Auf dem Hof der Hahn-Schickard-Gesellschaft am Standort Villingen-Schwenningen steht ein Wohnwagen. Auf den ersten Blick ist das ein ungewöhnliches Bild. Die Organisation beschäftigt sich als Forschungs- und Entwicklungsdienstleister vorwiegend mit Mikrosystemtechnik. Ein Blick ins Innere des Anhängers macht jedoch deutlich, dass der Anhänger nicht für einen Camping-Urlaub gedacht ist. SmaC lautet der Projektname.

Das stehe für „Smart Caravan„ erklären Bastian Inthasane und Christoph Rathfelder aus der Abteilung Anwendungsentwicklung und Software-Lösungen. Doch eigentlich geht es in dem Projekt um die Vernetzung, Automation und Steuerung gesamter Wohnungen und Häuser. Der Wohnwagen soll lediglich dazu dienen, neue Ideen im Smart Home Bereich und in verwandten Sparten zu entwickeln, zu testen, erlebbar zu machen und dabei mobil zu sein.

Sieht unscheinbar aus: Unter der Fassade hat der smarte Wohnwagen SmaC aber bereits viel Technik mit an Bord und kann über das Smartphone gesteuert werden.
Sieht unscheinbar aus: Unter der Fassade hat der smarte Wohnwagen SmaC aber bereits viel Technik mit an Bord und kann über das Smartphone gesteuert werden. | Bild: Fröhlich, Jens

Idee und Finanzierung: Alles sei aus einer Spinnerei heraus entstanden, erinnert sich Rathfelder. Man wollte ein mobiles Labor erschaffen, das sowohl als Arbeitsumfeld, als auch zu Demonstrationszwecken genutzt werden kann. Das sogenannte „Living Lab“ sollte mobil und leicht zu transportieren sein. Die fertige Idee lag schließlich 2017 auf dem Tisch. Neben knapp 100.000 Euro Eigenanteil förderte das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg das Projekt mit 220.000 Euro. Dieses Geld stammt aus einem Fördertopf für Technologie- und Wissenstransfer im Themenfeld Digitalisierung der Wirtschaft.

Aktueller Stand: Nachdem der 35.000 Euro teure Wohnwagen geliefert wurde, begannen die Beteiligten verschiedene intelligente Systeme einzubauen. Insgesamt soll Technik für bis zu 45.000 Euro verbaut werden. Momentan überwacht ein Minicomputer die Sensoren und kann bereits einige Funktionen steuern.

In einem Schrank ist das SmaC-Herzstück untergebracht: Die Stromversorgung, ein Kleincomputer, eine WLAN-Station. außerdem laufen hier alle Verbindungskabel zusammen.
In einem Schrank ist das SmaC-Herzstück untergebracht: Die Stromversorgung, ein Kleincomputer, eine WLAN-Station. außerdem laufen hier alle Verbindungskabel zusammen. | Bild: Fröhlich, Jens

Zudem ist Alexa-Gerät von Amazon mit an Bord, das die Sprachausgabe übernimmt. Ein Anwesenheitsknopf aktiviert das System, der CO2-Wert wird stets überwacht, Bewegungsmelder, Lichthelligkeit und ein Wasserschadenmelder sind aktiv.

Das „Auge“ über der Eingangstür erkennt, ob jemand vor der Türe steht und gibt diese Information an die Bewohner im Inneren weiter.
Das „Auge“ über der Eingangstür erkennt, ob jemand vor der Türe steht und gibt diese Information an die Bewohner im Inneren weiter. | Bild: Fröhlich, Jens

Kündigt sich Besuch vor der Türe an, gibt es einen Hinweis aus dem Laustprecher an die Bewohner.

Video: Fröhlich, Jens

Das komplette System kann auch über das Internet, oder über ein Smartphone, gesteuert werden, die Messwerte sind abrufbar. Ein kabelgebundenes System sowie ein Drahtlosnetzwerk sind vorinstalliert.

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Demonstration: SmaC soll intelligente Haustechnik für Bürger und Gewerbe erlebbar machen. Ab Ende 2019 wird der Anhänger daher bei verschiedensten Veranstaltungen zu Gast sein und dort Besuchern einen Eindruck verschaffen, wie moderne Haustechnik sinnvoll genutzt werden kann und welche Möglichkeiten es überhaupt gibt.

Über einen Monitor in der Sitzecke des Wohnwagens lassen sich alle Sensoren auslesen und die Funktionen steuern.
Über einen Monitor in der Sitzecke des Wohnwagens lassen sich alle Sensoren auslesen und die Funktionen steuern. | Bild: Fröhlich, Jens

Innovation: Vorerst wurden handelsübliche Produkte im Caravan installiert. „Wir versuchen, diese einzelnen Lösungen sinnvoll miteinander zu verknüpfen und zu vernetzen“, erklärt Rathfelder. „Technik ist gut, wenn man sie nicht mehr bemerkt“, fügt er hinzu. Neben der Vernetzung werden auch eigene Ideen umgesetzt. So wurde zum Beispiel eine Sensormatte einer Katzenklingel, die gerade einmal 20 Euro kostet, für die Lichtsteuerung für beim Aufstehen aus dem Bett umfunktioniert.

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Nach und nach sollen so weitere Bereiche automatisiert und überwacht werden. SmaC steht auch Projektpartnern zur Verfügung, um neue Ideen zu entwickeln und in einem realitätsnahen Umfeld zu testen. Bei sogenannten Hackathons und Workshops sollen künftig nützliche und kreative Möglichkeiten gesucht und Innovationen erarbeitet werden. Es ist denkbar, dass zudem Eigenentwicklungen zum Einsatz kommen, so Rathfelder. Er denkt dabei an intelligente Leuchtmittel, welche bei Hahn-Schickard entwickelt werden.

Kooperation: Bereits jetzt, in dieser frühen Phase, sind bereits knapp zehn Partner an einer Zusammenarbeit interessiert. Ein Handwerksbetrieb aus Freiburg möchte Schäden in Gebäuden frühzeitig erkennen, um automatisch Handwerker zu den Kunden entsenden zu können. Auch die Firma SSS Siedle aus Furtwangen ist mit an Bord. Das Traditionsunternehmen, das zahlreiche Produkte rund um den Eingangsbereich im produziert, erhofft sich ebenfalls neue Erkenntnisse in Sachen Gebäudeautomation. Türschlösser und Sprechanlagen könnten in Zukunft intelligente Aufgaben übernehmen. Ein Beispiel: Bei Notfällen öffnen sie Rettungskräften die Türe. Weitere Projektpartner sind zum Beispiel der Schwarzwald-Baar-Kreis, die IHK und der Verein Smart Home & Living.

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Lehr- und Lernplattform: Mit dabei ist auch die Gewerbeschule Villingen-Schwenningen. SmaC soll im Rahmen des Unterrichts als Anschauungs- und Lernobjekt zum Einsatz kommen. Auch Abschlussarbeiten, die eine Erweiterung des intelligenten Wohnwagens zur Aufgabe haben, seien denkbar, so Rathfelder.