"Ich muss raus", steht in großen Buchstaben auf einem roten Schild – darunter prangt in noch größeren Zahlen: "69 Euro!" Das Schild hängt an einem schwarzen Ledersofa. Es sieht aus wie neu, keine Kratzer, keine Flecken, nicht einmal verformte Polster. Doch die Zahl auf dem Preisschild stimmt tatsächlich. "Ein echtes Schnäppchen, aber davon haben wir hier viele", sagt Johannes Haas und lässt seinen Blick zufrieden durch den Laden wandern.

Haas ist einer von neun hauptamtlichen Mitarbeitern im Second-Hand-Markt Jumbo. Seit fünf Jahren arbeitet er in Vollzeit in dem Geschäft, das vom Verein zur Förderung von Jugend- und Sozialarbeit im evangelischen Kirchenbezirk Villingen betrieben wird. "Mir ist es wichtig, dass meine Arbeit einen Sinn ergibt und nachhaltig ist", sagt Haas und ergänzt: "Dafür ist Jumbo genau der richtige Ort."

Von Retro-Chic bis modern: Das Angebot ist vielseitig

In dem Second-Hand-Markt steht die Blümchencouch im Retro-Chic neben dem modernen Glastisch und gegenüber von den edlen Kristallgläsern warten Keramik-Weihnachtsmann und Enten-Spardose auf Abnehmer. Aber all die mehr oder weniger wertvollen Schätze haben eines gemeinsam: Sie wurden gespendet. "Alles, was wir hier zum Kauf anbieten, wurde dem Verein als Sachspende überlassen", erklärt Vereinsvorsitzende Birgitta Schäfer. Dadurch sei es möglich, mit den Erlösen aus dem Verkauf die Mitarbeiter zu bezahlen.

Jumbo-Geschäftsführerin Monika Haas (hinten, rechts) mit ihrem Team und der Vereinsvorsitzenden Birgitta Schäfer (hinten, Zweite von rechts).
Jumbo-Geschäftsführerin Monika Haas (hinten, rechts) mit ihrem Team und der Vereinsvorsitzenden Birgitta Schäfer (hinten, Zweite von rechts). | Bild: Svenja Graf

Diese sind meist Universaltalente, die in allen Bereichen des Ladens, von der Warenannahme über das Sortieren bis zur Kasse, arbeiten können. So auch Johannes Haas. Er kennt das Geschäft wie seine Westentasche und schafft es, in den teils engen Gängen den Überblick zu behalten. "Hier Bücher, da Schallplatten und dort haben wir sogar noch Videokassetten", ruft er und deutet mit schnellen Handbewegungen auf drei verschiedene Regale. Besonders wohl fühlt er sich aber in der Fahrradwerkstatt, die seit 2012 Teil des Jumbo-Konzepts ist. Hier führt er nicht nur Reparaturen und Wartungsarbeiten durch, sondern macht auch alte Räder wieder verkehrstüchtig, um sie danach zu verkaufen.

Der Konkurrenzdruck wächst

Sein Beruf bedeute ihm viel, erklärt Haas, weil er nachhaltig sei und Menschen helfe. "Gebrauchte Gegenstände zu niedrigen Preisen weiterzuverkaufen, die die Leute sonst wegwerfen würden, entlastet nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbeutel unserer Kunden erheblich", schildert er. Da ein Paar Schuhe im Jumbo-Markt gerade einmal zwei Euro kostet und ein Buch für 50 Cent den Besitzer wechselt, ist die Finanzierung des Geschäfts allerdings nicht immer einfach. "Momentan ist die Lage schwierig, weil uns der Möbelmarkt langsam wegbricht", erzählt Birgitta Schäfer. Grund dafür sei der hohe Konkurrenzdruck durch große Möbelhausketten, die ihre Produkte zum Teil sehr günstig anbieten. "Deswegen sind wir auch immer froh über ehrenamtliche Helfer", wirft Geschäftsführerin Monika Haas ein.

Video: Svenja Graf

Hans-Frieder Deger ist so ein ehrenamtlicher Mitarbeiter. Der 77-Jährige ist seit 1997 dabei und damit der Dienstälteste im Jumbo-Team. Als er 2005 in den Ruhestand ging, entschied er, ehrenamtlich weiterzumachen. "Es ist interessant, über so viele Jahre zu beobachten, wie sich der Markt entwickelt", beschreibt Deger. Schade findet er allerdings, dass vor allem Kinderkleidung kaum gekauft wird. "Die Kleinen sind doch so schnell herausgewachsen, dass die Sachen noch wie neu sind", sagt er. Aber es gebe wohl Berührungsängste, weil Second-Hand-Waren oft sofort mit Bedürftigkeit verknüpft würden.

Nicht nur für Bedürftige – der Markt steht allen Kunden offen

Ein klassisches Sozialkaufhaus ist Jumbo allerdings nicht. Es besteht zwar eine Kooperation mit dem Sozialamt, das Gutscheine für den Second-Hand-Markt ausgibt. Darüber hinaus ist der Kundenstamm aber bunt gemischt. Siegfried Sombert, der ebenfalls zum Jumbo-Team gehört, hat sich auch schon einige Schnäppchen mit nach Hause genommen. "Wenn ich während der Arbeit Schätze sehe, die ich toll finde, dann schlage ich auch schon mal zu und kaufe sie selbst", erzählt der gelernte Kfz-Mechaniker und fügt lachend hinzu: "Schließlich sitze ich an der Quelle."

Es gibt immer etwas zu tun: Siegfried Sombert (l.) und Robin Höll kleben die Glastür einer gespendeten Vitrine ab.
Es gibt immer etwas zu tun: Siegfried Sombert (l.) und Robin Höll kleben die Glastür einer gespendeten Vitrine ab. | Bild: Svenja Graf

Seine Chefin Monika Haas freut sich über jeden Kunden. "Schnäppchenjäger, Studenten, Sammler – bei uns darf wirklich jeder einkaufen. Ob bedürftig oder nicht, das ist dabei vollkommen egal", sagt die Jumbo-Geschäftsführerin.

So laufen die Warenannahme und der Verkauf im Jumbo-Markt

Der Villinger Second-Hand-Markt Jumbo nimmt Sachspenden entgegen und verkauft diese zu niedrigen Preisen weiter. Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten.

 

  • Diese Waren werden angenommen: An Jumbo können Möbel wie Schränke, Tische, Stühle oder Sofas gespendet werden. Außerdem sind Hausrat in Form von Geschirr, Besteck, Töpfen und ähnlichem im Sortiment – ebenso wie Kleidung, Bücher, Schallplatten, CDs und Spielzeug. Auch Elektrogroßgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher oder Elektroherde werden entgegengenommen.
  • Was nicht gespendet werden darf: Das Jumbo-Team nimmt nur Sachspenden an, die in einwandfreiem Zustand sind. Die Gegenstände müssen also sauber, intakt und funktionsfähig sein, da sie vor dem Verkauf nicht repariert oder gereinigt werden können. Elektrokleingeräte können nicht gespendet werden, weil diese vor dem Weiterverkauf durch einen Fachmann auf ihre Funktionsfähigkeit und Sicherheit geprüft werden müssten. Das wäre für den Jumbo-Markt aufgrund der niedrigen Verkaufspreise nicht rentabel. Auch Nahrungsmittel und Medikamente werden nicht angenommen.
  • So kann man spenden: Wer Möbelstücke spenden möchte, sollte vorher das Jumbo-Team kontaktieren – erreichbar ist der Second-Hand-Markt unter der Telefonnummer (07721) 988 521. Zunächst wird ein Besichtigungstermin vereinbart. Wenn die Möbel den Jumbo-Richtlinien entsprechen, werden sie von einem Mitarbeiter abgeholt. Noch schneller und einfacher geht es allerdings im Internet. Per Facebook, E-Mail (info@jumbo-markt.de) oder WhatsApp-Nachricht (0163 7019 184) können Bilder von den Möbel- oder Großgerätespenden direkt an Jumbo geschickt werden.
  • Der Second-Hand-Markt: Der Verein zur Förderung von Jugend- und Sozialarbeit im evangelischen Kirchenbezirk Villingen, der den Jumbo-Markt betreibt, ist Mitglied im Diakonischen Werk. Sein Ziel ist es, Menschen in Konfliktsituationen zu helfen und dabei möglichst nachhaltig zu arbeiten. Jumbo steht allen Menschen offen, Sozialpässe oder Gutscheine sind keine Bedingung. Wer kleinere Sachspenden abgeben oder im Laden einkaufen möchte, findet diesen in der Bahnhofstraße 9 in Villingen. Er ist an Wochentagen von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet.