstandsvorsitzende des Awo Ortsvereins VS

Doch muss die Awo überhaupt politisch neutral sein? „Nein, überhaupt nicht“, betont die Vorstandsvorsitzende des Awo-Ortsvereins, Beate Schmidt-Kempe. Sei sie übrigens auch nicht, denn die Organisation stehe seit ihrer Gründung der SPD nahe, sei aus ihr entstanden.

Auch zum konkreten Aufkleber hat die Juristin eine klare Meinung. „Ich würde das jetzt nicht in Auftrag geben und an die Awo-Fahrzeuge kleben lassen“, sagt sie. Aber wenn ein Mitarbeiter meint, so seine politische Meinung kundzutun, sei das für sie in Ordnung. Sie würde ihn nicht zwingen, den Kleber abzumachen.

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Die dahinterstehende politische Grundaussage, Nazis in der Demokratie keinen Platz zu lassen, könne sie „voll unterstützen“. Gerade die Arbeiterwohlfahrt musste unter den Nationalsozialisten leiden, war gezwungen, sich nach der Machtübernahme Hitlers selbst aufzulösen. Die Gründerin Marie Juchacz habe als erste Frau eine Parlamentsrede gehalten und ging später ins Exil.

Werden Nazis in Schutz genommen?

Das Fahrzeug gehört inzwischen dem SPD-Stadtrat Nicola Schurr. Er habe es aus dem Bestand der Awo herausgekauft, betont Schurr auf Anfrage. Dann habe er den Aufkleber angebracht. Es habe auch seine Ordnung, dass auf dem Wagen weiterhin der Schriftzug der Awo zu sehen sei. Er arbeite schließlich für die Arbeiterwohlfahrt.

Nicola Schurr (Bild aus dem Jahr 2018) fährt den Wagen und versteht die Aufregung nicht.
Nicola Schurr (Bild aus dem Jahr 2018) fährt den Wagen und versteht die Aufregung nicht. | Bild: Hans-Jürgen-Götz (Archiv)

Schurr selbst versteht die Aufregung nicht. Was Herr Barth gegen den Slogan habe, „will der angebliche Demokrat die Nazis verteidigen und sie in Schutz nehmen?“, fragt er rhetorisch. Nicht ganz auszuschließen ist, dass Barth weiß, wer mit dem Auto fährt.

Die Stimmung zwischen den beiden Kommunalpolitikern ist vergiftet, seitdem Barth vor drei Jahren behauptete, er sei von einem Teilnehmer des Offenen Antifaschistischen Treffens bedroht worden und der in der Nähe stehende Schurr habe nicht geholfen.

Schurr behält sich jetzt juristische Schritte gegen Barth vor, weil der AfD-Mann das Auto mit Kennzeichen fotografiert habe und das Bild verbreite.