Ihr Arbeitsbeginn ist um 5 Uhr, an Samstagen steht sie bereits um 4 Uhr in der Backstube. Sarah Hilsenbeck ist 21 Jahre alt und schloss im Sommer ihre Ausbildung zur Konditorin mit der Bestnote ab. Seither arbeitet sie im elterlichen Betrieb in der Konstanzer Straße in Villingen, ist dort zuständig für Kuchen, Torten, Croissants, Quiche, Pasteten und andere Leckereien. Wenn andere Arbeitnehmer gerade ihre Mittagspause genießen, neigt sich der Arbeitstag von Sarah Hilsenbeck bereits wieder dem Ende entgegen. „Man gewöhnt sich an die Arbeitszeiten“, verrät sie im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Sie sieht in der Arbeitszeit jedoch auch einen Grund dafür, dass viele junge Menschen lieber andere Beruf ergreifen. Die Klassengrößen in der Berufsschule würden eher schrumpfen und ausgebildete Konditoren seien auf dem Arbeitsmarkt nicht einfach zu finden, weiß sie. So sei derzeit auch eine Konditoren-Stelle im Betrieb noch unbesetzt.

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Berufswahl: Warum sich die 21-Jährige trotzdem dafür entschieden hat, Konditorin zu werden, begründet sie so: „Ich wollte schon immer einen Beruf lernen, in dem ich kreativ sein kann.“ Nach ihrem Abitur an der Albert-Schweitzer-Schule schnupperte sie bei Praktika in andere Branchen und Betriebe rein, entschied sich am Ende aber doch für eine Ausbildung im Familienunternehmen. Im Juli wurde sie mit ihrer Abschlussnote 1,3 sogar Innungssiegerin.

Wenn die frischen Kuchen in der Verkaufstheke stehen, kümmert sich die 21-Jährige um die Apfeltaschen. Gerade holt sie den Teig aus dem Kühlschrank, der nach dem Ansetzen am frühen Morgen immer wieder gewalzt werden muss und mehrere Ruhepausen benötigt.
Wenn die frischen Kuchen in der Verkaufstheke stehen, kümmert sich die 21-Jährige um die Apfeltaschen. Gerade holt sie den Teig aus dem Kühlschrank, der nach dem Ansetzen am frühen Morgen immer wieder gewalzt werden muss und mehrere Ruhepausen benötigt. | Bild: Fröhlich, Jens

Landesentscheid: Damit war sie für das Landesfinale am vergangenen Samstag in Rottweil qualifiziert. Dort musste sie all ihre Kreativität und ihr Können zeigen, um sich gegen sechs weitere Teilnehmer zu behaupten. Am Ende wurde es der zweite Platz. In nur sieben Stunden bereiteten die Teilnehmer drei Sorten Macarons und Törtchen zu, formten zwei Marzipanfiguren, kreierten drei Sorten Pralinen und sie mussten Torten backen und verzieren. Wie knapp diese Zeit bemessen ist, wird allein am aufwändigen Schicht-Aufbau der Törtchen von Hilsenbeck deutlich: Schokolade, Macha-Tee-Biskuit, Schoko-Knusper-Schicht, Kokos-Mus, Maracuja-Fruchtgelee, Marakuja-Mus und eine Hülle aus Schokolade. Ihr Schaustück war eine Popcorn-Sahne-Torte mit Salz-Karamell-Füllung. Kurz vor der Präsentation brach jedoch der kunsvolle Tortenaufbau aus Zucker ab und musste schnell repariert werden. „Da das Endergebnis sehr knapp gewesen sein soll, könnte mir das den ersten Platz gekostet haben“, blickt Hilsenbeck zurück. Enttäuscht ist sie aber nicht, obwohl nur die Erstplatzierten am Bundeswettbewerb teilnehmen dürfen.

Ein letztes Mal wellt Sarah Hilsenbeck den Teig für die Apfeltaschen aus. Danach wird der Teig mit frisch geschälten und zerkleinerten Äpfeln gefüllt und gebacken.
Ein letztes Mal wellt Sarah Hilsenbeck den Teig für die Apfeltaschen aus. Danach wird der Teig mit frisch geschälten und zerkleinerten Äpfeln gefüllt und gebacken. | Bild: Fröhlich, Jens
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Arbeitsalltag: Ganz so kreativ wie im Wettbewerb kann Hilsenbeck bei ihrer täglichen Arbeit nicht arbeiten. Hier sind die Abläufe meist vorgegeben, um den Kundenwünschen gerecht zu werden. „Gleich zu Beginn werden die Kuchen gebacken“, erzählt sie. Danach sei das Dauergebäck dran, wie zum Beispiel Hildas oder Müslischnitten. Erst später werden die Creme-Torten zubereitet, ehe Croissants, Plunder und die herzhaften Produkte, wie Quiche und Pasteten, in den Ofen kommen. Bei speziellen Kundenaufträgen ist dann aber doch wieder ihre Kreativität gefragt, wenn es darum geht, Torten und andere Produkte für besondere Anlässe und Feste schön und passend zu gestalten.

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So geht‘ weiter: Im Dezember heißt es für sie Koffer packen. Hilsenbeck nimmt am Austauschprogramms „Erasmus+“ teil und wird drei Monate lang in der italienischen Stadt Volterra leben und arbeiten. Im ersten Monat steht ein Sprachkurs an. Die restliche Zeit arbeiten die Teilnehmer in italienischen Handwerksbetrieben mit. „Durch ein ähnliches Programm habe ich letztes Jahr bereits Irland kennengelernt“, so Hilsenbeck. Wie es nach ihrer Reise weitergeht, will die 21-Jährige auf sich zukommen lassen.

Trends: Weder aus Italien noch aus Irland kommen die Trends bei den Konditorei-Produkten. „Macarons, Eclaires und kleine Törtchen“, nennt Hilsenbeck einige französische Spezialitäten. Versuche, selbst solche Kreationen in der Bäckerei anzubieten, würden jedoch meist scheitern. „Kunden entscheiden sich eher für die größeren, günstigeren Kuchenstücke“, erklärt die 21-Jährige. In den Metropolen sei das ein wenig anders.

Hobby und Beruf: In ihrer Freizeit spielt die junge Konditorin gerne Geige, oder sie trainiert mit ihrer Jazztanz-Gruppe. Doch ganz ohne Backen kommt sich zuhause nicht aus. „Ich probiere nachmittags immer viele Rezeptideen aus“, erzählt sie. Oder sie backt einfache Marmorkuchen und ihren geliebten Lemon-Poppy-Seed-Kuchen. Die isst sie am liebsten. Gerne möchte sie in Zukunft eine eigene Seite in den sozialen Netzwerken betreiben, um Bilder und Infos zu ihren Eigenkreationen mit anderen zu teilen. Abseits süßer Backwaren bevorzugt sie die mediterrane Küche und indische Gerichte.

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