Vor fünf oder sechs Jahren, genau kann Stefan Schindler sich nicht mehr erinnern, kam einmal eine Familie mit ihrem toten Meerschweinchen in sein Tierkrematorium. Die Mutter hatte damals gesagt: "Es war immer für uns da, jetzt wollen wir es würdig verabschieden."

Ein wenig wundert sich Schindler. Schließlich war es ein Meerschweinchen. Als die Familie wiederkommt, um die Asche abzuholen, erzählt die Mutter, das ihre Tochter an Krebs erkrankt ist und das Meerschweinchen bei allen Therapien und Krankenhausaufenthalten immer an ihrer Seite war. "Ich habe ihr dann eine Urne geschenkt", sagt Schindler. "Mehr konnte ich nicht tun."

Im Vorraum des Tierkrematoriums können sich die Kunden eine Urne der Wahl aussuchen.
Im Vorraum des Tierkrematoriums können sich die Kunden eine Urne der Wahl aussuchen. | Bild: Greiner, Anja

Stefan Schindler, 49 Jahre alt, sitzt im Beratungszimmer seines Tierkrematoriums in Schramberg an einem dunkelbraunen Holztisch auf dem ein lila Läufer aus Organza liegt und bekommt immer noch Gänsehaut, wenn er die Geschichte erzählt. Hinter Schindler verdeckt ein Rollladen das Fenster zum Raum mit dem Ofen. Ein kurzes Klappern ist von dort zu hören. "Jetzt ist alles drin", sagt Schindler.

Das könnte Sie auch interessieren
Hinter dem Besprechungszimmer befindet sich der Ofen.
Hinter dem Besprechungszimmer befindet sich der Ofen. | Bild: Greiner, Anja

Rund 20 Minuten dauert das Einäschern einer Katze, bei einem großen Hund knapp eineinhalb Stunden. Zwischen 8000 und 9000 Tiere äschern sie im Jahr ein. Die Zahlen schwanken. Mal sind es 500, mal 900 pro Monat. Jeder Monat ist anders. "Wie bei den Menschen", sagt Schindler. Gerade bei den Hunden merke man die geburtenstarken Jahre. "Wenn in einem Jahr viele Dackel kommen oder Rottweiler, da merkt man, da ist viel gezüchtet worden." Das Einzugsgebiet ist groß. Das Krematorium in Schramberg ist das einzige in der Region. Das nächste ist in Memmingen, im Unterallgäu.

In dem Ofen des Tierkrematoriums werden täglich 25 bis 30 Tiere eingeäschert.
In dem Ofen des Tierkrematoriums werden täglich 25 bis 30 Tiere eingeäschert. | Bild: Greiner, Anja

Auf die Idee, ein eigenes Tierkrematorium zu eröffnen, kommt Schindler, als vor 17 Jahren sein Hund stirbt und er bis nach Norddeutschland fahren muss, um ihn einäschern zu lassen. Vier Jahre dauert es, bis er die nötigen Genehmigungen hat. Eine Ausbildung für die Einäscherung von Tieren gibt es in dem Sinne nicht, es gibt Lehrgänge, die vom Ofenbauer gestellt werden oder von Bestattungsinstituten für Menschen. Inzwischen hat er fünf Angestellte; die meisten sind gelernte Tierarzthelferinnen.

In einem Tierkrematorium zu arbeiten heißt vor allem auch, mit Menschen zu arbeiten. Schindler kennt die Trauer der Kinder um ihren Hamster, die der verwitweten Rentnerin um ihre Katze und die des Mannes um seinen Hund. "Wir nehmen den Menschen das Liebste weg. Da ist es schön, wenn wir ihnen hinterher die Asche mitgeben können." Er weiß oft, welche Krankheiten die Tiere hatten, wie viel Geld die Menschen mitunter bereits für Untersuchungen ausgegeben haben. "Ein MRT kostet 3600 Euro", sagt er. Krebs, Unfall, einfach einschlafen. Todesursachen gibt es viele. "Wie bei den Menschen auch."

Der Ofen im Tierkrematorium ist der gleiche, wie er auch in einem Humankrematorium zum Einsatz kommt.
Der Ofen im Tierkrematorium ist der gleiche, wie er auch in einem Humankrematorium zum Einsatz kommt. | Bild: Greiner, Anja

40 Quadratmeter ist das Kühlhaus groß. Maximal 300 Tiere kann er dort lagern. Jedes Tier, das ankommt, wird gewogen, in einem Leichensack verpackt, beschriftet mit dem Namen des Tieres und des Kunden und dann ins Regal gelegt. Keines liegt länger als eine Woche im Kühlraum. "Manchmal haben wir Urlauber da, dann macht man es auch mal schneller."

Die größten Tiere, die sie einäschern, sind Bernhardiner und Wolfshunde, die kleinsten Maus und Hamster. Die Preisspanne liegt zwischen 120 Euro und 800 Euro. "Es geht nach Gewicht", sagt Schindler. Und: "Wir schieben nicht die Tiere einfach so in den Ofen." Ein letzter Gruß, sagt Schindler, gehört immer dazu. "Tschüss, gute Reise", sagt er immer.

Seit kurzem gibt es auch Urnen für Pferde. Die dürfen seit einer Gesetzesänderung nun auch eingeäschert werden. Zuvor mussten sie zum ...
Seit kurzem gibt es auch Urnen für Pferde. Die dürfen seit einer Gesetzesänderung nun auch eingeäschert werden. Zuvor mussten sie zum Abdecker gebracht werden. | Bild: Greiner, Anja

Die Zahl der Einäscherungen steigt bei Schindler jedes Jahr. Das Tier, sagt er, hat heute einen ganz anderen Stellenwert. "Tiere werden nicht mehr einfach nur weggeworfen." Für Menschen, die alleine sind, sind sie meist wie Kinder. "Dann wird auch Geld ausgegeben." Für eine Urne beispielsweise, besetzt mit Swarovski-Steinen und eingraviertem Namen. 600 Euro kostet das dann schon mal. Mit der Einäscherung kommt man dann schnell auf 1000 Euro. Immer noch günstiger, als ein Diamant, in den die Asche des verstorbenen Tieres gepresst wird. Der günstigste, den Schindler im Angebot hat, kostet 2500 Euro. 28 davon hat er im vergangenen Jahr verkauft. "Viele", sagt er, "sparen sich das ab".

Die edle Variante: Wer möchte, kann die Urne des Tieres auch in einen Diamanten pressen lassen.
Die edle Variante: Wer möchte, kann die Urne des Tieres auch in einen Diamanten pressen lassen. | Bild: Greiner, Anja
Wer möchte, kann die Asche seines Tieres auch in einen Anhänger pressen lassen.
Wer möchte, kann die Asche seines Tieres auch in einen Anhänger pressen lassen. | Bild: Greiner, Anja
Unten kann die Asche des Tieres in die Urne gefüllt werden.
Unten kann die Asche des Tieres in die Urne gefüllt werden. | Bild: Greiner, Anja

Nicht jeder will sein Tier am Ende auch mit nach Hause nehmen. Darum machen sie einmal in der Woche eine Sammeleinäscherung. Morgens um sechs Uhr fangen sie an. Bis zu zehn Katzen legen sie dann hintereinander auf die Bahre. Über den Tag äschern sie so rund 100 Tiere ein. Die Asche verstreuen sie dann auf dem Grundstück.

Unter gewissen Bedingungen könnten Tiere auch auf dem eigenen Grundstück bestattet werden. Oder auf einem Tierfriedhof. Im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es keinen. Der nächste von hier aus ist in Freiburg.

Angefangen hat Schindler vor etwas über zehn Jahren mit einem Tier pro Woche. Inzwischen äschern sie an einem normalen Tag zwischen 25 und 30 Tiere ein. Wenn die toten Tiere nicht persönlich vorbeigebracht werden, holen seine Mitarbeiter die Tiere ab.

Sie sind in ganz Baden-Württemberg unterwegs, manchmal darüber hinaus. Sie fahren zu Tierärzten, Tierheimen, Tierbestattern. Und sie holen die verstorbenen Tiere auch von Zuhause ab. Das ist am härtesten. Man muss sich bewusst sein, sagt Schindler, wenn man das Haus verlässt, nimmt man unter Umständen das Letzte mit, das der Mensch hatte.

"Zu meinen Mitarbeitern sage ich immer, nehmt nichts zu Essen und nichts zu Trinken wenn ihr bei den Leuten zu Hause seid. Es ist ein Geschäft. Wir sind Dienstleister." Schindler ist kein sentimentaler Mensch. Aber einer, der mitfühlen kann.

Wenn er in die Wohnung kommt und da steht noch der frisch gefüllte Futternapf bereit, dann setzt er sich eben doch mal kurz und trinkt einen Kaffee. Sie zeigen ihm dann Bilder und sie stehen im Türrahmen wenn er wieder fährt. Das tote Tier im Kofferraum. Manche winken. "Dann gucke ich in den Rückspiegel und bekomme ein schlechtes Gewissen."

 

Das ist beim Umgang mit Kleintieren zu Hause zu beachten

Karin Breuer ist seit über 15 Jahren Tierärztin. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie in Villingen-Schwenningen eine Praxis, die sich auf Kleintiere spezialisiert hat. Worauf man bei den sogenannten Heimtieren – also Kanninchen, Hamster, Maus und Meerschweinchen – in der Haltung besonders achten soll, erlärt sie hier.

  1. .Wie merke ich, ob mein Tier krank ist? "Das erste Symptom ist meistens immer, dass die Tiere nicht mehr fressen", sagt Breuer. Heimtiere sind normal unglaublich verfressen. "Wenn sie nur vor dem Fressen sitzen und nichts anrühren, dann sollte erstmal die Alarmglocke schrillen." Ihr Tipp: Das Tier einmal die Woche auf die Küchenwaage setzen und wiegen. "Gewichstverlust ist meist ein Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt."
  2. .Was ist bei der Anschaffung wichtig? "Man sollte sich unbedingt vorher informieren, welches Tier man überhaupt will und wie es gehalten werden muss." Meerschweinchen und Kaninchen zum Beispiel könne man unmöglich allein halten, während Hamster wiederum alleine gehalten werden sollen. Die Tiere beim Züchter zu kaufen wäre natürlich ideal. "Aber ich kenne auf Anhieb auch keinen Meerschweinchen-Züchter." Im Zoohandel könne man die Tiere jedoch guten Gewissens kaufen. "Wenn es sauber ist und die Tiere sich normal verhalten, spricht nichts dagegen." Märkte, auf denen die Tiere häufig günstiger angeboten werden, sollte man jedoch eher meiden. "Die Tiere haben oft viele Parasiten." Auch bei Angeboten im Internet sollte man vorsichtig sein. "Man sollte lieber hingehen, sich die Tiere anschauen und vor allem auch nicht aus Mitleid kaufen." Beispielsweise wenn jemand sagt, er habe hier zehn junge Meerschweinchen und wisse nicht wohin damit. "Damit unterstützt man das nur und es geht immer so weiter."
  3. .Welche Kosten kommen mit Anschaffung und Haltung auf mich zu? Die Preise variieren, je nach Tier. "Am günstigstens ist mit rund 25 Euro sicher der Hamster", sagt Breuer. Für ein Meerschweinchen oder ein Kaninchen kann man aber auch mal 80 Euro in der Zoohandlung bezahlen. "Man braucht dann ja auch mindestens zwei davon." Dazu kommen die Kosten für die Haltung. "Ein großer Kaninchenkäfig kostet zwischen 100 und 300 Euro." Dazu kommt dann idealerweise noch ein Außengehege, Futterhäuschen, Schlafhäuschen und so weiter. "Mit ein paar hundert Euro ist man da sicher dabei." Die Futterkosten hingegen fallen nicht so sehr ins Gewicht. Körner, Obst und Gemüse sind relativ günstig. Ebenfalls einkalkulieren sollte man Kosten für die Gesundheit des Tieres. Für einen Tierarztbesuch ist je nach Erkrankung und nötiger Behandlung mit Kosten zwischen zehn und 15 Euro für eine allgemeine Untersuchung mit Krallenschneiden bis hin zu 150 Euro für Zahoperationen zu rechnen.
  4. .Worauf sollten Eltern achten, deren Kinder sich unbedingt ein Tier wünschen? "Sie sollten sich unbedingt überlegen, ob sie bereit sind, selber mitzumachen", sagt Breuer. "Ohne elterliche Mithilfe geht es nicht, zumindest bis die Kinder im Teenageralter sind." Die Kinder sind oft überfordert und merken beispielsweise nicht, ob ein Tier Gewicht verliert, also womöglich schwer krank sei. Auch das regelmäßige Ausmisten klappe nicht immer. "Die Eltern müssen einfach bereit sein, auch danach zu gucken und nicht zu sagen: 'Wenn du nicht ausmistest, dann macht es eben keiner'."
  5. .Welche Krankheiten sind bei den Heimtieren am Häufigsten? "Ganz viele haben Zahnprobleme", sagt Breuer. Die Zähne wachsen schnell nach und gerade bei Kaninchen, die immer mehr auf kleine Köpfe gezüchtet werden, haben die neuen Zähne dann keinen Platz mehr. Neben den Zahnleiden haben die Tiere oft Magen-Darm-Beschwerden. "Das liegt meistens an der falschen Ernährung."
  6. .Worauf solle man bei der Ernährung achten? Kaninchen zum Beispiel, fressen viel Heu und wenig Getreide. Für Kaninchen und die meisten anderen kleinen Nager gelte außerdem viel Salat, Karotte, Fenchel. "Nichts was bläht, also keinen Kohl." Ebenfalls vermieden werden sollte Körnerfutter. "Das sieht zwar schön bunt aus, ist aber für die Tiere, wie für uns Schokolade."
  7. .Wie kann man unkontrollierte Vermehrung verhindern? "Die männlichen Tiere sollte man auf jeden Fall kastrieren", sagt Breuer. Der Eingriff sei relativ einfach und dauert nicht länger als einen Tag und kostet rund 65 Euro. Zum Teil, sagt Breuer, werden auch bereits kastrierte Jungtiere im Zoohandel angeboten. Dagegen spräche nichts, sagt sie. Allerdings habe sie auch schon erlebt, dass die Halter mit so einem Tier in die Praxis kamen "und da war noch alles dran." (ang)