Gerade einmal vier Monate nach seiner letzten Verurteilung, stand ein 33-Jähriger erneut wegen unerlaubten Besitzes und Anbaus von Betäubungsmitteln vor dem Amtsgericht in Villingen-Schwenningen. Der Angeklagte soll drei Cannabis-Pflanzen in seinem WG-Zimmer aufgezüchtet haben. Bei einer Durchsuchung fand die Polizei dort auch 0,1 Gramm Marihuana und eine Subutex-Tablette vor. Das Gericht verurteilte den in Villingen-Schwenningen wohnhaften Mann deswegen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung, 80 Stunden gemeinnützige Arbeit und einer ambulanten Suchttherapie.

„Wie kann man denn so dämlich sein?“, fragte Richter Christian Bäumler den Angeklagten nach der Urteilsverkündung. Der Mann steht bereits wegen zweier anderer Fälle unter Bewährung. Einmal aufgrund einer Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung und einmal wegen des Anbaus und 19-fachen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln.

Insgesamt hat der 33-Jährige bereits acht Einträge im Bundeszentralregister: Neben Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, hat er sich auch des versuchten und begangenen Diebstahls schuldig gemacht. Der als Zeuge geladene Polizist, der die Wohnungsdurchsuchung durchgeführt hatte, gab an, dass ihm der Angeklagte und dessen zwei Mitbewohner im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln bereits bekannt gewesen seien.

Der Richter folgte daher nicht dem Antrag der Anwältin des Angeklagten, nur eine Geldstrafe auszusprechen, da die Cannabis-Pflanzen von minderer Qualität gewesen seien, nur eine geringe Menge Betäubungsmittel aufgefunden worden und der Angeklagte von Anfang an geständig gewesen sei. Richter Christian Bäumler verzichtete aber auch auf eine Verurteilung, die im Sinne der Staatsanwaltschaft gewesen wäre. Diese hatte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten gefordert.

„Diese kann nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden, da die letzte Veurteilung nichts gebracht hat“, begründete die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Wäre Chistian Bäumler dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt, hätten dem Angeklagten zwei Jahre Haft gedroht, da dann alle Bewährungen aufgehoben worden wären.

Darauf wies Bäumler am Ende der Verhandlung hin und forderte den Angeklagten dazu auf, die Therapie ernst zu nehmen: „Sie müssen das auf die Reihe bekommen. Wenn Sie so weitermachen wie bisher, wird die Bewährung wiederrufen und dann kommen Sie direkt in Untersuchungshaft“, so Bäumler.