Tim Müller und Katharina Langhans erfüllen sich ihren Lebenstraum – einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb mit einem Aktivlaufstall für Pferde. Das Besondere: Die Pferde leben hier nicht in einzelnen Boxen, sondern können sich auf einer großen Fläche frei bewegen.

Der Hof ist für beide eine Herzensangelegenheit. Betriebsleiter Tim Müller ist Absolvent der Agrarwirtschaft. Mit reichlich landwirtschaftlicher Berufserfahrung im Umgang mit Maschinen, Pflanzen und Tieren ist er ein Allroundtalent. Lebensgefährtin Katharina Langhans, gebürtig aus Villingen, hat Pferdewirtschaft in Nürtingen studiert und befindet sich derzeit in ihrem Zweitstudium der Tiermedizin, das sie in zwei Jahren abschließen wird.

Ein gemeinsamer Traum wird wahr

Als Nebenjob arbeitet sie an der Technischen Universität München/Weihenstephan bei verschiedenen Forschungsprojekten im Bereich Pferdehaltung und Pferdeverhalten mit. Bereits seit sie laufen kann, ist sie leidenschaftliche Reiterin, hatte schon früh ein eigenes Pferd und bestritt jahrelang Turniere – mit Erfolg. Sie gewann mehrere Titel und erhielt das goldene Reitabzeichen. Zusätzlich machte sie die Trainer-C-Lizenz und darf somit auch Reitunterricht geben.

Zwischen Obereschach und Neuhausen entsteht hier der Aktivlaufstallt Waldhummelhof.
Zwischen Obereschach und Neuhausen entsteht hier der Aktivlaufstallt Waldhummelhof. | Bild: Vivian Kuhn

„Für uns steht der Spaß am Umgang mit Mensch und Tier im Vordergrund“, so Katharina Langhans. Die Bauarbeiten werden sie gemeinsam mit Freunden und Familie überwiegend selbst übernehmen. Beiden ist es wichtig, ihr Fachwissen in den Pferdebetrieb miteinzubringen und den Tieren eine weitgehend artgerechte Haltung zu ermöglichen.

Gemeinsam haben sie sich daher für das Konzept eines Aktivlaufstalls entschieden. Hier werden die Pferde nicht einzeln in Boxen gehalten, sondern in Gruppen von je 15 Tieren, die sich jeweils auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern den ganzen Tag frei bewegen können. Die großzügige Gestaltung mit Sattelkammer, Integrations- und Krankenboxen zur Separation, einer großen Liegehalle, einer umzäunten Innenweide, einem Wälzplatz mit Sand sowie einer Witterungsschutzhütte zum Unterstellen bietet den Pferden reichlich Auslauf und Möglichkeiten, um sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen.

Futterüberwachung via Chip

Eine weitere Besonderheit ist die Fütterung über einen Transponder, der sich im Halsband der Pferde befindet. So kann gesteuert werden, wann und wie viel ein Pferd zu essen bekommt. Im Inneren des Aktivlaufstalls stehen hierfür sechs Futterautomaten zur Verfügung. Das Pferd betritt die Box, daraufhin wird die Tür geschlossen und der Chip ausgelesen. Mit dieser Futterregulierung wird garantiert, dass auch schwache und alte Pferde ausreichend Futter bekommen. Zudem befinden sich jeweils zwei Heuraufen im Stall, an denen sich die Tiere jederzeit bedienen können. Die Fütterung ist ein zentraler Aspekt, da ein gesundes Pferd 16 Stunden am Tag fressen muss. Mithilfe dieses Konzeptes ist es zudem möglich, die Fütterung für jedes Tier individuell einzustellen.

Gelenkschonender Gummiboden

Der Großteil des Bodens besteht aus Gummimatten mit Löchern zum Abfließen von Wasser. Außerdem verfügt der Boden über Noppen, worauf sich die Pferde aufgrund der Stoßfederung hufschonend bewegen können. Den Pferden stehen zudem naturbelassene Flächen mit verschiedenem Untergrund zur Verfügung. Hier soll auch eine Art Barfußpark entstehen. In den Liegehallen wird Waldboden als Einstreu genutzt. Dieser riecht nicht nur gut und neutralisiert damit Uringeruch, seine ätherischen Öle sollen sich außerdem positiv auf Atembeschwerden bei Pferden auswirken.

Im kommenden Jahr wollen sie auf dem Hof Seminare im Rahmen von Wochenendkursen anbieten. Hierzu werden sie Trainer und andere Fachleute einladen, die ihr theoretisches Wissen zu Themen wie Fütterung und artgerechter Haltung an die Teilnehmer weitergeben.