Wie sollen die früheren Kasernen-Quartiere und die darin verlaufenden Straßen genannt werden? Die Stadtverwaltung hat bereits Vorschläge in den Ring geworfen. Doch nun werden weitere Überlegungen bekannt, so möchte die Fraktion der Grünen drei Frauen berücksichtigen. In dem Antrag, den Fraktionssprecher Joachim von Mirbach unterzeichnete, werden folgende Personen genannt: Lina Springmann, Lioba Dornier und Christel Pache. Springmann ist der Name der jungen Frau, die wegen einer Liebesbeziehung zu dem polnischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter Marian Lewicki, der deswegen von den Nazis gehängt wurde, ins Konzentrationslager gehen musste. Sie überlebte zwar, litt aber ihr ganzes Leben unter den Ereignissen. Dornier war 1911 die erste Frau, die in ein Gemeinderatsgremium, die zwölfköpfige Schulkommission, berufen wurde. Pache wiederum leitete Jahrzehnte die VS-Volkshochschule und erwarb sich dabei ein enormes Ansehen.

Jürgen Schützinger von der rechtslastigen DLHV macht folgende Vorschläge: statt der Helmut Kohl-Straße, eine Dr.-Gerhard-Gebauer-Straße, statt der Francois Mitterand-Straße, eine Paul-Riegger-Straße, statt der Edith-Stein-Straße eine Paula Straub-Straße, statt der Simone Veil-Straße eine Johanna-Schwer-Straße, statt der Oscar Peterson-Straße eine Dr.-Wolfgang-Berweck-Straße. Umstritten ist allerdings der nach dem Krieg bei den Freien Wählern aktive Paul Riegger, da er während des Nationalsozialismus in Villingen eine wichtige Rolle innehatte.

Kontrovers werden jedoch nicht nur die Straßennamen diskutiert, sondern auch die Quartiersbezeichnungen: Welvert, Mangin und Lyautey sollen nach dem Willen der Stadtverwaltung in Im Brühl Süd, Im Brühl Ost und Im Brühl West oder in Cité Süd, Ost und West umbenannt werden. Ob dies aber sinnvoll ist, bezweifelte FDP-Stadtrat Dirk Caroli, der bei Notrufen befürchtet, dass die Namen zu schwer zu unterscheiden seien.

Dass das Thema umstritten ist, zeigt auch eine Umfrage des SÜDKURIER. Die Redaktion hat die Leser im Internet befragt, ob einige Straßen umbenannt werden sollen. Dabei zeigt sich, dass die Menschen an den gewohnten Namen hängen. Am deutlichsten wird das bei der Frage, ob die Richthofenstraße künftig Willy-Brandt-Straße heißen soll.

Nur rund 25 Prozent befürworten diesen Vorschlag. Über 72 Prozent möchten auch in Zukunft lieber auf der Richthofenstraße unterwegs sein. Diese Straße liegt zwar außerhalb der eigentlichen Kasernenbereiche, die Stadtverwaltung möchte die Debatte aber nutzen, um den Kriegsbezug zu tilgen. Die Straße ist nach dem Flieger Manfred von Richthofen benannt.

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Die Diskussion

Unter anderem die Quartiers- und Straßenbenennung der Kasernenareale Lyautey und Mangin wird am Mittwoch ab 16 Uhr in der Gemeinderatssitzung in der Neuen Tonhalle bestimmt. Beim Wohngebiet Welvert geht es nur um eine Quartiersumbenennung. Weitere Themen: die Sanierung der Niederwiesenstraße oder Beschlüsse zur Sanierung des Gymnasiums am Deutenberg.