Sie sind unterschiedlich und doch so gleich. Luis Gressenbuch und Stephan Zeitvogel sitzen sich gegenüber. Sie verhalten sich im Gespräch komplett gegenteilig. Stephan erzählt von seinen Abenteuern in Alaska und ist auch in der Rückblende noch immer euphorisch. Über das ganze Gesicht zu strahlen, ist sein Markenzeichen. Lange schwarze Haare, die im Licht hell schimmern, dazu der markante Vollbart. Stephan Zeitvogel ist ein Gute-Laune-Bär.

Das erscheint umso skurriler, wenn er von dem berichten, was er auf ihrer achttägigen Tour durch die Wildnis Alaskas Ende vergangenen Jahres erlebt habt. Da wäre die Begegnung mit einem Schwarzbären, der fünf Meter vor ihm den Weg kreuzt, das Abrutschen in eine Gletscherspalte oder als er nachts im Schnee schlief, um sich Nordlichter anzugucken und dabei fast erfroren wäre. Ein Abenteurer schreckt eben vor nichts zurück. So einer ist Stephan Zeitvogel. Und so einer ist auch Luis Gressenbuch.

Luis und Stephan kennen sich seit der Schule, haben beide gemeinsam Abitur an der St.-Ursula-Schule gemacht. Anschließend gingen sie nach Karlsruhe, um dort zu studieren. Stephan für Elektrotechnik, Luis für Informatik. Das erste Mal gemeinsam unterwegs waren die beiden 2005, um in den Alpen zu wandern. Ein Abenteurer-Duo hat sich gefunden. Seither sind sie regelmäßig zusammen unterwegs. Zum Wandern, zum Bergsteigen oder wie zuletzt in Alaska, um sich in der Wildnis aussetzen zu lassen.

Zwei Abenteurer, die vor nichts zurückschrecken: Die beiden Villingen-Schwenninger Luis Gressenbuch (links) und Stephan Zeitvogel (rechts) haben sich im vergangenen Jahr mitten in Alaska mit dem Buschflugzeug aussetzen lassen und sind acht Tage lang 250 Kilometer durch die Wildnis gelaufen. Begegnungen mit Schwarzbären inklusive.<sup></sup>Bilder: privat, Christoph Heuser
Zwei Abenteurer, die vor nichts zurückschrecken: Die beiden Villingen-Schwenninger Luis Gressenbuch (links) und Stephan Zeitvogel (rechts) haben sich im vergangenen Jahr mitten in Alaska mit dem Buschflugzeug aussetzen lassen und sind acht Tage lang 250 Kilometer durch die Wildnis gelaufen. Begegnungen mit Schwarzbären inklusive.Bilder: privat, Christoph Heuser | Bild: Luis Gressenbuch

„Vielleicht übertreibe ich es manchmal mit der Abenteuerlust“, sagt Stephan, streift sich dabei verlegen mit der Hand durch die Mähne und schaut zu seinem Kumpel Luis. Der sitzt mit gefalteten Händen am Tisch. Er trägt ein grün-schwarz kariertes Flanell-Hemd, das mit symmetrisch angeordneten, gestrichelten gelben Linien akzentuiert ist. Auf der Nase eine kantige Brille mit dunklem Rahmen. Luis zieht einen Mundwinkel nach oben, legt den Kopf von links nach rechts und sagt: „Ich bin wahrscheinlich schon der Vernünftigere und bremse Stephan manchmal aus, wenn es wirklich zu weit geht.“ Und Stephan ergänzt: „Der Orientierungssinn von Luis ist unfassbar.“ Der aus Pfaffenweiler stammende und mittlerweile in München wohnende Master-Student ist ganz nebenbei auch noch Segelflieger. „Das hilft mir sicher dabei, mich in einer fremden Landschaft zurechtzufinden“, sagt er.

Nach Alaska zog es Stephan für ein halbes Jahr von April bis September, um dort seine Bachelorarbeit zu schreiben. Luis besuchte ihn für vier Wochen. Ihr Plan dieses Mal: In einen gecharterten Buschflieger steigen, fernab der Zivilisation aussetzen lassen und acht Tage durchstehen. Mit dabei waren mit Essen vollgepackte Rucksäcke und ein geliehenes Satellitentelefon. „Das war wichtig, damit wir im Notfall überhaupt jemanden hätten kontaktieren können“, sagt Luis. Geschlafen haben beide in einem Zelt. „Wir haben immer Dreiecke gebildet. 100 Meter vom Zelt entfernt haben wir das Essen gelagert, wiederum 100 Meter weiter weg war unsere Kochstelle.“ Das war nötig, um Grizzlys von der Schlafstätte fernzuhalten.

In acht Tagen legten beide eine beachtliche Strecke zurück. „Der Rückflug hat mit 200 Knoten ungefähr 40 Minuten gedauert“, sagt Stephan Zeitvogel. Das sind rund 370 Kilometer pro Stunde. Das heißt: 250 Kilometer sind die Abenteurer marschiert. Auf dieser Strecke sind 1500 Bilder von Menschen und nahezu unberührten Teilen Alaskas entstanden. Von dieser Tour, aber auch vom Leben in Alaska, berichten die beiden in einem Vortrag am heutigen Freitag, 9. März, um 19.30 Uhr, in der Stadtbibliothek in Schwenningen.

 

Zur Veranstaltung

Der Vortrag Wildnis Alaska findet am heutigen Freitag, 9. März, um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek in VS-Schwenningen, Karl-Haag-Saal, statt. Der Eintritt kostet fünf Euro. Veranstalter ist die Volkshochschule.