„Sie sind nett anzugucken und sie sind nicht schleimig“, charakterisiert Ellen Claaßen ihre Schützlinge scherzhaft. Die Naturschutzwärtin, die sich die meiste Zeit des Jahres im Vogelschutz engagiert, ist je nach Witterung, etwa von März bis Mitte Mai, Kröten- und Froschretterin.

Seit drei Jahren setzt sie sich für die wandernden Amphibien ein. Zuletzt indem sie die Tiere, die sich auf dem Weg zu ihren Laichplätzen befinden, sicher über die Straße brachte. Seit diesem Jahr organisiert sie eine eigene Sammelstrecke an der Niederwisesenstraße zwischen Villingen und Rietheim.

Bei jedem Wetter sind die Helfer unterwegs für den Tierschutz: Denise Jacob, Susanne Kleinekorte, Etienne Jacob und Damaris Louis (von links)
Bei jedem Wetter sind die Helfer unterwegs für den Tierschutz: Denise Jacob, Susanne Kleinekorte, Etienne Jacob und Damaris Louis (von links) | Bild: Sascha Louis

An dieser Stelle sind die grünen Krötenzäune – oder „mobile Amphibienleiteinrichtungen“, wie sie im Behördendeutsch heißen – entlang eines Fahrradweges aufgestellt. In regelmäßigen Abständen sind dahinter Eimer in den Boden gegraben, in die die Kröten fallen, wenn sie auf der Suche nach einem Weg um den Zaun sind. Damit die Tiere in den Eimern nicht auszutrocknen drohen, werden diese vor neun Uhr morgens kontrolliert.

An anderen Sammelstrecken befinden sich die Schutzzäune direkt an der Straße. Die Naturschutzbehörde ruft Autofahrer daher dazu auf, die temporären Warnschilder und Geschwindigkeitsbegrenzungen zu beachten. In der Praxis halten sich viele Verkehrsteilnehmer nicht daran, berichtet Claaßen. Besonders dann, wenn die Anlagen im Dunkeln kontrolliert werden, sei für die Helfer Vorsicht geboten: „Obwohl man Warnwesten und Stirnlicht trägt, ist man einfach spät zu sehen.“ Für Autofahrer, die trotzdem „fahren wie die Irren“, hat sie daher kein Verständnis. Auch für diese, kann schnelles Fahren zur Zeit der Krötenwanderung gefährlich werden, ergänzt Heike Frank vom Landratsamt Schwarzwald-Baar. Wenn Amphibien bei Regen überfahren würden, entstehe auf den Straßen ein gefährlicher Rutschfilm.

Helfer zu finden ist schwierig

Auch, wenn an Claaßens Sammelstrecke die Gefahr weniger hoch ist, hatte sie dennoch Schwierigkeiten, freiwillige Helfer zu finden. „Leider ist die Kröte kein großer Sympathieträger“, stellt sie fest. Von 60 Gefragten, habe sie gerade vier überzeugen können. „Die Mehrheit der Bevölkerung belächelt die Krötenrettung einfach.“ Dabei gehörten die Amphibien zum Ökosystem und sorgten beispielsweise dafür, dass es keine Mückenplage gebe.

Eine der Helferinnen, die Claaßen aktivieren konnte, ist Damaris Louis. Die Tierfreundin ist seit diesem Jahr Krötenretterin – obwohl sie wegen diverser Operationen und Krankheit auf einen Rollator angewiesen ist. Trotz ihrer Einschränkung kontrolliert sie jeden Dienstag die Auffangeimer entlang des Zauns. „Es kommt einfach Jagdfieber auf“, scherzt sie.

Wie Louis, haben auch andere Unterstützer feste Tage, an denen sie ihre Strecke absuchen, erklärt Claaßen. Daneben sorgen sogenannte „Springer“ dafür, dass auch bei Ausfall der festen Helfer, für die Kröten gesorgt wird. Claaßen ist es wichtig, dass ihr Team vernetzt ist und ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Aus diesem Grund habe sie zu ihren Helfern regelmäßigen Kontakt über den „Krötentalk“ bei einem Messenger-Dienst. "Yes, we quack" – Ja, wir quaken, kommentiert sie diesen lachend. Daneben hat sie zu Beginn der Saison einen Stammtisch organisiert, um den Umgang mit den Tieren und die Bestimmung der verschiedenen Arten zu erläutern. Das seien im Schwarzwald-Baar-Kreis vor allem Grasfrosch und Erdkröte.

Eine freiwillige Helferin hält eine gerettete Erdkröte, die in einen der Eimer am Krötenzaun gefallen war.
Eine freiwillige Helferin hält eine gerettete Erdkröte, die in einen der Eimer am Krötenzaun gefallen war. | Bild: Anna Schröder

In den zwölf Wochen einer Saison, retten Claaßen und ihr Team an ihrer Strecke rund 450 Tiere. Im vergangenen Jahr waren es, nach Auskunft der Naturschutzbehörde, im ganzen Kreis mehr als 5000 Tiere. Entlang von insgesamt sieben Kilometern Krötenzaun, die das Landratsamt aufstellen lässt, werden die Amphibien jedes Jahr von Freiwilligen gezählt und bestimmt.

„Die Kröten sind mir wichtig, weil wir nicht nur das einzelne Tier retten, sondern eine ganze Generation“, resümiert Claaßen und ist daher auch für das nächste Jahr auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern.

Das könnte Sie auch interessieren