Ein 23-Jähriger stirbt im Wald bei Villingen nach mehreren Treffern aus einer Maschinenpistole. Der Täter flüchtet in Panik und stellt sich dann. Ein klarer Fall für einen Haftbefehl?

  • Der Schütze und der Erschossene kannten sich: Nach Angaben aus Ermittlerkreisen sind Schütze und Opfer Arbeitskollegen. Beide stammen aus der Region. Es gilt als sicher, dass die Todesschüsse nicht beabsichtigt waren.
  • Sorglos: Wer beim Bund gedient hat, der weiß, wie man sich zu verhalten hat, wenn die Maschinenpistole zu Boden fällt: Schutz suchen. In Deckung, sofern noch Zeit dazu bleibt, so wird es jedem Soldaten beigebracht. Ist der Sicherungshebel an den Schießgeräten nicht aktiv, können sich Schüsse lösen. Dass der 23-Jährige dem 22-Jährigen gegenüber gestanden haben soll, als der Jüngere die Schnellfeuerwaffe überreichte, kennzeichnet die Vorgehensweise der jungen Männer: Arglos. Bedenkenfrei. Ob auch die Mündung der Waffe in Richtung des 23-Jährigen gerichtet war, als die Maschinenpistole übergeben wurde, ist derzeit noch nicht geklärt.
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  • Geladen: Wie viele Schüsse den Älteren getroffen haben, kann die Polizei derzeit noch nicht sagen. Oder will solche Details nicht nennen. Es hat eine Obduktion stattgefunden. Diese Fakten sollten also geklärt sein. Tatsache ist, dass Waffen wie diese extrem schnell schießen. Wahrscheinlich verhinderte sogar ein letztlich leer geschossenes Magazin noch Schlimmeres, vermuten Waffenkenner. Es gilt als sicher, dass die jungen Männer über ein vergleichsweise kleines Patronenmagazin verfügten. Es gibt für diese Waffen 20-er-, 30-er-Kassetten, um die kleinsten Größen zu nennen. Eine solche Waffe verschießt diesen Vorrat in zwei Sekunden. Bis zu 1000 (eintausend) Schuss pro Minute können Waffen dieser Gattung bei entsprechender Ausrüstung abgeben.
  • Die Verantwortung: Bleibt es bei der Einschätzung, dass es sich hier um einen fatalen Unglücksfall handeln muss, wird sich der 22-Jährige für folgende Vorwürfe verantworten müssen: Fahrlässige Tötung sowie Verstoß gegen das Kriegswaffengesetz.
  • Fahrlässig oder mehr? Eine entscheidende Frage für die Ermittler ist, was die jungen Männer mit der so hoch gefährlichen Waffe überhaupt wollten. Oder vorhatten. War etwas geplant? Gehören sie bedenklichen Zirkeln an? All dies wird derzeit geprüft. Auch für die Rechtssprechung wird es später entscheidend sein, wie hoch die Verantwortung eingeschätzt wird, wenn nachts im Wald bei schlechtem Licht und ohne Erfahrung mit einem solchen Mordinstrument hantiert wird. Ist das noch fahrlässig, wir eine der zentralen Fragen sein. Oder wird der Besitz, das Hantieren mit der Waffe bereits als stillschweigende Billigung für schlimme Folgen gewertet werden müssen? Bislang verneinen die Ermittler den Vorsatz. Auch deshalb wird auch von Tötung gesprochen – und nicht von Mord.
  • Strafrecht: Der Täter, der sich stellte, hat sich, zwar unter hohem Fahndungsdruck, aber faktisch von sich aus in die Hände der Polizei begeben. Vermutlich war er zunächst in Panik geflüchtet: Nur weg. Der Mann befindet sich in Obhut. Der Hinweis der Polizei ist so zu verstehen, dass der Mann beschützt wird, gestützt, beruhigt und wahrscheinlich auch getröstet. Er hat faktisch seinen Freund erschossen. Trotzdem ist er von den Strafverfolgern auf freien Fuß gesetzt. Das hat Gründe.
  • Haftgründe: Bei Fluchtgefahr werden Täter von einem Richter in Untersuchungshaft verwiesen. Oder wenn die Gefahr besteht, dass ein Verdächtiger Beweismittel vernichten könnte. Diese so genannte Verdunkelungsgefahr verneinen die Strafverfolger in diesem Fall. Das heißt aber auch umgekehrt: Die Frage, wie die Waffe beschafft wurde, woher die Munition stammt, das sollte für die Ermittler eigentlich geklärt sein. Gegenüber der Öffentlichkeit wird aber angegeben, genau diese Umstände würden noch untersucht. Hier wird die Vorgehensweise der Strafverfolger eigentlich unlogisch. Andererseits: Die Vorgehensweise von Staatsanwalt und Polizei ist von Milde gekennzeichnet. Dies deutet auf eine extrem schwierige mentale Lage beim Täter hin, offenbar soll ihm die Situation nicht noch zusätzlich erschwert werden. Es gibt in solchen Fällen auch immer wieder ein höchst taktisches Vorgehen der Polizei: Verdächtige werden freigelassen, sie sollen sich sicher wähnen. Tatsächlich werden sie eng beobachtet. Dies wird aber in diesem Fall ausgeschlossen.