Die Stadt ist mit Hochdruck dabei, weitere Plätze zur Kinderbetreung zu schaffen, eine wichtige Hilfe ist dabei die Bedarfsplanung für das Jahr 2020, die jetzt im Jugendhilfe-Ausschuss vorgestellt worden ist. Der Ausschuss mit großer Mehrheit (15 Ja-Stimmen, eine Enthaltung) grünes Licht für den weiteren Ausbau der Kindertagesbetreuung auf Grundlage dieser Bedarfsplanung gegeben. Erstmals ist jetzt auch eine feste Summe für die Ausstattung einer neuen Gruppe festgelegt worden: 40 000 Euro will die Stadt hier künftig für bewegliches Inventar ausgeben.

Alle Zahlen jetzt bereinigt um Mehrfachanmeldungen

In diesem Zahlenwerk können erstmals aktuelle Fehlzahlen, bereinigt um die Mehrfachanmeldungen, genannt werden – sogar aufgesplittet nach Stadtteilen und Ortschaften. Bei den Zahlen zeigt sich eine deutliche Schere bei Plätzen von unter Dreijährigen (U3) und über Dreijährigen (Ü3): Aktuell fehlen für Kinder unter drei Jahren 255 Plätze im Stadtgebiet – ausgehend von einer Versorgungsquote von 34, Prozent.

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Defizit bleibt bis 2029

Das heißt bei der Berechnung geht man davon aus, dass von allen unter Dreijährigen nur 34,7 Prozent einen Platz in Anspruch nehmen. Die Stadt will diese so genannte Versorgungsquote aber auf 55 Prozent erhöhen, bei den über Dreijährigen sogar auf 100 Prozent. Wenn man diese Zahl bei den U3-Plätzen zugrunde legt, fehlen dieses Jahr sogar 423 Plätze. Bei der Vorausberechnung bis 2029 geht diese Zahl auf 106 Fehlplätze zurück (2023) und steigt dann wieder auf 189 an (2029).

Kopfstehen für mehr Kindergartenplätze: Die Stadt will viel investieren, um vor allem Plätze für unter Dreijährige zu schaffen, so soll auch an der Feldner Mühle ein integrativer Naturkindergarten entstehen.
Kopfstehen für mehr Kindergartenplätze: Die Stadt will viel investieren, um vor allem Plätze für unter Dreijährige zu schaffen, so soll auch an der Feldner Mühle ein integrativer Naturkindergarten entstehen. | Bild: Stadt Villingen-Schwenningen

Gute Versorgung für über Dreijährige

Bei den über Dreijährigen fehlen in der Doppelstadt lediglich fünf Plätze, bei einer Versorgungsquote von 97,2 Prozent. Hier kann man also nahezu von einer Bedarfsdeckung sprechen. Für die nächsten Jahre sagt die Statistikstelle, die das Zahlenwerk erarbeitet hat, sogar Überhangplätze voraus – so beispielsweise im Jahr 2026 mehr als 400 Plätze.

Hans-Joachim von Mirbach (Grüne) sprach von einem „riesigen Defizit“ das bei den U3-Plätzen herrsche. „In diesem Bereich brauchen wir dringend neue Angebote“, so von Mirbach. Katharina Hirt (CDU) betonte, dass man jetzt genau sehe, wo die Doppelstadt steht: „Wir brauchen aber einen weiteren Ausbau, auch um als Oberzentrum attraktiv zu bleiben.“

Stefan Assfalg, der Leiter des Amtes für Jugend, Bildung, Integration und Sport, erklärte im Jugendhilfe-Ausschuss, dass es einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz gibt, bei unter Dreijährigen Kindern könne die Betreuung durch einen Platz in einer Kindertagespflege abgedeckt werden. Dies wolle die Stadt nutzen und den Bereich der Kindertagespflege intensiv ausbauen.

Teil der Strategie

„Das ist ein Teil unserer Strategie“, so Assfalg. So sei es möglich, für weniger Geld mehr Plätze zu schaffen, da Platz von hoher Qualität in der Kindertagespflege weniger koste als ein Platz in einer Kindertageseinrichtung. Assfalg betonte, es sei nur möglich, diese Strategie zu fahren, weil die Stadt noch ihr eigenes Jugendamt hat. „So können wir das steuern.“ Das sei nicht möglich, wenn das Jugendamt an den Kreis abgegeben werde.

Hand in Hand

Bei den älteren Kindern über drei Jahre sehe die Strategie wieder anders aus: „Hier wollen wir die Kindertagespflege nicht mehr als Regel haben“, so Assfalg. Eltern haben in diesem Bereich einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz, einen Platz in einer Tagespflege könnten sei ablehnen. Grundsätzlich müsse die Schaffung von U3- und Ü3-Plätzen „Hand in Hand“ gehen, so Assfalg. Man wolle es Eltern und vor allem Kindern ermöglichen, bis zum Schuleintritt in einer Einrichtung betreut zu werden.

Auch in der Kindertagesstätte Johanna-Schwer in Villingen ist erweitert worden, hier gibt es zwei Gruppen mehr.
Auch in der Kindertagesstätte Johanna-Schwer in Villingen ist erweitert worden, hier gibt es zwei Gruppen mehr. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Ausbaupläne

In der umfangreichen Bedarfsplanung sind neben Ausbaumaßnahmen, die bereits laufen, wie die Einrichtung einer Kindertagesstätte in der Junghans-Villa oder die Schaffung neuer Gruppen durch Container-Lösungen und Anbauten, auch die zukünftigen Planungen aufgelistet. So soll an der Feldner Mühle eine integrative Kindertageseinrichtung entstehen und die Freikirche Christian Fellowship möchte eine Bewegungskindertagesstätte aufbauen. In enger Kooperation mit dem Turnverein soll im Bereich Goldenbühl eine Sport-Kindertagesstätte entstehen. Auch im geplanten Stadtviertel Lämmlisgrund soll eine Kita entstehen.

Eine Kindertageseinrichtung mit vier Gruppen entsteht in der Junghans-Villa im Warenbachtal.
Eine Kindertageseinrichtung mit vier Gruppen entsteht in der Junghans-Villa im Warenbachtal. | Bild: Hahne, Jochen