„Hier arbeitet der Osterhase“, sagt Heike Eckert und lacht. Aus einer kleinen Papier-Spritztüte füllt sie derweil sorgfältig eine braune Masse in eine große, durchsichtige Plastikform. Der Osterhase – das ist in diesem Fall sie selbst, höchstpersönlich. Die Masse in der kleinen Spritztüte ist flüssige Vollmilchkuvertüre, aus der die Konditor-Meisterin just in diesem Moment einen lächelnden Schokoladenhasen zaubert.

Heike Eckerts Osterhasen-Werkstatt liegt mitten in der Villinger Innenstadt, in einem fliederfarbenen Haus in der Hafnergasse. Ganz unten, in einem hell gekachelten Raum im Erdgeschoss, erblicken die süßen Langohren das Licht der Welt. Der lächelnde Schokoladenhase von eben gehört dazu – und er hat viele, viele Geschwister. Rund 300 Hasen produziert Zuckerbäckerin Eckert in den Wochen vor Ostern. Große, kleine, Hasen im Ei, Hasen mit Schuh. Dazu kommen an die 600 Trüffeleier für die große Eiersuche am Sonntag. Zum ersten Mal hat sie in diesem Jahr auch kleine Körbchen aus Schokolade gegossen und mit Eiern und winzigen Hasen gefüllt.

100 Prozent Handarbeit

„Ich bin ein kleiner Fisch“, stellt Heike Eckert jedoch gleich klar. In der Schokoladen-Branche sind oft ganz andere Stückzahlen an der Tagesordnung. Doch Heike Eckert arbeitet ganz allein in ihrer kleinen hellen Werkstatt, ihre Hasen sind noch durch und durch Handarbeit.

Jeden einzelnen kontrolliert sie sorgfältig, schaut, ob die Gesichter sitzen, ob nirgends Luftblasen sind und die Schokolade sich gleichmäßig verteilt hat. Heike Eckert ist Zuckerbäckerin aus Leidenschaft. „Schon in der Schulzeit habe ich gerne gebacken“, erzählt sie.

Doch der Weg ins Berufsleben führte die gebürtige Bayerin zunächst in eine ganz andere Richtung. Sie ging studieren und wollte eigentlich Lehrerin werden.Als die Zweifel dann aber größer und größer wurden, erinnerte sich Eckert an ihre alte Begeisterung fürs Backen. Statt des Referendariats trat sie eine zweijährige Konditorlehre an. Nach einigen Jahren als Angestellte machte sie sich selbstständig, pachtete sich dafür zunächst in einer Villinger Bäckerei ein, machte zudem ihren Meister. 2011 schließlich zog sie in ihr eigenes, kleines Schokoladen-Paradies an der Hafnergasse.

Aus der Schüssel auf dem Gasherd in der Ecke strömt inzwischen ein zarter, feiner Geruch durch die Werkstatt. Flüssige hellbraune Vollmilch-Schokolade steht hier, ein ganzer Topf voll cremiger Masse. Genau 30 Grad hat die süße Masse nun – die perfekte Temperatur, um die großen Hasenformen damit auszugießen.

Die richtige Temperatur ist eine Kunst, und auch dafür sorgt Heike Eckert höchstselbst, in Handarbeit, ohne die Hilfe von Temperiergeräten. Ist die Schokolade nämlich zu warm, löst sich der Hase am Ende nicht aus der Form und wird grau. Wenn sie zu kalt ist, werden die Schokofiguren glanzlos und streifig.Ostern ist Hochsaison bei der Zuckerbäckerin, neben Weihnachten die arbeitsintensivste Zeit in ihrem süßen Geschäft.

Doch auch unter dem Jahr hat sie stets zu tun mit Schokolade, Marzipan und Co. Heike Eckert fertigt selbstgegossene Schokotafeln, Torten auf Bestellung, süße Figuren aller Art, alles ganz nach Wunsch.Auch ganz außergewöhnliche: Im Herbst etwa, erzählt sie, hat sie eine fünfstöckige Hochzeitstorte mit einem Narropaar darauf gefertigt. Allein das stilechte Marzipan-Pärchen kostete sie an die 30 Stunden Arbeit. Kein Problem für Heike Eckert: „Solche Sachen fordern heraus, die machen ganz besonderen Spaß“, erzählt sie voller Begeisterung.

Die süßen Kreationen von Heike Eckert gibt es in der Villinger Bäckerei Beha, im Café Sapel in Königsfeld und in Unterkirnach im Bäuerinnenladen.


Perfekte Temperatur

Die richtige Temperatur ist wichtig beim süßen Geschäft von Heike Eckert: Exakt 29 Grad braucht weiße Schokolade für die beste Konsistenz zum Weiterverarbeiten. Vollmilch ist perfekt bei 30 Grad, dunkle Schokolade benötigt 31 Grad. Erreicht wird die perfekte Temperatur mit dem „Tablieren“. Dabei wird die flüssige Schokolade immer wieder auf der Arbeitsfläche verteilt und am Ende zurück in die Schüssel gegeben.