• Renate Breuning
    Renate Breuning, CDU: „Mit diesem Thema hat sich unsere Fraktion jetzt noch gar nicht beschäftigt“, erklärt CDU-Fraktionsvorsitzende Renate Breuning auf Anfrage. Ihrer Meinung wäre viel gewonnen, wenn die für die Fußgängerzone geltenden Regeln konsequent eingehalten und vor allem überwacht werden würden. Die Bilder im SÜDKURIER, auf denen zu sehen war, welch reger Verkehr in der Fußgängerzone zu allen Tageszeiten herrscht, seien sehr aufschlussreich gewesen. „Da muss man einschreiten, keine Frage.“ Die vielen Transporter und Lastwagen, die gerade rings um die Baustelle bei der ehemaligen K&L Filiale parken, hätten sicher nicht alle eine Genehmigung oder einen Handwerkerausweis. Von Sperrungen oder Pollern hält Breuning allerdings nicht viel. Sie will das Thema in einer der nächsten Fraktionssitzungen auf jeden Fall ansprechen.
  • Bildunterschrift
    Joachim von Mirbach | Bild: Hahne
    Joachim von Mirbach (Grüne): „Dafür habe ich kein Verständnis“, ärgert sich der Fraktionssprecher der Grünen. Seiner Meinung nach herrscht zu viel Verkehr in der Fußgängerzone und es seien zu viele parkende Autos in der Stadt. „Die Menschen sollen sich einfach an die Zeiten halten“, fordert er, welche er als großzügig betrachtet. Zulieferer und Handwerker müssten ihre Fahrten besser planen, der Ordnungsdienst verstärkt die Einhaltung der bestehenden Regeln überwachen. Als positive Beispiele nennt er Stuttgart und Freiburg. Dort sehe man außerhalb der Lieferzeiten kaum Autos in der Stadt. Den Einbau von Pollern, um den Verkehr zu stoppen, wäre für den Politiker eine übertriebene Maßnahme.
  • Andreas Flöß (Freie Wähler): Nicht abgeneigt von einer Poller-Lösung ist Andreas Flöß. Er wünscht sich einen begrenzten Zeitkorridor für den Verkehr in der Innenstadt, zum Beispiel am frühen Morgen. Danach soll die Fußgängerzone autofrei sein. Um das zu gewährleisten, könnten versenkbare Poller bei den vier großen Stadteinfahrten installiert werden, so der Sprecher der Freien Wähler, ganz ähnlich wie in der Färberstraße sowie der Zinser- und Webergasse. „Das muss jedoch in enger Abstimmung mit den Händlern geschehen“, so Flöß. Sondergenehmigungen seien dann immer noch möglich. Neben den Fahrzeugen würden auch die vielen privaten Mülleimer das Stadtbild stören. „Wir haben so viele bauliche Vorschriften für Gebäude und Dächer. Aber auf Augenhöhe machen die Tonnen die Stadt unattraktiv“, gibt er zu bedenken.
  • Edgar Schurr
    Edgar Schurr (SPD): „Unschön“, nennt der SPD-Sprecher die aktuelle Situation und fügt hinzu: „Die Fußgängerzone soll eigentlich ein Wohlfühlbereich sein.“ Eine schnelle Lösung habe er nicht parat. Der Zuliefererverkehr werde durch den Onlinehandel auch in Zukunft zunehmen, da ist er sich sicher. Die letzte Meile sei das Problem. Hier müsse der Markt Lösungen finden, um die Innenstädte zu entlasten. Schurr denkt über Sammelzentren und Abholstationen in Innenstadtnähe sowie über konzentriertere Zustellungsformen nach. „Das wäre in vielen Fällen möglich.“ Von Schnellschüssen hält Schurr nichts und setzt daher auf einen Austausch aller Beteiligten und ein gemeinsam erarbeitetes Konzept.
  • Frank Bonath
    Frank Bonath (FDP): Frank Bonath ist sich sicher, dass der Logistikverkehr künftig weiter zunehmen wird. Eine Lösung, wie mit damit umgegangen werden soll, habe er aber noch nicht. Händler und Gastronomen seien einerseits abhängig von den Zulieferern, andererseits aber auch gestört von zugeparkten Schaufenstern. Eine schnelle Lösung mit Pollern und verstärkten Kontrollen würde seiner Meinung nach nur „die Gemüter beruhigen.“ Er setzt daher auf Gespräche mit allen Beteiligten und eine gemeinsam erarbeitete Lösung. „Die Verkehrssituation könnte als Teilaspekt im Rahmen des aktuell gestarteten Citymanagement-Projektes behandelt werden“, so Bonath. Aber alle Lösungsansätze, da ist er sich sicher, werden Zugeständnisse von allen Beteiligten erfordern.

Fußgängerzonen in anderen Städten

  • Vorgeschichte: In der Villinger Fußgängerzone drängen sich während der Zulieferzeiten bis 11 Uhr regelmäßig Baustellenfahrzeuge, Paketdienste und Privatautos. Auch danach sind Fahrzeuge unterwegs (wir berichteten). „Das ist eine Fußgängerzone?“, fragt eine SÜDKURIER-Leserin im sozialen Netzwerk Facebook. „Heute war es echt schlimm“, stimmt eine andere Leserin zu. Mit dieser Meinung stehen sie nicht alleine da. Viele ärgern sich und fordern zum Handeln auf. Einige Kommentarschreiber betrachten das Thema durchaus differenziert. Ein Mann schreibt: „Seid doch froh, dass es noch Geschäfte gibt, die man beliefern kann.“ Der Lieferverkehr müsse eben durch, sonst sei die Stadt tot, sagt ein anderer.
  • Tuttlingen: In der Kreisstadt regeln seit 2017 acht Poller die Zufahrt zur Fußgängerzone. Ein- und ausfahren kann man seither nur noch zu den Lieferzeiten von 5 bis 10.30 und von 18 bis 20.30 Uhr. Sondergenehmigungen, zum Beispiel für Umzüge und Handwerker, sind gegen Gebühr möglich. Über ein elektronisches System lassen sich die Poller individuell steuern.
  • Freiburg: Das Einfahren und das Parken in der Fußgängerzone ist grundsätzlich verboten. Während der Lieferzeiten, die je nach Bereich und Tag variieren, wird das kurzzeitige Abstellen von Fahrzeugen zum Be- und Entladen von schweren, sperrigen Gütern geduldet. Dieser Vorgang muss zügig vollzogen werden und für Kontrolleure nachvollziehbar sein. In einigen Bereichen ist Lieferverkehr ganz verboten. Die Fußgängerzone wird durch eine Beschilderung angezeigt. Verstöße werden mit einer Geldbuße von 30 Euro geahndet. Sondergenehmigungen müssen beantragt werden.
  • Bad Hersfeld: Hier hat Bürgermeister Thomas Fehling ein innovatives Konzept vorgeschlagen. Am Rande der Innenstadt könnte ein City-Logistik-Verteilpunkt entstehen. Paketdienste sollen dort ihre Fracht abliefern. Ein zentraler Dienstleister verteilt diese dann an die Privat- und Geschäftskunden in der Fußgängerzone. Die gebündelten Transporte sollen den Verkehr reduzieren. Für die Verteilung könnten kleinere innovative Fahrzeuge zum Einsatz kommen, etwa autonome Kleintransporter, Lieferroboter, Drohnen oder auch Lastenfahrräder. Eine Studie soll nun die Machbarkeit überprüfen.
  • Rom: In Italien regeln häufig digitale Anzeigetafeln die Einfahrt in Fußgängerzonen, wie zum Beispiel im historischen Zentrum in Rom. Das Einfahren ist nur in bestimmten Zeiten erlaubt. Wer die Hinweise auf den Anzeigetafeln ignoriert, oder ohne Sondergenehmigung einfährt, wird geblitzt und von aufmerksamen Kontrolleuren registriert. Knöllchen werden europaweit verschickt.