Der Schonacher Künstler Klaus Ringwald (1939-2011) war zeitlebens ein streitbarer Geist. Er hatte stets seine Sicht der Dinge und ließ auch nur diese gelten. Er suchte regelmäßig das Streitgespräch und die Auseinandersetzung mit den aus seiner Sicht „nicht fachkundigen Museumsleitern, den knickrigen Auftraggebern, den nicht kompetenten kommunalen Verwaltungen und der kritischen Presse“. Kurzum: Klaus Ringwald war ein viel gereistes Schwarzwälder Original mit sehr vielen Ecken und noch mehr Kanten.

Stadtführer Gunther Schwarz und Dieter Mauch mit einer Bronzebüste des Villinger Unternehmers Wilhelm Binder.
Stadtführer Gunther Schwarz und Dieter Mauch mit einer Bronzebüste des Villinger Unternehmers Wilhelm Binder. | Bild: Stefan Simon

Als Bildhauer hat er an zahlreichen Stätten im öffentlichen Raum ebensolche hinterlassen, wie beispielsweise mit dem Brunnen in der Hechinger Innenstadt, auf denen in typischer Ringwaldscher Weise Szenen der Stadtgeschichte reflektiert werden. Unter anderem ist die Vertreibung von Hechinger Juden durch Nationalsozialisten dargestellt. Eine der Nazi-Figuren trug jedoch deutlich erkennbar die Gesichtszüge eines Hechinger Stadtrats, der zuvor im Gemeinderat als schärfster Gegner des Brunnenprojekts aufgetreten war. Nach langem Rechtsstreit mussten die Gesichtszüge des Diffamierten vom Brunnen abgeschliffen werden.

Bild: Stefan Simon

In Villingen wurde dagegen, obwohl die Kunstwerke durchaus kontrovers diskutiert wurden und immer noch werden, nichts daran verändert. Der streitbare Künstler, der so gerne mit offenem Visier gekämpft hat, der sich nie gescheut hat, die Dinge beim Namen zu nennen, hat sich durchgesetzt. Ein Münsterdekan mit Whiskey-Glas und Zigarre ist auf dem Villinger Münsterplatz dann doch eher Anlass zum Schmunzeln. Das Gefängnis auf den gegenüberliegenden Münsterportalen, in dem der Evangelist Johannes sitzt, heißt „Stammheim“, und die Büste des Politikers Erhard Eppler steht dort aufrecht auf der Stele, während die seines Gegenspielers Hans Filbinger stürzt.

2469 Modell des Münsterportals
2469 Modell des Münsterportals | Bild: Stefan Simon

Das sind zeitgeschichtliche Fakten, die zum Nachdenken anregen. Wie auch darüber, warum ausgerechnet in Villingen nun von der Klaus-Ringwald-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Heimatverein eine Gedenkveranstaltung zum 80. Geburtstag des Künstlers veranstaltet wurde. Festredner Johannes Werner, langjähriger Freund des Künstlers und bestens vertraut mit dessen Werk, gab im Münsterzentrum die Antwort: „Fast kommt es mir vor, als trüge ich Eulen nach Athen, wenn ich in Villingen über Klaus Ringwald spreche.“ Denn an keinem Ort sei sein Werk in seiner Größe und Fülle gegenwärtiger als eben hier.

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Das markanteste Exponat in der Stadt ist sicherlich der Münsterbrunnen, die prominentesten Exemplare die bronzenen Münsterportale. Ringwald schuf zahlreiche Chorraumgestaltungen und die Schutzmantelmadonna am Bickentor sowie die Kreuzwegstele auf dem Weg zum Friedhof. Werner erwähnte auch die Grabgestaltungen, darunter auch die des Villinger Unternehmers Wilhelm Binder, und das von ihm entworfene Kreuz in der Trauerhalle.

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Unsterblichkeit ist ein Wunsch vieler Künstler – und Klaus Ringwald hat schon zu Lebzeiten in dieser Richtung etwas vorgesorgt. In unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Atelier wurde nach Überwindung einiger rechtlicher Hürden ein Museum in seinem Heimatort Schonach gebaut. Für die Umsetzung des Vorhabens hat der mit dem Titel Ehrenprofessor ausgezeichnete Künstler eigens eine Stiftung gegründet. Stiftungszweck der Klaus-Ringwald-Stiftung ist die Erhaltung, die Pflege und die weitere Verbreitung des künstlerischen Lebenswerks des Stifters. Die Stiftung ist Besitzerin des Gesamtwerks, sorgt dafür, dass der Bestand zusammenbleibt und als solcher präsentiert wird.

Auch mit dem Wahl des Materials hat Ringwald für eine langanhaltende Wirkung vorgesorgt. Die Bronzen werden noch viele Generationen zur Auseinandersetzung anregen. Johannes Werner: „Als Schwarzwälder, der er war, und der er sehr bewusst war, hat sich Ringwald, der akademische Bildhauer und Professor, bei aller Weltgewandtheit noch etwas Knorriges, Uriges bewahrt; auch etwas Unzeitgemäßes“. Es gebe nur noch wenige, die, wie er es tat, auf dem festen Boden des Handwerks stehen, die mit einer solchen Liebe und Vorliebe in einem der ältesten, zugleich aber schwierigsten Materialien arbeiten, nämlich in der erst glutflüssigen, dann festen Bronze. Bleibt zu ergänzen: Und die dem gegenständlichen Motiv so treu geblieben sind, vor allem der Gestalt des Tieres und des Menschen.