Für einige Bewohner der Dattenbergstraße 34 in Villingen fing das neue Jahr nicht gut an. Kurz vor Mitternacht des Neujahrstages war es dort zu einem Wohnungsbrand im ersten Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses gekommen. Die Wohnung brannte völlig aus, eine fünfköpfige Familie ist jetzt obdachlos. Die Feuerwehr konnte durch schnelles Eingreifen die Bewohner retten und ein Übergreifen der Flammen auf andere Wohnungen verhindern.

Rund 90 Helfer waren vor Ort, darunter etwa 70 Feuerwehrleute. Diese Aufnahme zeigt Atemschutztrupps während des Einsatzes. Bild: Bartler
Rund 90 Helfer waren vor Ort, darunter etwa 70 Feuerwehrleute. Diese Aufnahme zeigt Atemschutztrupps während des Einsatzes. | Bild: Hahne, Jochen

Zahlreiche Helfer

Nach Eingang der Brandmitteilung um 23.56 Uhr rückte die Feuerwehr Villingen mit Unterstützung einiger Kräfte der Abteilungen Unterkirnach und Pfaffenweiler unter der Einsatzleitung des Gesamtkommandanten Markus Megerle mit insgesamt zehn Fahrzeugen und über 70 Einsatzkräften zu dem gemeldeten Brand aus.

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Mehrere DRK-Rettungskräfte, darunter zwei Notärzte und der Ortsverband Villingen, fuhren ebenfalls beschleunigt zu dem Brand. Auch der Kreisbrandmeister Florian Vetter fand sich neben mehreren Polizeistreifen und dem Kriminaldauerdienst Singen am Brandort ein.

Video: Wilhelm Bartler

Lichterkette als Auslöser

Nach ersten Ermittlungen, so berichtet die Polizei, dürfte ein Defekt an einer elektrischen Weihnachtsdekoration im Bereich der Wohnzimmergardinen an der mit fünf Personen bewohnten Obergeschosswohnung zum Brand geführt haben, der dann schnell auf die Gardinen und schließlich auf die gesamte Wohnung übergriff. Wie die Polizei auf Nachfrage des SÜDKURIER ausführt, handelte es sich um eine Lichterkette in Form eines Weihnachtspäckchens, die am Wohnzimmerfenster unmittelbar neben den Gardinen installiert war.

Die Wohnung der fünfköpfigen Familie wurde komplett zerstört.
Die Wohnung der fünfköpfigen Familie wurde komplett zerstört. | Bild: Wilhelm Bartler

Das Feuer griff dann sofort auf die Gardinen über und ergriff dann die gesamte Wohnung. „Unklar ist noch, ob der technische Defekt an der Weihnachtsbeleuchtung, am Kabel oder Trafo entstanden ist“, berichtete Polizeisprecher Dieter Popp. Dies werde noch von den Kriminaltechnikern, die mit vier Mann vor Ort waren, im Detail untersucht.

In diesem Gebäude in der Dattenbergstraße, unmittelbar unterhalb der Aral-Tankstelle, bezeugen die Rußflecken die dramatischen Ereignissen um Mitternacht.  Bild: Hahne
In diesem Gebäude in der Dattenbergstraße, unmittelbar unterhalb der Aral-Tankstelle, bezeugen die Rußflecken die dramatischen Ereignissen um Mitternacht. | Bild: Hahne, Jochen

Familie rettet sich

Wie sich später herausstellte, hatte sich die fünfköpfige Familie in der Brandwohnung beim Eintreffen der Feuerwehr bereits ins Freie gerettet. Es handelte sich um zwei Erwachsene mit 53 und 45 Jahren sowie drei Jugendliche mit 15, 16 und 20 Jahren. Dass sie die Wohnung verlassen haben, wussten die Feuerwehrleute anfangs noch nicht. Sie meldeten sich im Laufe des Einsatzes vor dem Haus. Die 45-jährige Mutter musste wegen Verdachts einer Rauchgasvergiftung von den Rettungskräften in das Schwarzwald-Baar Klinikum gebracht werden.

Bild: Norbert Trippl

Mit Fluchthauben evakuiert

Die Feuerwehr überprüfte auch mehrere angrenzende Wohnungen im Gefahrenbereich. „Wir haben drei Personen aus dem Gebäude evakuiert“, berichtete der Einsatzleiter Robert Friedrich, seines Zeichens stellvertretender Kommandant der Villinger Abteilung. Eine Wohnungstür musste mit Gewalt aufgebrochen wurden um zu prüfen, ob sich darin schlafende Bewohner befinden.

Einsatzkräfte der Feuerwehr bekämpfen den Brand in einem Mehrfamilienhaus in Villingen-Schwenningen.
Einsatzkräfte der Feuerwehr bekämpfen den Brand in einem Mehrfamilienhaus in Villingen-Schwenningen. | Bild: Wilhelm Bartler

Aus einer Nachbarwohnung im ersten Obergeschoss wurde eine ältere Frau evakuiert, aus dem zweiten Obergeschoss zwei weitere ältere Herrschaften. Aufgrund ihres Alters konnten sie nicht über Rettungsleitern ins Freie steigen. Sie wurden mit Fluchthauben, die mit Rauchfiltern versehen sind, über das im oberen Teil verrauchte Treppenhaus aus dem Gebäude geführt. „Dazu mussten wir erst den Weg frei machen,“ berichtet der Einsatzleiter. Gerettet haben die Feuerwehrleute aus dem Haus auch zwei Katzen und zwei Hamster.

Bild: Norbert Trippl

Wohnung zerstört

Trotz der sofort eingeleiteten Löschmaßnahmen konnte die Feuerwehr nicht mehr verhindern, dass die Wohnung im Obergeschoss durch die Hitzeeinwirkung und die Brandzehrung fast vollständig beschädigt wurde. Auch das Treppenhaus und andere Wohnungen des Hauses wurden durch Hitze und Ruß in Mitleidenschaft gezogen. Im Gegensatz zur Brandwohnung blieben die anderen fünf Wohnung des Hauses zumindest eingeschränkt bewohnbar. Der Gesamtschaden durch den Brand dürfte nach ersten Schätzungen 100 000 Euro übersteigen, die Feuerwehr hält sogar einen Schaden von 250 000 Euro für wahrscheinlich.

Einsatzleiter Robert Friedrich: „Wir waren sehr schnell dort und hatten den Brand schnell unter Kontrolle.“
Einsatzleiter Robert Friedrich: „Wir waren sehr schnell dort und hatten den Brand schnell unter Kontrolle.“ | Bild: Hella Schimkat

Fünf Fahrzeuge in zehn Minuten

Einsatzleiter Robert Friedrich zeigte sich mit dem Ablauf sehr zufrieden. „Wir waren sehr schnell dort und hatten den Brand schnell unter Kontrolle. Zehn Minuten nach Alarmierung hatte ich fünf Fahrzeuge vor. Das ist top“, stellte er fest. Ein Mehrfamilienhaus sei nachts immer eine heikle Sache, da keiner weiß, wie viele Menschen sich tatsächlich Haus befinden und möglicherweise noch schlafen. Angesichts der schnellen Verfügbarkeit vieler Helfer sei es möglich gewesen, dass sich vier Trupps um den Brand und die Evakuierungen konzentrieren konnten. „Wir können uns glücklich schätzen, dass hier alles so gut gelaufen ist“, betonte er.

Familie in Notunterkunft

Das Rote Kreuz kümmerte sich während der Löschmaßnahmen um die Bewohner des Hauses. Bis auf die betroffene Familie konnten diese nach dem Einsatz die Wohnungen wieder betreten. Vertreter der Stadt kümmerten sich derweil um die Unterbringung der obdachlosen fünfköpfigen Familie in einer entsprechenden Notunterkunft.