Ein knappes Jahr nach dem Großbrand an der Ecke von Gerberstraße und Paradiesgasse stand am Donnerstag in der Früh erneut ein Haus an der Villinger Innenstadt-Straße in Flammen.

Im dritten Stock des Gebäudes der Metzgerei Paul qualmte es am Morgen um 6.30 Uhr aus den Fenstern. Die Feuerwehr war mit drei Einsatzfahrzeugen rasch vor Ort und konnte das Feuer schnell bändigen. Allerdings schlugen die Flammen teils meterhoch vor allem am rückwärtigen Gebäudebereich in den Morgenhimmel.

Brand begann im Erdgeschoss

Der Ursprung des Feuers ist nach Angaben der Feuerwehr im Flur des Erdgeschosses zu verorten. Und nach Angaben der Polizei mussten insgesamt fünf Personen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Die Einsatzkräfte haben den Brand schnell im Griff und das Feuer gelöscht.
Die Einsatzkräfte haben den Brand schnell im Griff und das Feuer gelöscht. | Bild: Wilhelm Bartler

Nach SÜDKURIER-Informationen ist von einem technischen Defekt auszugehen. Geprüft wird aktuell, ob alle Geräte ordnungsgemäß gewartet waren. "Ist dies nicht der Fall, sind wir schnell im Bereich einer fahrlässigen Brandstiftung", erklärt ein Kenner solcher Zusammenhänge.

„Ich habe Angst, ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll.“

Die ersten Bewohner sind um 9 Uhr wieder aus dem Klinikum entlassen worden. Die Bewohner stehen am Morgen vor dem Gebäude. Sie sind sichtlich unter Schock und wurden aktuell nicht betreut. Eine Frau sagt mit zitternden Händen: „Ich habe Angst, ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll.“

Kommandant Ralf Hofmann zum SÜDKURIER: „Die Stelle des Ausbruchs des Feuers ist klar ersichtlich gewesen.“ Vom Flur im Erdgeschoss ausgehend, hätten sich die Flammen auf die Wurstküche ausgebreitet. „Alles ist da kaputt, Waren, viele Gerätschaften.“

Mit drei Einsatzfahrzeugen ist die Feuerwehr Donnerstagmorgen vor Ort.
Mit drei Einsatzfahrzeugen ist die Feuerwehr Donnerstagmorgen vor Ort. | Bild: Wilhelm Bartler

Der Schaden belaufe sich auf mindestens 100 000 Euro. Auch Garagen im rückwärtigen Bereich des Anwesens seien vom Feuer erreicht worden. Wie durch ein Wunder blieben die Wohnungen in den insgesamt drei Wohn-Etagen über der Metzgerei weitgehend unversehrt.

Metzgerei muss geschlossen bleiben

Priorität sei die Menschenrettung und die Sicherung der umliegenden Häuser gewesen. „Wir haben erst einmal an allen Türklingeln Sturm geschellt“, sagt Hofmann. Dann seien die Löschkräfte ins Haus vorgedrungen. Als vier Menschen aus den oberen Stockwerken ins Freie gebracht gewesen seien, habe es plötzlich ergänzend geheißen, es halte sich noch ein 94-Jähriger im Haus auf.

Nach ersten Erkenntnissen ist der Brand im Erdgeschoss ausgebrochen.
Nach ersten Erkenntnissen ist der Brand im Erdgeschoss ausgebrochen. | Bild: Wilhelm Bartler

Wieder stürmten die Männer in das Haus, fanden den Senior. „Es ist gelungen, den Mann noch über die Treppe ins Freie zu bringen – wie alle anderen zuvor auch“, so Hofmann. Gerettet wurden außerdem eine 73-Jährige, eine 52-Jährige sowie zwei 25 und 26 Jahre alte Männer.

Mittlerweile konnte der SÜDKURIER mit dem Pächter der Metzgerei, Erich Bärenbold, sprechen: „Die Metzgerei muss bis auf Weiteres geschlossen bleiben, alles Weitere wird sich in den nächsten Tagen ergeben.“

Im rußgeschwängerten Verkaufsraum steht gegen 9 Uhr die gesamte Belegschaft, die eigentlich zum Dienst antreten wollte. Jetzt trinken sie zusammen sorgenvoll einen Kaffee und stehen vor leeren Wursttheken, in denen Löschwasserpfützen schwappen.

Die Feuerwehrleute können alle fünf Personen aus dem Gebäude retten.
Die Feuerwehrleute können alle fünf Personen aus dem Gebäude retten. | Bild: Wilhelm Bartler

Welche Herausforderungen hinter Einsätzen wie diesen auch stecken, wird am Beispiel des Villinger Feuerwehrkommandanten Ralf Hofmann deutlich. Er sei gerade auf dem Heimweg gewesen von seiner Nachtschicht in den Villinger Wieland-Werken. 

Video: Norbert Trippl


Als er einen kurzen Stopp in der Bäckerei eingelegt habe, um sich dort noch ein kleines Frühstück zu besorgen, sei der Alarm losgegangen. Statt ins heimische Bett preschte er los an den Brandort. Gegen neun stand er nach Einsatzende frisch geduscht vor dem Gerätehaus. Sein zweiter Anlauf in Richtung nach Hause war schließlich erfolgreich.

Aufkeimen alter Ängste

Es war der September des Jahres 2017, als es zwei Häuser weiter an der Gerberstraße mitten in der Nacht noch schwerer gebrannt hatte. Die Menschenrettung gelang auch damals. Das Haus an der Ecke zur Paradiesgasse gammelt bis heute vor sich hin, ist aber auch notdürftig abgedichtet gegen Niederschlagsschäden. Anwohner klagen, dass sich hier niemand mehr um die Sauberkeit kümmere. Haustüren stehen offen, Briefkästen quellen über, Unrat flattert im Sommerwind über das Pflaster.

Das größte Thema in der Nachbarschaft an diesem Augustmorgen war jedoch, dass in den umliegenden Wohnungen wieder die alten Ängste aufkamen, als die Feuerwehr mit Blaulicht herbeirauschte: Wo brennt es? Bin ich in Sicherheit? Muss ich aus meinem Haus flüchten? Der große Gerberstraßenbrand vom September ist als traumatisches Erlebnis bei vielen Bewohnern der Innenstadt in Erinnerung geblieben.

Direkt betroffene Bewohner dieses Gebäudes sind nach Informationen des SÜDKURIER bis heute in ärztlicher Behandlung. Und jetzt gibt es diesen zweiten Brand in dieser Straße. Und nicht nur das: Erst in der vergangenen Woche kam die Feuerwehr mit voller Einsatzgeschwindigkeit hierher. Zielort Sparkasse. Nach hektischem Suchen hatte sich dann herausgestellt: Fehlalarm. Aufatmen für die Menschen in der Nachbarschaft. Bis jetzt am Donnerstagmorgen wieder erneut alle hoch besorgt hochgeschreckt sind.