Es ist der Albtraum eines jeden Häuslebauers. Massive Mängel am Neubau – und der Bauträger geht in Insolvenz. So geschehen im Neubaugebiet Welvert in Villingen, wo die Firma Heli Bau aus Pfaffenweiler zahlreiche Mehrfamilienhäuser errichtet hat. Nach dem das Unternehmen jetzt Insolvenz angemeldet hat (wir berichteten), herrscht bei den betroffenen Wohnungseigentümern Enttäuschung und Wut. Sie bleiben nun wohl auf fünfstelligen Sanierungskosten sitzen.

  • Schlimmer Pilzbefall: Mit welchen Tücken der Weg in die eigenen vier Wände gepflastert sein kann, zeigt sich bei den massen Schäden an den Flachdachdächern der Gebäude in der Carlo-Schmid-Straße 6, 8 und 20. Die Flachdächer mit Holzkonstruktion, in den Jahren 2011 und 2012 fertiggestellt, sind binnen weniger Jahre durch Feuchtigkeit und Pilzbefall massiv geschädigt, manche Balken und Sparren völlig verrottet, berichtet Uwe Strittmatter, der mit der Hausverwaltung dieser Gebäude betraute Geschäftsführer der gleichnamigen Villinger Hausverwaltung. In einem Fall sei die Verrottung so massiv gewesen, dass eine größere Schneelast auf dem Dach vermutlich erhebliche Schäden angerichtet hätte.
  • Risikoreiche Konstruktion: Doch wie kann ein neues Holzdach so schnell zerbröseln? Die Feuchtigkeit, berichtet Strittmatter, sei keineswegs von außen eingedrungen. Vielmehr hat sich durch die natürliche Feuchtigkeit im Hause Schwitzwasser am Dachgebälk gebildet.
    Die Ursache für diese fatale Entwicklung liegt nach Feststellung der eingeschalteten Bausachverständigen an der gewählten Dachkonstruktion. Heli-Bau verzichtete auf eine Belüftung und setzte auf das System eines unbelüfteten Flachdachs mit einer Dampfbremsfolie. Dieses System kam in den letzten 20 Jahren wegen vermeintlich wirtschaftlicher Vorteile in Mode. In einem wissenschaftlichen Aufsatz in der Fachzeitung der "Der Bausachverständige" (Ausgabe 2/16) wird dieses Prinzip als "äußerst risikobeladen" beschrieben, das kleinste Fehler mit großen Bauschäden bestrafe. Schon ein kleines Loch in der luftdichten Folie oder andere äußere Einflüsse könnten die Wirkung des Dampfabzugs außer Kraft setzen. Dann werde der ganze Dachstuhl zur "Feuchtefall", zum "selbstkompostierenden Flachdach". 50 Prozent der Bausachverständigen hierzulande hätten bereits Mängel an diesen Konstruktionen festgestellt.
  • Immense Kosten: Inzwischen haben die Eigentümergemeinschaften in der Carlo-Schmitt Straße 20 und 8 ihre beiden Dächer erneuern lassen. Das ebenfalls geschädigte Dach des Hauses Nummer 6 soll ab Frühjahr saniert werden. Wie Uwe Strittmatter berichtete, wurde auf das Sanierungskonzept große Sorgfalt verwendet und ein Bauphysiker, ein Schimmelpilzexperte und ein Fachplaner hinzugezogen, um keine neuen Fehler zu begehen. Die Kosten pro Dachsanierung liegen bei 140 000 Euro. Das bedeutet für jeden Wohnungsbesitzer einen bitteren Anteil von rund 20 000 Euro.
    Die Dächer von fünf weiteren Heli-Bau-Wohnblocks im Welvert sollen im Sommer auf mögliche Schäden untersucht werden.
  • Weitere Mängel: Die Dachschäden sind allerdings nicht die einzigen Baumängel. So funktionieren die meisten Wärmepumpen, mit denen die Gebäude beheizt werden, unzuverlässig und fallen öfter aus. Dann wird eine strombetriebene Notheizung in Betrieb gesetzt, die die Stromkosten gewaltig noch oben treibt. Außerdem schaffen die Pumpen nicht die von der Trinkwasserverordnung geforderte Wassererwärmung auf 60 Grad. Hier werden weitere Investitionen fällig. In zahlreichen Wohnungen müssen die Balkonabdichtungen erneuert werden. Und in einem Haus drang bereits Grundwasser in die Tiefgarage und Keller ein.
  • Frust und Wut: Die Stimmung bei den Betroffenen, berichtet ein Wohnungseigentümer, sei nach der Insolvenz von Heli-Bau geprägt von Wut und Frust. Denn jetzt sei dort wohl nichts mehr zu holen: "Einige haben einen ganzen dicken Hals." Die Häuser sind erst zwischen zwei und sechs Jahre alt, entsprechend gering die Rücklagen der Eigentümergemeinschaften. "Heli Bau galt vielen als seriöser Bauträger. Und jetzt das", sagt ein Betroffener. Manche Eigentümer seien finanziell am Anschlag und wüssten nicht, woher sie das Geld nehmen sollten. Dabei seien die meisten mit dem Design der Wohnungen, dem Zuschnitt und der Innenausstattung höchst zufrieden. "Der Bauträger hat nicht billig gebaut", bestätigt auch Hausverwalter Strittmatter. Aber Heli Bau habe bei Dächern und der Heizung auf die falschen Konzepte gesetzt, urteilt der Hausverwalter. Die Zeche zahlen jetzt andere.

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