„Die Vier in der Stadt“: Das ist inzwischen ein fester Begriff für evangelische Christen im Stadtbezirk Villingen. Gemeint sind die vier evangelischen Stadtgemeinden/Pfarreien Johannes, Lukas, Markus und Paulus. Und die sind seit zwei Jahren auf dem Weg weitergehender Zusammenarbeit. Jetzt stehen Gemeindeversammlungen bevor, in denen öffentlich über den Sachstand informiert und zu konstruktiver Mitarbeit eingeladen wird, um die Gemeindearbeit weiterzuentwickeln.

Beginn der Kooperation schon vor etlichen Jahren

Angefangen hatte die engere Zusammenarbeit schon vor Jahren, so im Jahr der Taufe 2011 auf einer Pfarrkonferenz und mit einem ersten gemeinsamen Tauffest für drei Stadtgemeinden. Seit 2013 ist das eine feste Einrichtung aller vier Stadtgemeinden und ein inzwischen beliebtes Open-Air-Sommerereignis.

Auch eine erste gemeinsame Predigtreihe gab es bereits 2011 – und das für alle sechs Pfarreien der Kirchengemeinde Villingen, die neben den vier Stadtgemeinden auch die Jakobusgemeinde in Niedereschach und die Matthäusgemeinde in Marbach umfasst. In der Dienstgruppe der hauptamtlich Mitarbeitenden in der Gemeinde wurde zudem die Zusammenarbeit im Konfirmandenbereich entwickelt. Seitdem gibt es gemeinsame Konfi-Projektwochen für die Vier in der Stadt.

Gemeinsame Angebote für ganz Villingen

2015 wurden dann bereits klare Strukturen für die weitere Entwicklung geschaffen. Seitdem wird wie vereinbart von „4 plus 2“ gesprochen. So wurden Querschnittsangebote in der Kirchenmusik und Kinderarbeit beschlossen, die Johanneskirche als „offene Kirche in der Stadt“ festgelegt, gemeinsame Angebotshefte für Kirchenjahresfeste vereinbart und die Struktur von Hauptamtlichen-Dienstrunden festgelegt.

Ältestenkreise arbeiten am Zukunftskonzept mit

Seit etwa drei Jahren sind die Ältestenkreise der vier Stadtgemeinden und Arbeitsgruppen damit beschäftigt, ein zukunftsfähiges Konzept für die Kirchengemeinde zu entwerfen. Das betrifft Gottesdienste, die Bereiche Konfirmanden, Familien und Kinder sowie auch die Liegenschaften und Strukturfragen.

Künftig eine große Stadtpfarrei?

Letztlich geht es darum, ob die vier Stadtgemeinden so weit zusammenrücken, dass sie sich irgendwann als eine gemeinsame Gemeinde organisieren, heißt es in den Weihnachtsgemeindebriefen. Und die enthielten für alle Gemeinden erstmals auch einen umfangreichen gemeinsamen Berichtsteil.

Auch um die Liegenschaften kümmert man sich gemeinsam

Mit den Liegenschaften hat sich eine Prozesssteuerungsgruppe aus den vier Gemeinden befasst. Die erarbeiteten Varianten zur Gebäudeentwicklung werden derzeit im Oberkirchenrat durchgerechnet. Im Frühjahr 2019 sollen dazu im Kirchengemeinderat Beschlüsse gefasst werden.

Personelle Zusammenarbeit gestärkt

Pfarrerinnen und Pfarrer, die Gemeindediakonin und der Kantor der vier Stadtgemeinden arbeiten seit Anfang 2018 als Dienstgruppe in enger Abstimmung miteinander. Die vier Ältestenkreise haben dazu einen begleitenden gemeinsamen Ehrenamtlichenausschuss gegründet, der auch über gemeinsame Finanzen und inhaltliche Fragen befindet.

Viele Vorteile im Verbund der Pfarreien

Der Gewinn engerer Zusammenarbeit der Vier in der Stadt, die mit einem Kooperationsvertrag im vergangenen Jahr bereits festgeschrieben wurde, ist absehbar: Schwerpunktangebote in einzelnen Gemeinden wie die Kinder- und Jugendarbeit in der Lukas-Pfarrrei oder die Johannes-Werkstatt gelten künftig stadtweit. Die Gottesdienstlandschaft wird gemeinsam gestaltet und Vertretungen werden für die Pfarrer einfacher. Die anstehende Kirchenwahl am 1. Advent 2019 erfolgt noch in den alten Strukturen. Mittelfristig zeichnet sich aber ein gemeinsamer Ältestenkreis für die Vier in der Stadt ab.

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Zudem sichert die Kooperation den Erhalt der Pfarrstellen. Jedenfalls hat das die Kirchenleitung bis 2025 zugesagt. Die jüngst den Stadtgemeinden zugeordnete weitere Gemeindediakonenstelle befindet sich in der Ausschreibung. Die vakante Paulus-Pfarrstelle konnte bisher nicht besetzt werden.

"Keine Vorgabe der Kirchenleitung"

Die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit, betont Pfarrer Udo Stober, „ist keine Vorgabe der Kirchenleitung“, sondern über viele Schritte und der hiesigen Situation gemäß auf den Weg gekommen. „Schließlich soll die Kirche wachsen und gedeihen und nicht durch Strukturen behindert werden“, so Dekan Wolfgang Rüter-Ebel – und zwar in einem Prozess, in den die Gemeindebasis integriert sei.